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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> Metzger hat Geldsäckel des Viehtreibers im Visier

Metzger hat Geldsäckel des Viehtreibers im Visier

Der Fall Wilhelm Heinrich Armbruster: Ein geplanter Raub gerät aus den Fugen und wird Mord

Von Katja Sommer

Die Tatwaffe im Fall Armbruster.
In der Akte schlummert nicht nur Papier: Die Tatwaffe - das Messer - ist ebenso erhalten wie das Geldsäckel. Anhand des abgerissenen Ärmels wurde der Täter einst überführt. Man konnte ihn eindeutig seinem Metzgerschurz zuordnen. Bild: Alfred Drossel

Es ist ein heißer Tag im Juni 1847. Der Metzgergeselle Wilhelm Heinrich Armbruster schuftet auf einem Acker an der Neckarweihinger Straße. Armbruster rinnt der Schweiß herunter, er rammt seinen Spaten in die Erde und stützt die Arme auf das inzwischen glitschige Holz des Griffes. Viel lieber würde er jetzt ein Nickerchen im Schatten machen. Armbruster ist als Faulpelz bekannt. Andere bezeichnen ihn zudem als heimtückisch, unbarmherzig und sogar charakterlos.

Er lässt seinen Blick über die Felder schweifen. In der Ferne taucht ein Schatten auf. Er entdeckt einen Viehtreiber. Mit ein paar Ochsen ist dieser auf dem Weg nach Ludwigsburg. Johann Gottlieb Winter marschiert mit seinem Vieh regelmäßig nach Ludwigsburg. Der Markt ist bekannt, für Ochsen werden gute Preise bezahlt.

Das weiß auch der Metzgergeselle. Er zählt eins und eins zusammen: Wenn der Viehtreiber jetzt nach Ludwigsburg geht, seine Ochsen verkauft, dann tritt er mit einem gefüllten Geldsäckel seinen Nachhauseweg an. Armbrusters Plan ist schnell geschmiedet: Er wird Winter auflauern und ihm das Geldsäckel rauben.

Der Viehtreiber lässt nicht allzu lange auf sich warten. Die stattlichen Ochsen waren gefragt. 327 Gulden hat er für sein Vieh bekommen. Der Weg nach Ludwigsburg hatte sich für ihn gelohnt.

In Neckarweihingen trifft Winter auf einen Metzgergesellen. Winter erkennt ihn an seinem blauen Schurz. Armbruster verwickelt den Viehtreiber in ein Gespräch. Er wolle nach Maubach, ein Kuh kaufen, flunkert er den Viehtreiber an. In Maubach trennen sich dann ihre Wege. Armbruster erkundigt sich wirklich nach einer Kuh - an einen Kauf aber denkt der Metzgergeselle nicht wirklich. Sein Plan ist durchdacht. Schließlich will er nicht mit Winter gemeinsam in Maubach gesehen werden. Armbruster will keine Zeugen für seine Tat.

Winter marschiert weiter. Von seinem Verfolger ahnt er nichts. Dieser hält sich in sicherem Abstand, versteckt sich immer wieder hinter Büschen und Bäumen. Es dämmert schon, als der Viehtreiber mit seinem unbekannten Verfolger den Ungeheuerhof zwischen Backnang und Unterweissach passiert.

Das Gelände wird unwegsamer, immer weniger Menschen begegnen dem Viehtreiber. Armbruster sieht seine Zeit gekommen. Er überfällt den Viehtreiber, will das Geldsäckel an sich bringen. Doch Winter ergibt sich nicht kampflos. Er wehrt sich heftig.

Damit hat Armbruster nicht gerechnet. Er hat die glänzenden Gulden im Kopf und will um jeden Preis an das Vermögen des Viehtreibers. Mit einem Messer sticht er auf Winter ein. Geschwächt übergibt dieser sein Geldsäckel. Doch Armbruster tritt nicht die Flucht an. Er fürchtet, der Mann könnte ihn nach seiner Genesung verraten. Deswegen beschließt er kurzerhand, den einzigen Zeugen seiner Tat umzubringen. Er schneidet Winter die Kehle durch. Doch Armbruster ist kein kaltblütiger Mörder. Ihn packt die Panik. Er flüchtet angsterfüllt und bemerkt nicht, dass ihm ein Stück seines Kittels fehlt. Dieses hatte Winter ihm im Kampf vom Metzgersschurz abgerissen.

Spaziergänger finden die Leiche Winters wenige Minuten nach der Tat. Blutüberströmt liegt der tote Viehtreiber am Wegesrand - und neben ihm die blaue Manschette. Sofort fällt der Verdacht auf einen Metzger. Denn der blaue Kittel gilt als Merkmal der Zunft. Feldarbeiter erinnern sich zudem an einen Metzger, der den Fürstenhof bei Großaspach passiert habe und in Richtung Stuttgart marschiert sei. Ein Knecht des Fürstenhofs gibt den Fahndern einen weiteren Hinweis: Blutverschmiert sei das Hemd des Metzgers gewesen, ist dieser überzeugt. Doch Armbruster gelingt die Flucht. Das Geldsäckel trägt er stets bei sich. 135 Gulden hatte er erbeutet. Eine stolze Summe. Was Armbruster nicht weiß: Winter hatte die restlichen 192 in anderen Taschen versteckt.

Der Metzgergeselle fühlt sich sicher. Fünf Tage nach der Tat lässt er sich in der Wirtschaft zum grünen Baum in Bietigheim ein kühles Bier schmecken. Doch die Fahnder haben ihn im Visier: Sie verhaften Armbruster vom Biertisch weg. Die beim Ermordeten gefundene Manschette passt exakt an seinen Metzgerschurz. Er ist überführt.

Das Oberamtsgericht Backnang verhört Armbruster. Dieser legt ein Geständnis ab und der Prozess vor dem Kriminalsenat nimmt seinen Lauf. Am 5. August 1847 wird Armbruster angeklagt. Das Urteil fällen die Richter am 14. Dezember. Armbruster wird zum Tode durch das Schwert verurteilt. Bis zu 8000 Menschen verfolgen die öffentliche Hinrichtung des Metzgergesellen am 8. Januar 1848 auf der Bleichwiese in Backnang - zugleich die letzte öffentliche Hinrichtung im Oberamt Backnang.

Der Artikel wurde am 9. Juli 2005 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der LKZ.

Akteneinsicht
Die Akte kann im Staatsarchiv Ludwigsburg unter der Signatur E 319 Bü 153-154 bestellt und eingesehen werden. Der Lesesaal ist unter der Telefonnummer 07141/18-6337 erreichbar.