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Archivale des Monats Februar 2004

Königliche Macht und bürgerlicher Stolz. Die Sammlung von Adels- und Wappenbriefen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Wappen aus der Sammlung Wappenbriefe des Hauptstaatsarchivs Stuttgart J 250

Adel und Wappen

"Königliche Macht und bürgerlicher Stolz", so lautet der Titel eines jüngst erschienenen Aufsatzes über Wappenbriefe für Zürcher Bürger. In der Tat: in dieser Formulierung sind die beiden wichtigsten Aspekte der Quellengattung "Adels- und Wappenbriefe" schlaglichtartig benannt. Zum einen kam es auf den König bzw. den Kaiser an, seitdem sich das Recht zur Wappenverleihung seit dem Spätmittelalter zu einem kaiserlichen bzw. königlichen Reservatrecht entwickelt hatte. Zum andern gab es seit langem die Vorstellung, dass alle Personen von Bedeutung Inhaber eines Wappens sein müssen, also auch Bürger, die sich durch die Führung eines Wappens einen hohen Prestigegewinn versprachen.

Zunächst einmal war dies ganz anders. Wappen entstanden als Kennzeichen und zur Unterscheidung im ritterlichen Kampf, in dem bekanntlich vermummte Turnierkämpfer aufeinander trafen. Wappen bezeichnen aber auch die Herkunft einer Familie, die im Zuge der hochmittelalterlichen Neuformierung des Adels immer wichtiger wurde. Durch Wappen werden Abstammungsgemeinschaft, Dienstverhältnis, Standes-, Lehens- und Besitzverhältnisse demonstriert. Wappen bedienen somit das adelige Repräsentationsbedürfnis in besonderer Weise und sind aufs engste mit Sippenstolz und Familienbewusstsein verbunden, ja, Wappen und Adel waren gleichsam identisch.

Die Wappenbriefe

Dies änderte sich im Laufe des Spätmittelalters und bestätigte sich zugleich, als auch aufsteigende Bürger ihren Familienstolz demonstrieren wollten. Wurden im Hochmittelalter Wappen meist in den Formen des Lehenrechts verliehen, wenn sie nicht überhaupt ein Adelsrecht sui generis darstellten, so entwickelte sich die Verleihung von Wappen im Spätmittelalter allmählich zu einem Reservatrecht des Kaisers, des Quells aller Gnaden. Gleichzeitig machte aber die starke Ausweitung der Wappenverleihung eine Delegation auf die so genannten Hofpfalzgrafen notwendig, deren Amt sich unter Karl IV. zu einer festen Institution entwickelte. Sie nahmen die Wappenverleihungen in voller Eigenverantwortlichkeit im Namen des Kaisers vor. Der Kaiser wurde in der frühen Neuzeit nur noch selten tätig, Ausnahme bilden besondere Verdienste, wohl auch besondere finanzielle Aufwendungen am Kaiserhof.

Andererseits wurde von Seiten des wohlhabenden Bürgertums der Wappenbrief gleichsam zur symbolischen Bestätigung des sozialen Aufstiegs. Er zeigt die überragende Bedeutung des Modellfalls der adeligen Existenz. Bedeutete die Verleihung eines Wappenbriefs zwar noch nicht automatisch den Aufstieg in den Adel, so wurde der Erwerb eines solchen aber doch mehr und mehr als Vorstufe dazu empfunden. Einfache Wappenbriefe (der Hofpfalzgrafen) gehen daher später zurück, gehobene bürgerliche Schichten erstrebten gleich ein Adelsdiplom, mit dem eine Wappenverleihung verbunden war. Adelsdiplome aber wurden auch im 18. Jahrhundert noch vielfach vom Kaiser selbst verliehen, im 19. Jahrhundert dann von den souveränen Landesfürsten. So zeigen Adels- und Wappenbriefe immer wieder, dass auch in einer Zeit, in der die Kultur längst vom Bürgertum geprägt war, adelige Verhaltensmuster bestimmend waren.

