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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> Wer hat 1946 im Schlossgarten gemordet?

Wer hat 1946 im Schlossgarten gemordet?

Der Fall Heinrich Schwarzbauer* : Bis heute ist der Mord an einem Neckarweihinger nicht aufgeklärt

Katja Sommer

Eine ganze Bildermappe haben die Ermittler nach dem Tod von "Heinrich Schwarzbauer" angelegt.
Eine ganze Bildermappe haben die Ermittler nach dem Tod von Heinrich Schwarzbauer* angelegt.

Ein Schrei gellt durch die Nacht und bahnt sich in der Nacht des 8. September 1946 seinen Weg durch die Dunkelheit. Hildegard Koffler* ist gerade auf dem Heimweg. Gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und dem zukünftigen Schwiegersohn schlendert sie die Schlossgärten entlang. Sie hat sich locker bei ihm eingehängt. Dann bohren sich ihre Fingernägel erschreckt in seinen Unterarm. Alle vier wissen: Im Schlossgarten muss etwas Schreckliches passiert sein.

Ein Schrei in der Nacht

Sie versuchen, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Denn sie ahnen, dass dieser Schrei nur von einem Menschen stammen kann, "der in Not war". So berichten sie später der Polizei. Aber sie können in den mit Grün zugewucherten Anlagen nichts erkennen.

Der Tag bricht an. Friedrich Schwarzbauer reibt sich in Neckarweihingen die letzten Schlafkörnchen aus den Augen. Wo aber ist sein Bruder Heinrich? Die ganze Nacht war dieser nicht nach Hause gekommen. Friedrich ist beunruhigt. Er kennt seinen Bruder als zuverlässigen Mann, der selten die Nacht nicht in seinem eigenen Bett verbringt. War er bei seiner Freundin Katharina Buchenegger geblieben? Diese hatte Heinrich am Vorabend noch nach Hause begleitet. War mit ihr von Neckarweihingen nach Ludwigsburg gelaufen.

Als Heinrich auch nicht zur Arbeit erscheint, macht sich Friedrich große Sorgen. Er geht nach Hause, vielleicht hat sein Bruder mittlerweile den Heimweg gefunden. Dort sieht er aber nur, dass sich dieser seine Arbeitskleidung und ein Vesper vorbereitet hatte - beides lag jedoch noch unberührt an seinem Platz.

Bruder sorgt sich

Friedrich geht zur Polizei. Er gibt eine Vermisstenanzeige auf. Zu groß ist die Sorge um den eigenen Bruder. Für Friedrich beginnen acht lange Tage. Denn erst am 17. September findet die Polizei den Bruder. 200 Meter unterhalb der Neckarbrücke wird er tot aus dem Fluss geborgen. Seine Hosentaschen sind geleert und nach außen gekehrt. Die Jacke wird einen Tag später aus einem Wehr gefischt.

Es steht fest: Heinrich Schwarzbauer wurde ermordet. Die Ermittler finden am Kragen seiner Jacke ein rundes Loch. Doch wer hat den Neckarweihinger auf diese grausame Art und Weise umgebracht?

Man vermutet, dass Schwarzbauer im Schlossgarten ermordet wurde. Dort verläuft 1946 ein offener Abwasserkanal. In diesen könnten die Mörder die Leiche geworfen haben, von wo aus sie dann in den Neckar gespült wurde.

Doch die Ermittler sind ratlos. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wird die Leiche Schwarzbauers obduziert. Tatsächlich finden die Mediziner im Kopf des Opfers das tödliche Geschoss.

Die Spur führt zu den amerikanischen Besatzungstruppen und zu den unter ihnen dienenden Polen in Ludwigsburg. Aber warum musste Schwarzbauer sterben?

Leiche im Kanal entsorgt?

Zeugen werden befragt. Hatte Schwarzbauer etwa den Groll der Polen auf sich gezogen? Denn vor einiger Zeit hatte er einer Nachbarin dabei geholfen, zwei Polen loszuwerden, die versucht hatten, mit zwei Mädchen in ihre Wohnung einzudringen. Daraufhin drohten diese, "das ganze Viertel in Schutt und Asche legen und alles totschlagen" zu wollen.

Oder musste man den Täter in Schwarzhändlerkreisen suchen? Denn die Polizisten fanden zudem heraus, dass Schwarzbauer nicht der anständige Nachbar war, für den ihn viele hielten. Denn Schwarzbauer verkaufte gegen teures Geld Schnaps - zumeist an Polen.

Diese Vermutungen verdichten sich, als Ende September die Waffe sichergestellt wird, aus der offensichtlich das tödliche Geschoss abgefeuert wurde. Man findet die Pistole bei einem Polen in Neckarweihingen. Doch bewiesen ist damit nichts. Die Ermittler treten auf der Stelle. Beweise fehlen. Die Akte Schwarzbauer wird geschlossen. Vorläufig. Ende der 50er Jahre wird das Verfahren neu aufgerollt. Die Polizei hat eines der Mädchen ausfindig gemacht, die einst versucht hatten, in eine Neckarweihinger Wohnung einzudringen.

Doch die Erinnerungen der Frau erweisen sich als sehr dürftig. Sie streitet alles ab. Selbst die Hausbewohner können die Frau nicht eindeutig identifizieren. Auf rätselhafte Art und Weise verschwindet zudem das bei der Obduktion sichergestellte Geschoss. 1959 steht es bei der Wiederaufnahme des Verfahrens nicht mehr zur Verfügung. "Möglicherweise wurde es, zusammen mit der Waffe, dem zuständigen Militärgericht übergeben", ist in der Akte zu lesen.

1963 wird die Akte Heinrich Schwarzbauer geschlossen. War es die Tat von Polen unter amerikanischer Flagge? Wollte sich ein geprellter Kunde aus Schwarzmarktkreisen rächen? Oder war es gar der Ehemann seiner Freundin Katharina Buchenegger, den man später in Jugoslawien ausfindig machte? Bis heute haben die Ermittler den Fall nicht aufgeklärt.


* Alle im Artikel genannten Namen wurden geändert.


Der Artikel wurde am 2. Juli 2005 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der LKZ.

Akteneinsicht
Die Akte kann im Staatsarchiv Ludwigsburg unter der Signatur FL 10/7 Bü 31 bestellt und eingesehen werden. Der Lesesaal ist unter der Telefonnummer 07141/18-6337 erreichbar.