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Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Digitale Präsentationen >> Archivale des Monats 2000–2010 >> Archivale des Monats Dezember 2002

Archivale des Monats Dezember 2002

Weihnachtliche Motive auf mittelalterlichen Urkunden.

Präsentation im Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 02.-20.12.2002

Ablassurkunde

1. Ablassurkunde für das Kloster Weingarten, 1490

Künstlerische Darstellung der Geburt Christi

Mittelalterliche Urkunden weisen nur selten farbige Verzierungen und Bemalungen auf. Manchmal werden bestimmte Buchstaben (Initialen) oder Worte künstlerisch ausgeschmückt, darüber hinaus finden sich jedoch auch Versinnbildlichungen religiöser Motive oder Wappenabbildungen auf den Dokumenten.

Das Archivale des Monats Dezember stellt eine prunkvolle Urkunde über einen sogenannten Sammelablass (Sammelindulgenz) dar. Insgesamt 19 Kardinäle gewähren denjenigen Personen, die den Sebastianaltar im Kloster Weingarten an bestimmten Festtagen besuchen, 100 Tage Ablass. Die Urkunde datiert vom 09. September 1490; sie wurde in Rom ausgefertigt.

Auf der Urkunde sind neben Blumenranken das Wappen des Papstes Innozenz VIII. (Giovanni Battista Cibo, Papst 1484-1492) sowie religiöse Motive (Dreifaltigkeit, Jungfrau Maria mit Kind, Martyrium des Heiligen Sebastian) dargestellt. Anlass für die Präsentation der Urkunde als Archivale des Monats war die künstlerische Ausgestaltung der Geburt Christi in der mittleren der drei oben rechts auf der Urkunde befindlichen Malereien. Die Heilige Familie erscheint hier im zeitgenössischen Kolorit und vor spätmittelalterlicher Umgebung.

Die Abbildungen auf mittelalterlichen Urkunden haben zumeist - wie auch auf der Weingartener Urkunde - symbolhaften Charakter; sie weisen in der Regel einen engen Bezug zum Inhalt der Dokumente auf. So knüpft etwa die Darstellung der Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria sowie des Martyriums des Heiligen Sebastian an den im Text erwähnten Sebastianaltar in Weingarten an.

Sammelindulgenzen als Typus mittelalterlicher Urkunden

Als Sammelindulgenzen bezeichnet man Urkunden, in denen mehrere Aussteller (Bischöfe oder Kardinäle) einen Ablass gewähren. Von Kardinälen ausgestellte Sammelablässe wie der vorliegende sind vor allem aus dem 15. und beginnenden 16. Jahrhundert, mit einer Lücke unter den Päpsten Martin V. und Eugen IV. (1417-1447), überliefert. Nach 1517 geht ihre Zahl stark zurück, wohl infolge der Reformation. Die meist sehr großformatigen Urkunden dienen der öffentlichen Verkündigung des Ablasses und werden in der Regel in den betreffenden Kirchen präsentiert.

Die Weingartener Urkunde weist den für Sammelindulgenzen typischen, sehr gleichförmigen Aufbau auf. Auf die Aufzählung der Aussteller folgt die allgemeine Adresse Universis et singulis Christifidelibus presentes litteras inspecturis ("An alle Christgläubigen, die die vorliegende Urkunde ansehen werden") sowie die Grußformel Salutem in domino sempiternam ("Ewigen Gruß im Herrn"). Die Gewährung des Ablasses wird in einigen wenigen, stereotypen Formeln mitgeteilt. Diese Formeln folgen Mustern, die in spe-ziellen, an der Kurie gebräuchlichen Sammlungen niedergelegt sind. Den Abschluss der Urkunde bilden Orts- und Datumsangabe.

Neben einem gleichförmigen Aufbau sind auch farbige Verzierungen und Bemalungen, wie sie sich an der hier ausgestellten Weingartener Urkunde zeigen, ein typisches Kennzeichen von Sammelindulgenzen. Seit 1458 weist etwa jeder zweite Sammelablass starke Ausschmückungen (Blumenranken, Medaillons mit Wappen, Heiligendarstellungen etc.) auf.

Signatur: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 52 U 27

Siegel des Franziskanerklosters Reutlingen, 1277

2. Siegel des Franziskanerklosters Reutlingen, 1277

Bilder aus dem Leben Jesu oder Mariendarstellungen zählen zu den beliebtesten Motiven auf klösterlichen Siegeln. Vergleichsweise selten wird jedoch die Weihnachtsgeschichte dargestellt. Eine zentrale Szene erscheint im Siegelbild des Franziskanerklosters Reutlingen: Die Heiligen Drei Könige huldigen dem Christuskind im Schoß der sitzenden Maria. Der erste, der kniend seine Gaben überreicht, und der zweite, der zum Stern emporweist, überdecken sich zur Hälfte. Mit diesem Siegel beglaubigt das Franziskanerkloster Reutlingen neben Pfalzgraf Otto von Tübingen und dem Prior von Reichenbach eine Schenkungsurkunde zugunsten der Franziskaner in Kniebis vom 01. Juli 1277.

Signatur: Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 494 U 55

S · FR(ATRU)M · MINOR(UM) · IN · RVTELINGEN ·

Wasserzeichen aus der Sammlung Piccard, 1418

3. Wasserzeichen aus der Sammlung Piccard, 1418

Weihnachtliche Motive finden sich auch als Wasserzeichen in historischen Papieren. Mit der Wasserzeichensammlung Piccard (= Bestand J 340) verfügt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart über die weltgrößte Sammlung ihrer Art. Sie enthält unter anderem eine große Anzahl von Engelsdarstellungen. Ausgewählt wurde ein Wasserzeichen, das sich im Papier einer Handschrift findet, die 1418 in Nijmegen (Niederlande) geschrieben wurde und heute im Rijksarchief Arnheim liegt.

Signatur: Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 340 Nr. 21360