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Landesarchiv >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Aktuelles der Außenstelle >> Hohenlohische Geschichte >> Johann Theodor Distelmüller aus Elpersheim, 7 Jahre alt

Johann Theodor Distelmüller aus Elpersheim, 7 Jahre alt

Die Kinderrettungsanstalt des Fürsten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg und seiner Gemahlin Feodora dokumentiert im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein

Birgit Schäfer

Kopfgeld-Quittung für "Kostgeld" und "Bettzins" für den "Seminarist Distelmüller" aus dem Jahr 1840

Johann Theodor Distelmüller aus Elpersheim, Amt Weikersheim, wurde im Januar 1832 in die Kinderrettungsanstalt in Bächlingen aufgenommen. Zehn Jahre lang erhielt er die Unterstützung, Fürsorge und Erziehung, die ihn zu einem "brauchbaren Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft durch Unterricht und Gewöhnung" heranwachsen lassen sollte.

Die Anstalt für verlassene, verwahrloste und arme Kinder wurde am 18. Februar 1830 mit einem Stiftungsbrief durch das Fürstenpaar gegründet. Die Statuten der Anstalt hielten die Pflichten sowohl für die Zöglinge als auch für die Aufsichtspersonen und Erziehenden genauestens fest. Zur strengen Pflicht für die Pflegeeltern wurde die Reinlichkeit gemacht. Die Kost der Kinder musste sättigend und gesund, "aber eben deshalb so einfach als nur immer möglich seyn". Die Statuten bestimmten des weiteren, dass die Kinder niemals ohne Aufsicht gelassen werden und die Erziehenden "auf die Pflege sittlicher Gefühle, auf die Weckung eines religiösen, christlichen Sinns hinzuwirken" hatten. Schulunterricht war Pflicht. Der Ortsgeistliche von Bächlingen hatte die Aufsicht über die Schützlinge penibel einzuhalten und über Versäumnisse Bericht zu erstatten.

In Bächlingen war die Kinderrettungsanstalt - das bedeutete die Unterbringung der Kinder bei Pflegefamilien im Ort Bächlingen - angesiedelt worden, da hier eine "ländliche Erziehung der Kinder unter den Augen der hohen Stifter" möglich war. Zur Hauptaufsicht über die Kinderrettungsanstalt war die Fürstliche Domänenkanzlei zu Hohenlohe-Langenburg unter Zuziehung des Langenburger Stadtpfarrers bestellt worden.

Am 3. Dezember 1831 unterrichtete ein Schreiben der Domänenkanzlei in Langenburg das Pfarramt in Bächlingen, dass sich die hohen Herrschaften entschlossen haben, den siebenjährigen Johann Theodor Distelmüller aus Elpersheim in die Kinderrettungsanstalt aufzunehmen. Das Pfarramt hatte dafür Sorge zu tragen, eine passende Pflegefamilie aufzufinden. Johann Theodor Distelmüller hatte Glück. Er verließ sein Elternhaus in Elpersheim und stand bis 1842 unter der Obhut einer verantwortungsbewussten Institution.

Auszug aus einer Schreibübung Johann Theodor Distelmüllers

Die vorliegenden Akten der Kinderrettungsanstalt lassen den Weg des Johann Theodor Distelmüller mitverfolgen. Spätere Schreiben bezeichnen ihn als "Seminaristen" in Esslingen. Offenkundig war es gelungen, ihn auf die Bahn eines gelehrigen Schülers zu bringen. Mit dem Austritt aus der Anstalt 1842 verliert sich seine Spur.

Der Schriftwechsel zwischen dem Bächlinger Pfarramt und der Domänenkanzlei gewährt einen Einblick in die Schicksale der Kinder und die Versorgungsleistungen der Kinderrettungsanstalt. Eher selten finden sich persönliche Zeugnisse der Kinder selbst. Die noch ungelenke Schreibübung des Johann Theodor Distelmüller, die ein bezeichnendes Licht auf die Erziehungsideale der Anstalt wirft, oder das Schreiben eines Zöglings, der in einem Brief an seine Eltern in Mergentheim über die Bemühungen des Domänenrats bezüglich eines Lehrherren berichtet, sind Raritäten. Dagegen zahlreich vorhanden sind die Rechnungen der Pflegeeltern über ihre Aufwendungen und Anschaffungen.

Diese soziale Einrichtung, die über eine Grundversorgung hinausgehend sich um Ausbildung, Lehr- und Arbeitsverträge bemühte, verdankt ihr Entstehen und ihr Wirken dem sozialen und finanziellen Engagement des Fürstenpaares und freigebigen Privatleuten. Wie auch in anderen Standesherrschaften dieser Zeit, war die Hilfe für sozial benachteiligte Menschen abhängig von Stiftungen und Spenden.

Viele Jahre später, 1853, gründete Fürstin Feodora anlässlich ihres 25. Hochzeitstages eine Armenbewahranstalt. Auch diese wurde in dem im Tal gelegenen Bächlingen, in Sichtweite des auf dem Bergrücken errichteten Langenburger Schlosses, angesiedelt. Für diesen Zweck wurde ein Gebäude gemietet, in dem arme, verwahrloste, ältere und gebrechliche Menschen und auch Kinder, die eine intensive Betreuung erforderten oder keine Aufnahme in Pflegefamilien fanden, untergebracht wurden. Hierzu finden sich in den Unterlagen u.a. die Statuten, eine Hausordnung sowie eine Beschreibung der Räumlichkeiten.

Die beiden Bestände der Kinderrettungsanstalt und der Armenbewahranstalt in Bächlingen sind nun in einem Findbuch vereinigt und online verfügbar.