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Archivale des Monats Februar 2005

Des Standes bewusst, dem Wandel unterworfen: Adel im Königreich Württemberg dokumentiert im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Wappendarstellung der Freiherren von Hügel, Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 157/1 Bü. 534

Rahmenbedingungen des Adels nach der Mediatisierung

Nach der Entstehung des Königreichs Württemberg unter Einverleibung zahlreicher südwestdeutscher Kleinterritorien im Jahre 1806 mussten die staatsrechtlichen Verhältnisse des ehemals reichsunmittelbaren Adels in einen gesetzlichen Rahmen gebettet werden. Aus den ehemaligen Landesherren waren Untertanen des württembergischen Königs geworden, die, ebenso wie die Einwohner der einzelnen Ortschaften, bei der Annexion ihrer Territorien gegenüber König Friedrich I. einen Huldigungseid zu leisten hatten. Die wesentlichen Privilegien (Regalien) wie Zoll, Akzise, Umgeld und Chausseegeld gingen dem Adel bereits durch das Organisationsmanifest vom 18. März 1806 verloren. Dazu kam es nach und nach zu einer Einschränkung der adeligen Steuerfreiheit und zur faktischen Gleichstellung von höherem und niederem Adel durch das Hausgesetz von 1808. Weitere alte grundherrliche Rechte wie die Patrimonialgerichtsbarkeit oder die Ernennung der Schultheißen und Gerichtsschreiber wurden ihnen im Jahre 1809 entzogen. Statt dessen zog der König den Adel verstärkt an den Hof oder in den Beamtenstand.

Der Wiener Kongress von 1815 bestätigte die neuen deutschen Mittelstaaten in ihrer Existenz, legte aber auch die Ebenbürtigkeit der Standesherren mit den regierenden Häusern fest. König Friedrich I. verschleppte die Regelung der staatsrechtlichen Verhältnisse des Adels bis zu seinem Tod (1816). Auch sein Sohn Wilhelm I. nahm die Umsetzung der Vorgaben aus Wien erst nach Verabschiedung der Verfassung am 25. September 1819 in Angriff, die dem standesherrlichen und ritterschaftlichen Adel Sitz und Stimme in der Ersten Landtagskammer zubilligte. Da die Ständeversammlung ansonsten aber ein allgemeines Adelsstatut ablehnte, musste mit den Adelsfamilien einzeln verhandelt werden. Zwei königliche Deklarationen vom 4. Juli und vom 8. Dezember des Jahres 1821 regelten die allgemeinen staatsrechtlichen Verhältnisse des ehemals reichsunmittelbaren Adels. Im Einzelfall konnten die nunmehrigen Standesherren entscheiden, welche Sonderrechte (Forstgerichtsbarkeit, Nieder- bzw. Patrimonialgerichtsbarkeit sowie Orts-, Forst- und Jagdpolizei) sie in Anspruch nehmen wollten. Bei Verzicht auf die Polizeiverwaltung war auch die Erlangung von Surrogatrechten, z. B. die Ernennung der Schultheißen, möglich. Ein Novum war auch, dass sich die Zugehörigkeit zur württembergischen Ritterschaft nicht mehr nur auf die Geburt, sondern alternativ auf den Besitz eines adeligen Rittergutes gründete, so dass Bürgerliche durch den Erwerb eines solchen Gutes in den Ritterstand aufsteigen konnten, der aber dennoch eine formelle Adelserhebung, ein ausschließliches Recht des Königs, erforderte. Gesondert verhandelt werden musste auch über die Entschädigung für verlorene ständige Einkünfte, die der Staat an sich gezogen hatte. Zunächst geschah dies durch Rentenzahlungen des Staates an die jeweiligen Adelshäuser, die später jedoch abgelöst wurden.

Die Adelsmatrikelkommission

Die im Jahre 1818 durch König Wilhelm I. innerhalb des Innenministeriums einberufene Kommission für die Adelsmatrikel sollte die Einhaltung der Rechte und Pflichten des württembergischen Erbadels gewährleisten. Dies erfolgte vor allem durch Anlegung und Fortführung der Personal- und Gütermatrikel. Ein weiterer Zuständigkeitsbereich der Kommission war die Führung der Wählerverzeichnisse des Adels für die Erste - und bis 1906 auch Zweite Kammer - des württembergischen Landtags.

Die Familien hatten zum einen ihren Adelsstand und -rang zu beweisen, was in der Regel durch eine beglaubigte Abschrift des Adelsdiploms erfolgte, zum anderen mussten Änderungen der Familien- oder Besitzverhältnisse gemeldet werden. Im Gegenzug blieb ein Teil der früheren Adelsrechte erhalten. Adelige Besitzungen erhielten je nach Größe die Rechte einer Standesherrschaft oder eines Ritterguts. Dazu verblieben ihnen u. a. auch noch verschiedene grundherrliche Rechte.

Mit dem Ende der grundherrschaftlichen Verfassung und der Ablösung der bäuerlichen Abgaben in Württemberg im Zusammenhang mit der Revolution von 1848/49 kam es unter den adeligen Rittergutsbesitzern, die dadurch in Geldnöte gerieten, zu umfangreichen Grundstücksverkäufen, zum einen an befreite Bauern, die in der Landwirtschaft verblieben, zum anderen an den württembergischen Staat, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Bau befestigter Straßen und vor allem der Eisenbahn vorantrieb. Im Gegenzug war es nun aber auch bürgerlichen Personen erlaubt, Rittergüter zu erwerben, die eine Zeitlang durchaus als Prestigeobjekte gesehen werden konnten. Insgesamt überwog aber die Tendenz zur Auflösung (Exmatrikulierung) von Rittergütern. Trotzdem bestand die Kommission bis 1924 fort. Die Unterlagen der Adelsmatrikelkommission (Bestand E 157) mit einem Umfang von insgesamt ca. 27 lfd. Regalmetern wurden im Verlauf des Jahres 2004 archivisch erschlossen und bilden die hauptsächliche Grundlage für die Ausstellung.

Weitere Veränderungen bis zum Ende der Monarchie

Durch das Gesetz vom 4. Juli 1849 wurden diese standesherrlichen Sonderrechte bereits wieder ersatzlos aufgehoben, fast zeitgleich mit der Abschaffung der wichtigsten noch verbliebenen Überreste der Grundherrschaft und der adeligen Steuerprivilegien. Von den adeligen Sonderrechten verblieben hauptsächlich persönliche Rechte, z. B. ein privilegierter Gerichtsstand oder die gesonderte Repräsentation in der Ersten Kammer der Ständeversammlung. Da sich die Einkünfte der Adeligen nach Ablösung der grundherrlichen Abgaben deutlich schmälerten und die adeligen Besitzungen oft in Fideikommissen zusammengefasst waren, fühlten sich vor allem die Nachgeborenen häufig gezwungen, ein neues Aufgabenfeld, vor allem beim Militär oder an Fürstenhöfen, zu suchen, was zu relativ häufigem Wechsel der Staatsangehörigkeit bei den Adligen führte.

Die politischen Veränderungen in Osteuropa nach dem Ersten Weltkrieg führten zu einer starken Rückwanderung deutschstämmiger Adliger in das Deutsche Reich und auch nach Württemberg. Das Ende der Monarchie im Reich und den deutschen Bundesstaaten führte zum endgültigen Ende Ständegesellschaft und zur Auflösung der verbliebenen Standesherrschaften und privilegierten Rittergüter. Adelsprädikate blieben nur noch als Namensbestandteile der jeweiligen Familien erhalten.

Bestände

Literatur