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Archivale des Monats Juni - August 2005

"Im neuen Haus leb' fort der alte Geist" - Das Stuttgarter Hoftheater in der Ära des Intendanten Putlitz

Plakat des Archivale des Monats Juni - August 2005

Die Theaterwelt Stuttgarts wurde zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte stärker verändert als während der Ära des Generalintendanten Joachim Gans Edler Herr von Putlitz (1860-1922). Nicht nur, dass unter der liberalen Regierung König Wilhelm II. in Stuttgart Theaterstücke zur Aufführung gelangten, die im Berlin aufgrund der restriktiven Zensurpolitik nicht aufgeführt werden durften, sondern vor allem, weil unter der Ägide von Putlitz die bauliche Gestaltung durch den berühmten Münchner Architekten Max Littmann erfolgte, die bis heute das Bild des Staatstheaters prägt. Mit dem Brand des alten Hoftheaters am 19./20. Januar 1902 ging nicht nur das alte Lusthaus in Flammen auf, sondern war auch Anlass, in weitsichtiger Weise die moderne Idee eines Doppeltheaters aufzugreifen und zu realisieren.

Dem Hoftheater gelange es, nicht nur Anschluss an die Kulturmetropolen Berlin, München, Dresden und Wien zu erhalten, sondern beim Schauspiel durch die Aufführung in anderen Ländern verbotener naturalistischer und impressionistischer Stücke zu überflügeln.

Brand des Stuttgarter Hoftheaters 1902
Brand des Stuttgarter Hoftheaters 1902
Das Stuttgarter Interimstheater 1902
Interimstheater Stuttgart 1902
Die neuen Stuttgarter Hoftheater 1912
Die neuen Stuttgarter Hoftheater 1912

Zum Erfolg des Stuttgarter Hoftheaters trug außer dem im Jahr 1892 bald nach dem Regierungsantritt von König Wilhelm II. mit 32 Jahren zum Intendant berufenen von Putlitz, auch der kompetente und künstlerisch hochstehende Mitarbeiterstab bei. Zum Schauspielregisseur Hans Meery, der vom Berliner Lessing-Theater 1898 hier her wechselte und als modernster Regisseur seiner Zeit galt, kam der Bayreuth-erfahrene Generalmusikdirektor Max von Schillings hinzu. Nicht nur hinter den Kulissen waren fähige Mitarbeiter am Werk, sondern auch davor, obgleich Stuttgart nicht in der Lage war, überzogene Spitzengagen zu bezahlen. So gehörte im Schauspiel Raoul Aslan, der sowohl als Bühnen- wie auch als Filmschauspieler und später als Direktor des Wiener Burgtheaters zu überzeugen wusste, sowie Egmont Richter, der Bühnen- und Filmschauspieler war und später häufig Regiearbeiten übernahm, dazu. Auf der Opernbühne präsentierten sich unter der Intendanz von Putlitz unter anderem Oskar Bolz, Karl Erb und die im Jahr 1910 vom Konzertmeister Aloys Obrist aus Eifersucht ermordete Anna Sutter.

Die Schauspielerin Anna Sutter
Die Schauspielerin Anna Sutter

Baron von Putlitz war eingebunden in ein künstlerisches Netzwerk, das seine Kontakte über eine rege Korrespondenz und gegenseitige Besuche pflegte. Wichtige Korrespondenzpartner waren sein Berliner Lehrmeister und Direktor des Deutschen Theaters in Berlin Adolf L`Arronge, der ihn in die Kunst der Leitung eines Theaters einführte. Der Norwegische Dichter und Literaturnobelpreisträger Bjønstjerne Bjørnson, dessen Stück "Über die Kraft", wegen revolutionärer Tendenzen der preußischen Zensur zum Opfer fiel, wurde im Jahr 1900 in Stuttgart aufgeführt, stand im engem schriftlichen Kontakt mit dem Intendanten. Putlitz legte ein besonderes Augenmerk auf skandinavische Dramen, wie die Aufnahme von Stücken Strindbergs und Ibsens in den Spielplan belegt. Aber auch mit deutschen Schauspielern, Komponisten und Autoren pflegte von Putlitz den Gedankenaustausch, u.a. mit dem Schauspieler Albert Bassermann, dem Komponisten Walter Braunfels, den Autoren Ludwig Fulda, Paul Lindau und Arthur Schnitzler sowie mit Cosima Wagner.

Literaturnobelpreisträger und Dichter Bjønstjerne Bjørnson
Bjønstjerne Bjørnson, norwegischer Dichter und Literaturnobelpreisträger

Seine enge Verbundenheit mit dem württembergischen König dokumentiert sich auch mit dem Ende seiner Tätigkeit am Stuttgarter Hoftheater. König Wilhelm II. trat während der Novemberrevolution 1918 zurück, im gleichen Monat ließ sich von Putlitz beurlauben und kehrte nicht mehr auf seinen Posten als Generalintendant zurück. Im Frühjahr 1919 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins gewählt. Kurz nach einer Operation verstarb Joachim Gans Edler Herr von Putlitz am 9. März 1922 in Stuttgart.

Joachim von Putlitz, Intendant des Stuttgarter Hoftheaters
Joachim von Putlitz, Intendant der Stuttgarter Hoftheater