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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> Ferdinand von Steinbeis als Dichter

Ferdinand von Steinbeis als Dichter

Der Nachlass von Ferdinand von Steinbeis im Staatsarchiv Ludwigsburg

Von Maria Magdalena Rückert

Bildnis von Ferdinand von Steinbeis
Vorlage: StAL PL 3 Bü 331


"Die Annalen Württembergs erzählen von keinem, der mit mehr Fleiß, Ausdauer, Energie und mit größerem Erfolg für die Entwicklung, Förderung und allseitige Anerkennung der württembergischen Industrie tätig gewesen wäre." heißt es im Aufruf der Steinbeis-Stiftung von 1868 über den langjährigen Leiter der Württembergischen Zentralstelle für Gewerbe und Handel. Der im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrte Nachlass des Ferdinand von Steinbeis (1807-1893) wurde nun durch einige Dokumente ergänzt, die ein Licht auf die persönliche Seite dieses Mannes werfen, der auch als "Schöpfer der württembergischen Industrie in die Geschichte" einging. Neben Privatkorrespondenz, eigenhändigen Bleistiftskizzen und Unterlagen zum Nachleben von Steinbeis handelt es sich vor allem um Gedichte, die er in der Zeit von 1824 bis 1866 verfasste.

Bildnis der Frau von Steinbeis - Friederike, geb. Klumpp
Vorlage: PL 3 Bü 331


Zu Liebesgedichten, die er seiner Verlobten bzw. seiner Frau Friederike geb. Klumpp widmete, kommen Gelegenheitsgedichte, die aus Anlass besonderer beruflicher Ereignisse oder auch von Reisen verfasst wurden. Kennzeichnend für diese poetischen Versuche ist, dass er Elemente aus seinem beruflichen Alltag mit in die Dichtung einfließen ließ. Die Parallele etwa zwischen der Glut des Ofens beim Schmelzen des Eisens mit der Glut seines Herzens drängt sich förmlich auf, wie etwa das Gedicht "Hüttenmanns Liebesklage" verdeutlicht.

Seinem Ärger über die Bürokratie und die Trägheit der Schreiber in der Zentralstelle für Gewerbe und Handel, die dem Mann der Technik und der volkswirtschaftlichen Praxis oft das Leben schwer machten, macht er Luft mit dem 1853 anlässlich einer Kaltwasserkur in Herrenalb entstandenen Gedicht "Technisches Gutachten eines prosaischen Regierungsraths über den volkswirtschaftlichen Nutzen des Tischerückens". Seinem Spott über die Schreiber, "die Nervosen" wird ein Loblied auf die Dampfmaschine gegenübergestellt, die die Menschen vermeintlich aller herben Arbeit enthebt und ihnen den Garten Eden zurückbringt. Sich selbst bezeichnet er dabei nicht ohne Selbstironie "als trockenen Wicht und Anwalt der Maschinen, der Gewerbe und Fabriken". Steinbeis, mütterlicherseits ein Neffe des berühmten schwäbischen Romantikers Justinus Kerner wusste nur zu gut, dass seine eigentliche Stärke nicht die Poesie war. Dennoch können seine auf den ersten Blick harmlos anmutenden Gelegenheitsgedichte dazu anregen, sowohl seinen in den Beständen PL 3 und PL 702 überlieferten Nachlass als auch sein im Bestand E 170 dokumentiertes herausragendes Wirken in der Zentralstelle für Gewerbe und Handel neu zu beleuchten, mit dem er eine neue Epoche württembergischer Industriegeschichte einleitete.

Porträtskizze von Ferdinand von Steinbeis

Beispiele aus seinen Gedichten:

Hüttenmanns Liebesklage

Wohl ist so heiß des Ofens Glut
Sie schmelzet Stein und Erz.
doch heißer wahrlich kocht mein Blut,
Doch heißer glüht mein Herz.
Wohl klopft der Hammer für und für,
Die Schläge ohne Zahl,
doch härter schlägt's im Busen mir,
Mit namenloser Qual.

Technisches Gutachten eines prosaischen Regierungsraths über den volkswirtschaftlichen Nutzen des Tischerückens

Dem, der kein Entzücken kennet,
als ein trockener Wicht verschrieen
ward ein Plätzchen hold vergönnet
in dem Buch der Poesien.
Doch als Anwalt der Maschinen
der Gewerbe und Fabriken
soll er sich es auch verdienen
durch ein Lied vom Tischerücken!

Leichte Aufgab! Wohl zu wagen!
Denn wenn hölzern auch geklungen,
wie in den Kaltwassertagen
ward der Tische Tanz besungen:
Werden Ihrer Augen Blitze
matten Versen Feuer geben,
da schon Ihre Fingerspitze
kann ein todtes Holz beleben!
Und so sey denn prophezeiet,
dass wie einst aus Papins Topfe
stieg des Dampfes Kraft gefreiet,
dass sie spinne, webe, klopfe,
mit dem Schiff, mit der Karosse
raschen Flugs die Welt durchjage
und die Menschen und die Rosse
löst von schwerer Arbeit Plage.

Faksimileblatt mit den ersten beiden Strophen des Gedichts "Technisches Gutachten eines prosaischen Regierungsraths ..."