Landeswappen Baden-Württemberg

Aktuelle Hinweise

Ausstellungen

Veranstaltungen

Presse/Berichte

Neue Publikationen

Laufende Projekte

Nachrichtenarchiv

Unser Selbstverständnis

Landesarchiv

Aufgaben und Dienstleistungen

Rechtsgrundlagen

Organisation

Ansprechpartner/innen

Projekte

Jahresberichte

Publikationen

Ausbildung und Praktika

Vergabeverfahren

Stellenausschreibungen

Präsentationen und Inventare

Landeskunde entdecken online (LEO-BW)

Württembergisches Urkundenbuch Online

Karoline Luise von Baden – Kunst und Korrespondenz

Auswanderung aus Südwestdeutschland

Klöster in Baden-Württemberg

Landesforschung und Landesbeschreibung

Angebote für Schulen und Gruppen

Mitmachprojekte des Landesarchivs

Aktenaussonderung

Elektronische Systeme

Historischer Wert

Ihr Landesarchiv

Ansprechpartner im Archiv

Übergabeverzeichnisse

Wie nutzen Sie das Landesarchiv?

An welche Archivabteilung können Sie sich wenden?

Recherche & Bestellung

Mein Konto

Recherchehilfen & Dienstbibliotheken

Öffnungszeiten

Rechtsgrundlagen und Formulare

Kopien und Reproduktionen

Landesarchiv >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Aktuelles der Außenstelle >> Hohenlohische Geschichte >> Premiere von "Una cosa rara" in Stuttgart am 1. November 2003

Premiere von "Una cosa rara" in Stuttgart am 1. November 2003

Die vergessene Oper des Martin y Soler war im Hohenlohischen bekannt

Titel der Partitur von Una Cosa rara aus dem Archiv Bartenstein

Mit der Premiere am 1. November ruft das Staatstheater Stuttgart ein gemeinsames Werk von Martin y Soler als Komponist und Da Ponto als Textschreiber in Erinnerung. Die in italienischer Sprache verfasste Oper "Una cosa rara" wurde 1786 in Wien uraufgeführt. Mit der Wiederaufführung will das Stuttgarter Opernhaus der unbekannten, aber hochkarätigen Oper beim heutigen Opernpublikum eine angemessene Wertschätzung verschaffen.

Die Opern des spanischen Komponisten Vicente Martin y Soler (1754-1806) sind zu Unrecht im Verlaufe des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten. Zur Lebzeit des Komponisten haben sie ebenso Beifall gefunden wie die seines heute noch geschätzten Zeitgenossen W. A. Mozart. Martin y Soler, gebürtig aus Valencia, war seit 1776 in Italien und lernte dort die italienische Oper kennen. Später wirkte er an den Höfen in Wien, London und zuletzt Petersburg, wo er 1806 verstarb. Als Opernkomponist arbeitete er mit dem Textdichter Lorenzo Da Ponte zusammen. Da Ponte ist als Verfasser der Libretti zu den Mozartopern "Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni" und "Cosi fan tutte" weltbekannt.

Das Fürstenhaus Hohenlohe-Bartenstein zeigte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts musikalisch sehr interessiert und engagiert. Es verwundert nicht, dass damals auch "Una cosa rara" von Martin y Soler in Bartenstein bekannt war. Einer der Schätze im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein ist die zeitgenössische Partitur dieser Oper. Sie ist seit erdenklichen Zeiten Bestandteil der Bartensteiner Musikaliensammlung. Darüber hinaus werden hierin die Noten für die 16 Gesangs- und die 18 Instrumentalpartien dieser Oper verwahrt, die in einzelnen Heften oder als Notenblätter vorliegen.

Die Notenhandschriften wurden um 1790 kopiert. Das war etwa vier Jahre nach der Uraufführung geschehen. Auf dem Titelblatt ist der italienische Originaltitel bis zur Unkenntlichkeit durchgestrichen und durch den deutschen Titel "Lilla, oder Schönheit und Tugend" ersetzt. Die Noten sind wahrscheinlich angekauft worden, andere Notenkäufe durch das Fürstenhaus sind durch Rechnungsbelege gesichert.

Eine Partitur gestattet dem Kundigen einen Überblick über das Werk, ein erstes Urteil. Für eine Aufführung reicht sie aber nicht aus. Diese ermöglichen erst die Einzelnoten für die Sänger und Instrumente. So waren also kurz vor 1800 in Bartenstein mit diesen Noten die Voraussetzungen für eine Aufführung von "Una cosa rara" gegeben. Unter den Hohenloher Musikliebhabern ist die frühe Aufführung von Mozarts Zauberflöte im Schloss Bartenstein weit bekannt. An dem spektakulären Ereignis wirkten Mitglieder der fürstlichen Familie mit. Erbprinz Ludwig Aloys übernahm die Rolle des Tamino, sein Bruder Karl die des Sarastro. Hofbedienstete und Einwohner Bartensteins beteiligten sich. Das Interesse der Bartensteiner an den damals modernen Opern war herausragend.

Ansicht von Schloss Bartenstein, 1799

Über das Musikleben am Bartensteiner Hof informieren die Quellen nur spärlich. Näher bekannt ist nur die Aufführung der "Zauberflöte". Die Lebenserinnerungen des Fürsten Karl datieren sie auf Winter 1796/97 und bringen sie in den Zusammenhang mit einer Hochzeit im Fürstenhaus. Die Aufführung in Bartenstein geschah nur fünf Jahre nach der Uraufführung in Wien. Das frühe Datum verdeutlicht, wie schnell sich die Musik vom kulturellen Zentrum Wien in die deutschen Territorien ausbreitete.

Die Lebenserinnerungen belegen auch die Aufführung anderer Opern in Bartenstein, ohne aber zu präzisieren welche. Das Notenmaterial für eine Aufführung von Martin y Solers "Una cosa rara" im Schloss war vorhanden. Ob man diese Noten aber nur gekauft hatte, um eine Aufführung zu erwägen oder ob man sie ernsthaft in Angriff nahm, vielleicht sogar die Oper wirklich aufführte, wird aus den Quellen nicht bekannt. Das Vorhandensein der Noten lässt mit Sicherheit nur auf ein Interesse an der Oper des gebürtigen Spaniers schließen.

"Una cosa rara" ist nicht die einzige Oper Martin y Solers, die in Bartenstein bekannt war. Auch die Partitur der 1787, also ein Jahr später, uraufgeführten Oper "Der Bauer der Diana" liegen im Archiv vor. Außerdem sind alle 13 Singstimmen und 17 Instrumentalpartien erhalten.

Die Ankündigung der bevorstehenden Premiere des Staatstheaters stellt Martin y Soler und die Qualität seines Werkes heraus. Die Rezeption seiner Musik im Hohenlohischen bestätigt die Ausführungen. Offensichtlich sind seine Opern, ganz besonders aber "Una cosa rara", unter den Zeitgenossen beachtet und geschätzt worden. Sonst hätten sie sich kaum nach der Uraufführung in der Metropole bis in den letzten Winkel verbreitet.

Die Herrschaft Bartenstein war vergleichsweise klein. Ihrer Residenz kam im Vergleich zu den Höfen in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und München nur eine provinzielle Bedeutung zu. Aber auch in Bartenstein wurden "Una cosa rara" und andere Werke Martin y Solers mit großem Interesse aufgenommen.

Dr. Peter Schiffer