Aufbau und Stil eines Adels- und Wappenbriefs wurden schon seit dem Spätmittelalter stark formalisiert. Wenn der Kaiser, später der souveräne Landesherr, die Urkunde ausstellte, beginnt diese mit der vollen Titulatur (Intitulatio), die, wenn die Urkunde in barocken Formen abgefasst war, durchaus mehrere Seiten umfassen konnte. Danach folgt die so genannte Arenga, eine ursprünglich aus der byzantinischen Urkunde übernommene allgemeine ideologisch geprägte Einleitung, die den Kaiser als Quell der Gnaden und Spitze einer ständischen Hierarchie und seine Befugnis zur Ordnung dieser Hierarchie, also auch zur Ergänzung, hervorhebt. An sie schließen sich Angaben über die Verdienste der begünstigten Person an, die in manchen Fällen - etwa in der gezeigten Urkunde Kaiser Rudolfs II. vom April 1599 - recht detailliert sind. Sie beginnen in der Regel mit einer Formulierung wie "in Anbetracht der adelichen guten Sitten, Vernunft, Geschicklichkeit" usw. des zu Begünstigenden. Die Erhebung in den Adelsstand bzw. die Verleihung des Wappens erfolgt dann regelmäßig nur für die "ehelichen Leibserben und deren Erben", d.h. für die direkten agnatischen Erben, also in der Regel der Mannesstamm. Mittelpunkt der Urkunde ist sodann die Beschreibung und Abbildung des Wappens - letztere bei älteren Pergamenten immer in der Mitte des Blattes, bei den seit dem 18. Jahrhundert aufkommenden als Libell ausgefertigten Stücken ganzseitig. Die Beschreibung ist zwar detailliert, aber heraldisch vielfach nicht korrekt. Im Anschluss daran folgt dann die Aufzählung der Gebrauchsmöglichkeiten nach einem festen Schema, wobei die Nennung militärischer Nutzung natürlich theoretisch und formelhaft ist, und die so genannte salvatorische Klausel, d.h. der Hinweis auf die Wahrung der Rechte anderer, die eventuell das gleiche Wappen führen. Es folgt dann die aus der mittelalterlichen Kaiserurkunde übernommene Sanctio mit Poenformel, durch die allen Untertanen des Ausstellers die Verpflichtung eingeschärft wird, den Begünstigten in seinen Rechten nicht zu beeinträchtigen. Für Zuwiderhandlung wird ein Bußgeld festgelegt, anfänglich 20, später 50 Mark Gold, das zwischen der Kanzlei des Ausstellers und dem Begünstigten geteilt werden soll. Die Besiegelung erfolgt mit dem großen Siegel des Ausstellers, der regelmäßig eigenhändig unterschreibt.

Bei den gezeigten Beispielen wird nur im letzten Fall - der Verleihung des Adels an den Maler Müller im Jahre 1877 - dieses Schema verändert und stark vereinfacht. So entfällt beispielsweise die Strafandrohung.

Die Sammlung von Wappenbriefen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (J 250)

Adels- und Wappenbriefe finden sich im Regelfall nicht in staatlichen Archiven, sind sie doch für die Empfänger als Person bestimmt. Die Sammlung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, die um 1900 begonnen wurde, enthält daher meist zufällige Erwerbungen von Erben der Begünstigten. Weitere Adels- und Wappenbriefe sind in Nachlässen enthalten.
Die Empfänger der Wappenbriefe sind meist Beamte, deren Familien zum Zeitpunkt der Erhebung oder später Beziehungen zu Württemberg hatten - leitende Beamte, aber auch verdiente Kaufleute, Unternehmer und Offiziere sind darunter, in einem Fall auch eine Offizierswitwe. Die Urkunden umfassen einen Zeitraum von 1474 bis 1877.

Stücke in der Ausstellung

  1. 1599 April 3, Prag
    Kaiser Rudolf II. verleiht Martin Heugl wegen seiner und seiner Vorfahren Verdienste um den Transport auf der Donau ein Wappen (J 250 U 18).
  2. 1614 Juni 11, Linz
    Kaiser Mathias erhebt den Reichshofrat Simon Ayhin und seinen Bruder Johann in den erblichen Ritterstand und verleiht ihnen ein Wappen (J 250 U 6).
  3. 1798 August 30, Wien
    Kaiser Franz II. erhebt den Oberamtsrat der Landvogtei Schwaben, Johann Baptist Martin Arand, in den Adelsstand, verleiht ihm den Zusatz Edler von Ackerfeld und ein Wappen (J 250 U 4).
  4. 1806 Januar 30, Stuttgart
    König Friedrich von Württemberg erhebt den Legationsrat Johann Christian Wucherer in den Adelsstand und verleiht ihm ein Wappen (J 250 U 58).
  5. 1877 Juli 12, Friedrichshafen
    König Karl von Württemberg erhebt den Historienmaler Karl Friedrich Johann Müller in den Adelsstand und verleiht ihm ein Wappen (J 250 U 29).
Zum Findbuch J 250 Adels- und Wappenbriefe