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Archivale des Monats Januar 2005

Der Augsburger Religionsfriede dokumentiert im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Plakat zur Präsentation "Der Augsburger Religionsfriede und Württemberg"

Der Augsburger Religionsfriede vom September 1555 brachte die jahrzehntelangen Religions- und Verfassungskämpfe im Reich vorläufig zum Abschluss. Er schuf der Reformation die vom Protestantismus längst angestrebte öffentliche Rechtsgrundlage: Das Luthertum wurde neben dem Katholizismus reichsrechtlich anerkannte Konfession - unter Ausschluss von Calvinismus, Zwinglianismus und Täufertum.

Politisch vorbereitet wurde der Augsburger Religionsfriede besonders durch den "Passauer Vertrag" von 1552 und begünstigt durch den Ausfall der bislang aktivsten Politiker, vor allem Kaiser Karls V., und das Vordringen der friedenswilligen Kräfte im Reich. Entscheidend war die Verständigung der lutherischen und katholischen Reichsstände mit König Ferdinand, dem Bruder Karls V., über ein Nebeneinander zweier Konfessionen im Reich. Dadurch wurde der Gedanke der Religionseinheit aufgegeben, dem Kaiser wurde das Recht der Konfessionsbestimmung aberkannt, das nun auf die Territorialherren übertragen wurde. Einzig die reichsunmittelbaren Stände hatten jetzt das Recht, sich für das katholische oder lutherische Bekenntnis zu entscheiden.

Im Augsburger Reichstagsabschied, der den Religionsfrieden formulierte, wurden zahlreiche Sonderregelungen getroffen: So blieb für geistliche Reichsstände das katholische Bekenntnis bindende Voraussetzung ("Geistlicher Vorbehalt"), den Landständen in geistlichen Territorien stand die Bekenntnisfreiheit zu und für einzelne Reichsstädte wurde konfessionelle Parität vorgesehen. Den Territorialherren kam der Religionszwang über ihre Untertanen zu, doch stand es diesen frei, um der Religion willen auszuwandern.

Der Augsburger Religionsfriede wurde mit seiner Definition des staatsrechtlichen Friedenszustandes zwischen den Konfessionen ein tragendes Reichsgrundgesetz: Er wurde nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bestätigt und blieb bestimmendes reichspolitisches Element bis 1803/06. Er besiegelte nicht nur die Glaubensspaltung, sondern begünstigte wesentlich die eigenständige Entwicklung der Territorien im Reich. Die Formel "Cuius regio, eius religio" als zentrales Ergebnis des Augsburger Religionsfriedens wurde erst 1599 (durch J. J. Stephani) formuliert und steht für die Verbindung von Landeshoheit und Religionsregal.

Der Augsburger Reichstag von 1555 und Herzog Christoph

Herzog Christoph von Württemberg trat auf dem Augsburger Reichstag als aktiver Vertreter des Protestantismus in Erscheinung. Seinem Einfluss waren wesentliche Ergebnisse des Augsburger Religionsfriedens zu verdanken. Ihm ging es dabei sowohl um die Herstellung eines dauerhaften Reichsfriedens, wie auch um die reichsrechtliche Legitimierung seiner Herrschaft unter Durchsetzung der Reformation im Herzogtum Württemberg.

Herzog Christoph war bei seinem Regierungsantritt nach dem Tod seines Vaters Ulrich im Jahr 1550 mit einer überaus schwierigen politischen Situation konfrontiert: Die rechtliche Stellung seiner Herrschaft war wegen des Felonieprozesses gegen seinen Vater angefochten, und die politische und kirchliche Lage des Landes blieb äußerst gespannt. Herzog Ulrich hatte Württemberg seit 1534 dem Lutherum zugeführt und sich 1546 am Schmalkaldischen Krieg gegen den Kaiser beteiligt, was den Bruch des Lehenseides gegenüber dem Haus Habsburg und den anschliessenden Prozess bedeutete. Das 1548 vom Kaiser verkündete Interim wurde auch in Württemberg wirksam und setzte den katholischen Kultus wieder ein. Christoph gelang schon bald die Abwendung des Felonieprozesses; er verselbständigte seine Reichs- und Kirchenpolitik in Loyalität mit Habsburg und erreichte mit dem Passauer Vertrag 1552 auch die Wiederabschaffung des Interims.

Bereits 1554 von Kaiser Karl V. zur Teilnahme aufgefordert, hat Christoph den Augsburger Reichstag als einer der wenigen Fürsten persönlich besucht. Er war ab Januar 1555 für mehrere Monate in Augsburg anwesend und erreichte gleich zu Beginn die Belehnung mit dem Herzogtum Württemberg durch König Ferdinand. An diesem Tag begleitete Christoph den König zur Messfeier in den Dom und geleitete ihn bis an den Chor, ohne aber selbst an der (katholischen) Messe teilzunehmen. Kaiser Karl V. hatte seinem Bruder Ferdinand zuvor die Verhandlungsvollmacht übertragen und sich vom Reichstag ferngehalten. Bei den langwierigen Verhand-lungen ließ sich Christoph besonders durch Entwürfe und Gutachten seines Theologen Johannes Brenz unterstützen. Zeitweise ließ er sich durch abgeordnete Räte wie Werner von Münchingen oder Hieronimus Gerhard vor Ort vertreten. Ende September 1555 wurde schließlich - nicht zuletzt auf Drängen Christophs - der Augsburger Religionsfriede verabschiedet und auch von Christoph unterschrieben.

Das evangelische Herzogtum Württemberg

Nach der Anerkennung des lutherischen Bekenntnisses im Augsburger Religionsfrieden festigte Herzog Christoph mit einer Reihe von Verordnungen die organisatorische Struktur seiner Herrschaft und Verwaltung im Herzogtum Württemberg und machte es damit zum Modell eines evangelischen Staates. Grundlegend für die Lehre der evangelischen Kirche in Württemberg wurde die 1552 von Johannes Brenz ausgearbeitete "Confessio Virtembergica", das Württembergische Bekenntnis, neben der Augsburger Konfession von 1530. Die "Confessio Virtembergica" und die Kirchenordnung von 1553 mit dem Katechismus von Brenz gingen neben anderen in die große Württembergische Kirchenordnung Christophs von 1559 ein, die den Abschluss der Neuordnung des Kirchenwesens markierte. Der Landtagsabschied von 1565, der wiederum maßgeblich von Brenz formuliert worden war, schrieb schließlich die kirchliche und politische Verfassung des Herzogtums Württemberg für die Zukunft fest.

Erst als nach 1803 aus dem evangelischen Herzogtum durch den Anfall weiterer katholischer Gebiete ein paritätischer Staat wurde, musste die enge Verknüpfung mit der evangelischen Kirche gelockert werden. Die grundlegende Ordnung Herzog Christophs in Kirche und Staat hatte sich jedenfalls zweieinhalb Jahrhunderte bewährt und sollte nun den Anforderungen einer neuen Zeit weichen.

Literatur