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Archivale des Monats März 2003

Alles gefälscht? Verdächtige Urkunden aus der Stauferzeit.

Initiale aus einer Urkunde

Fälschungen im Mittelalter

Fälschungen sind ein nach wie vor aktuelles Thema, das auch heute noch politische Entscheidungen beeinflussen kann. Fälschungen auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur und der Geschichte erregen nicht nur die besondere Aufmerksamkeit der Fachwissen- schaftler, sondern faszinieren seit jeher eine breite Öffentlichkeit.

Bei der Beschäftigung mit mittelalterlichen Urkunden stellt sich das Echtheitsproblem von vornherein. Die diplomatische Forschung hat sich seit dem 18. Jahrhundert aus dem kritischen Umgang mit den Urkunden entwickelt und ein differenziertes Instrumentarium bereitgestellt, um die Authentizität der Texte als historische Quellen zu überprüfen. Dabei ist jedoch keinesfalls der moderne Fälschungsbegriff zugrunde zu legen: Die mittelalterlichen "Fälschungen" sind - je nach historischem Hintergrund bzw. Motiv - differenziert zu beurteilen. Die Spannweite reicht von der korrekten Nachzeichnung einer nicht mehr vorhandenen Urkunde über die Aktualisierung älterer Texte in neuen äußeren Formen und Verfälschungen durch Veränderungen im ursprünglichen Textbestand bis hin zu kompletten Neuschöpfungen von Urkunden, die ihre Echtheit nur vortäuschen.

Das Diktum vom "Ehrbaren Fälscher" (C. Brühl) ist gerade für das frühere Mittelalter als einer Zeit rudimentärer Schriftlichkeit relevant und bleibt bei der Beurteilung der mittelalterlichen Fälschungen und ihrer Hersteller aus heutiger Sicht zu bedenken. Freilich wurde in keiner Epoche der Menschheitsgeschichte bislang fleißiger "gefälscht" als im Mittelalter. Und hier wiederum gilt die "Stauferzeit", das 12./13. Jahrhundert, als Höhepunkt der Fälschungsproduktion.

Hochmittelalterliche Fälscherwerkstätten und ihre Motive

Gab sich die historische Wissenschaft bis ins 19. Jahrhundert mit dem reinen Fälschungsnachweis zufrieden, so fragt die moderne Urkundenkritik stets auch nach dem Fälschungsgrund und der Motivation des Fälschers. Freilich gelingt es nur selten in aufwendigen Spezialuntersuchungen, einzelne Fälscherpersönlich-keiten zu identifizieren oder biographisch zu beleuchten. Trotzdem gestattet es der aktuelle Forschungsstand, Orte der "Fälschungsproduktion" zu lokalisieren und teilweise auch ihre gegenseitigen Vernetzungen zu erfassen.

Aus den reichhaltigen Urkundenbeständen des Hauptstaatsarchivs Stuttgart wurden einige repräsentative Beispiele ausgewählt, die in Hinblick auf ihre Echtheit zumindest verdächtig sind. Diese Urkunden wurden im 12./13. Jahrhundert geschrieben, in jener Zeit gefälscht, oder aber später auf die "Stauferzeit" gefälscht. Sie belegen zunächst die weite Streuung der "Fälscherwerkstätten", der Skriptorien bzw. Herstellungsorte der Urkunden. Dabei verwundert es kaum, dass es sich vor allem um Klöster und Stifte handelt, deren Textproduktion ohnehin das hohe Mittelalter bei weitem dominierte. Auch die südwestdeutschen Bischofssitze Worms, Speyer und Konstanz sind darunter; als Adelssitze nur die Burgen Eberstein und Tübingen.

Die Spannweite der Motive für diese "Fälschungen" ist groß: Von der Rekonstruktion verlorengegangener Texte über die Aktualisierung in neuen Formen bis hin zur bewussten Fälschung im modernen Sinn. In aller Regel aber geht es um den Nachweis von Besitzrechten, rechtmäßiger oder unrechtmäßiger, der zum Vorteil des Schreibers und seiner Institution dienen sollte - was meist wohl auch gelang.

Fälschungen und ihre Identifizierung

Als eine der "vornehmsten Aufgaben" der Mittelalterforschung wird nach wie vor die Identifizierung und Untersuchung von Fälschungen angesehen. Dabei geht es zunächst um die Indizien, die anhand der Urkundenkritik die Fälschung als solche nachweisen. Hier ist zwischen äußerer Form und Textinhalt zu unterscheiden: Das Format des Pergaments, Schriftspiegel/Layout, Anbringungsart des Siegels und natürlich der paläographische Befund selbst, die Schriftuntersuchung, bieten Aussagen zur Authentizität der Urkunde. Die mittelalterliche Schriftentwicklung und ihre Vergleichbarkeit werden hier am Beispiel der ausgestellten Urkunde Nr. 12 vorgestellt (nach V. Trugenberger).

Der innere Befund orientiert sich am Textinhalt und untersucht dessen Aussagen im historischen Zusammenhang. Vor allem die Datierung und die Zeugenreihen hochmittelalterlicher Urkunden bieten vielfach Indizien für deren Stimmigkeit. Das Itinerar zumal der staufischen Könige und Kaiser ist gut bekannt, und auch die hochrangigen Personen, die als Urkundenzeugen auftreten, sind in der Regel zu identifizieren.

Im Überblick lässt sich festhalten: Gefälscht wurde auf den Namen von Königen, Kaisern und Päpsten genauso wie auf den von weltlichen und geistlichen Fürsten und anderen Herren - je prominenter ein Urkundenaussteller, um so eindrucks- und wirkungsvoller die Autorität seiner Privilegien. Auch die Fälschungsarten waren vielfältig: Von der einfachen Rasur einer Jahreszahl (Datums-fälschung) bis hin zur großflächigen Radierung ganzer Pergamente, die dann mit neuen Texten überschrieben wurden, reichte die Palette. Oder es entstanden ganz neue Urkunden, die sich authentischer Teile älterer Schriftstücke bedienten, welche anschließend vernichtet wurden. Dabei ist vor allem die Wiederverwendung der Siegel als Beglaubigungszeichen auffällig. Der Fälschungserfolg scheint beträchtlich gewesen zu sein; von Fälschungsentdeckungen und ihrer Bestrafung erfahren wir hingegen wenig.

Zu betonen bleibt die Notwendigkeit zur Differenzierung: Es gilt nicht, den mittelalterlichen "Urkundenfälschern" pauschal primitive Betrugsabsicht zu unterstellen; die "ehrbare" Fälschung als fingiertes Dokument realer Verhältnisse gehörte sicher ebenso zum zeitgenössischen Rechtsempfinden, wie die betrügerische Fälschung zum eigenen Vorteil.