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Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Digitale Präsentationen >> Archivale des Monats 2000–2010 >> Archivale des Monats Januar 2003

Archivale des Monats Januar 2003

Präsentation im Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 02.-31.01.2003

Besitznahme und Erwerbung Neuwürttembergs. " ... und bis auf weitere Bestimmungen folgende Objecte in Besiz nehmen zu lassen ..."

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann in den Jahren 1802/1803 eine grundlegende staatliche Neuordnung, wobei auch die politische Gliederung des deutschen Südwestens umfassend umgestaltet wurde. Das Herzogtum Württemberg konnte sich dabei auf Kosten seiner bis dahin unabhängigen Nachbarn innerhalb weniger Jahre beträchtlich vergrößern.

In politischer Hinsicht gab die Französische Revolution von 1789 den Anstoß zu diesen Umwälzungen; die geistigen Grundlagen reichen jedoch weit ins 18. Jahrhundert zurück, ins Zeitalter der Aufklärung mit seiner kritischen Einstellung gegenüber Religion und Kirche.

Als im Verlaufe des Ersten Koalitionskrieges (1792-1797) das linke Rheinufer mit den dortigen Gebieten deutscher Fürsten von französischen Truppen besetzt wurden, schlossen im Jahr 1796 Württemberg, Baden, Hessen-Kassel und Bayern mit Frankreich einen Sonderfrieden ab (Pariser Sonderfriede), wodurch ihnen Entschädigungen für ihre Verluste in Aussicht gestellt wurden. Die geistlichen Fürstentümer und die Reichsstädte rechts des Rheins wurden dabei als "Ausgleichsmasse" betrachtet. Der nach dem Zweiten Koalitionskrieg (1799-1801) geschlossene Friede von Lunéville bestätigte die Anwartschaft der deutschen Fürsten auf eine Entschädigung für die verlorenen linksrheinischen Gebiete. Nach langwierigen Verhandlungen legte die vom Reichstag eingesetzte "Reichsfriedensdeputation" am 25. Februar 1803 den sogenannten Reichsdeputationshaupt-schluß vor, wonach sämtliche geistlichen Fürstentümer aufgehoben und der Einzug des Kirchenguts gestattet wurde. Für Württemberg war mit den Besitzerwerbungen von 1802/1803 auch die Erhebung zum Kurfürstentum verbunden.

Kurfürst Friedrich konnte sich dem Drängen Napoleons, seine Armee durch württembergische Kontingente zu verstärken, nicht länger widersetzen. Wie Bayern und Baden kämpfte Württemberg im Dritten Koalitionskrieg (1805-1807) an der Seite Frankreichs. Kurfürst Friedrich hatte lange gezögert, sich Napoleon anzuschließen; schließlich mußten Baden und Württemberg am 5. Oktober 1805 wie zuvor schon Bayern der militärischen Allianz doch beitreten. Allerdings nutzte Kurfürst Friedrich die Gunst der Stunde. Für seinen Beitritt zum Bündnis forderte und erhielt er von Napoleon die völlige Souveränität Württembergs, die Standeserhöhung zum König, beträchtliche Gebietserweiterungen und die Unterwerfung der eingesessenen Reichsritterschaft zugesagt. Durch die militärischen Erfolge der französischen Truppen in Süddeutschland konnten die Zusagen Napoleons sogleich realisiert werden. Schon am 19. November 1805 erließ Kurfürst Friedrich ein Patent, das die Okkupation aller Besitzungen der Reichs-ritterschaft, des Deutschen Ordens und des Johanniterordens innerhalb und an den Grenzen des Kurfürstentums anordnete (Besitzergreifungspatent). Gleichzeitig erhielten die Kommissare den Befehl, die Kassen und Archive der Kantone des Schwäbischen Ritterkreises zu beschlagnahmen. Das sogenannte Besitzergreifungspatent, das zur besseren Verbreitung gedruckt wurde, wird hier gezeigt.

Mit der vorläufigen Inbesitznahme der geistlichen und weltlichen Herrschaften wurden die württembergischen Oberamtleute noch am selben Tag beauftragt. Sie mußten das Besitzergreifungspatent anschlagen, die württembergischen Hoheitszeichen aufstellen, die Beamten und Ortsvorsteher in die Pflicht nehmen sowie die angewiesenen Steuern einziehen. Nach Abschluß der Besitzergreifung hatten die Oberamtleute an das Kurfürstliche Staatsministerium in Stuttgart einen Bericht einzusenden.

Bis zum Dezember 1805 war die offizielle Besitzergreifung abgeschlossen. In einigen Orten kam es zwar zum Widerstand bei der Bevölkerung und bei den Beamten; er wurde jedoch mit Gewalt gebrochen. Alle Proteste beim Kurfürsten und der Kurfürstlichen Regierung blieben ungehört.

Der Friede von Preßburg vom 26. Dezember 1805 zwischen Frankreich und Österreich brachte den drei süddeutschen Kurfürsten Baden, Bayern und Württemberg die angestrebten Standeserhöhungen zum Großherzog bzw. König und beträchtliche Gebietserweiterungen sowie die volle Souveränität über alle alten und neuen Lande. Sämtliche Okkupationen wurden dadurch anerkannt.

Literatur: Rudolf Endres, Lieber Sauhirt in der Türkei als Standesherr in Württemberg. Die Mediatisierung des Adels in Südwestdeutschland. Aufsatz im Begleitband zur Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2003: Alte Klöster, neue Herren. Die Säkularisation im deutschen Südwesten 1803.

" ... schweigen, gehorchen und bezahlen!" Die staatliche Neuordnung im östlichen Württemberg 1802/1806. Magazin zur Ausstellung der Großen Kreisstädte Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd sowie dem Ostalbkreis 2002.

Besitzergreifungspatent von Kurfürst Friedrich von Württemberg vom 19. November 1805
Besitzergreifungspatent von Kurfürst Friedrich von Württemberg vom 19. November 1805

Dieses Patent wurde im Sommer 2002 bei der Verzeichnung des Bestandes A 205 a (Kurfürstliches Staatsministerium) ermittelt. Dabei handelt es sich um eine Originalausfertigung mit dem Siegel des Kurfürsten und seiner eigenhändigen Unterschrift ("Friedrich"). Rechts unten hat der Staatsminister Graf Heinrich Levin von Wintzingerode gegengezeichnet. Beigelegt ist das Dekret an die württembergischen Oberamtleute vom selben Tag, ebenfalls mit den eigenhändigen Unterschriften von Kurfürst Friedrich und Graf Wintzingerode.

Signatur: A 205 a (Kurfürstl. Staatsministerium) Bü 79