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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> Betrogener Gatte stiftet Ehefrau zum Kindsmord an

Betrogener Gatte stiftet Ehefrau zum Kindsmord an

Der Fall Wilhelm Dengler: Tat aus Eifersucht

20.07.2009

Von Katja Sommer

Auf dieses Stückchen Stoff war der Leichnam des neugeborenen Mädchens
gebettet.
Auf dieses Stückchen Stoff war der Leichnam des neugeborenen Mädchens gebettet. Der Zuschnitt hat die Ermittler auch auf die Spur der Stadlers gebracht - weil es keine exakten Kanten hatte, sondern einzelne Ecken abgeschnitten wurden, gingen die Ermittler davon aus, dass das Stück Stoff von einer Näherin stammen könnte. Bilder: Alfred Drossel

Es ist die große Liebe. Als der Ludwigsburger Goldarbeiter Wilhelm Dengler im Jahr 1845 auf der Hochzeit eines Freundes die hübsche Emilie Stadler kennen lernt, ist es um ihn geschehen. Emilie ist die Frau seines Lebens. Wilhelm weiß: Mit dieser Frau möchte ich eine Familie gründen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen - kurzum: mit ihr alt werden. Emilie und Wilhelm gelten als Traumpaar. Den Schritt vor den Traualtar wagen sie allerdings nicht. Doch ihre leidenschaftliche Liebe trägt Früchte: 1847 wird das erste Kind geboren.

Ihr Glück wird überschattet vom Zorn Emilies Mutter. Sie will nicht, dass ihre Tochter ein uneheliches Kind auf die Welt bringt. Doch dem verliebten Paar gelingt es, die erzürnte Mama von ihrem Glück zu überzeugen. Letztendlich duldet sie es sogar, dass Emilie und Wilhelm trotz des gemeinsamen Kindes in getrennten Wohnungen leben: Sie in Marbach, er in Ludwigsburg. Wilhelm und Emilie sind fest davon überzeugt, dass nichts auf der Welt ihre Liebe ins Wanken bringen kann.

Als 1848 das Frühjahr beginnt und die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen nach Marbach schickt, schlägt eine Theatergesellschaft in der Schiller-Stadt ihr Quartier auf. Emilie ist fasziniert vom Leben der Schausteller. Insbesondere ein gewisser Friedrich Frick hat es ihr angetan. Emilie hat den Schausteller ständig im Blick, schließlich logiert er gegenüber ihrer Wohnung. Irgendwann lässt sie sich mit Friedrich Frick auf ein heißes Abenteuer ein - und ist gefangen von der unbändigen Lebenslust.

Vergessen sind die Liebesschwüre gegenüber Wilhelm, über Bord geworfen alle Zukunftspläne. Emilie lebt den Augenblick. Und schickt Wilhelm in die Wüste. "Du bist mir zu altbacken, zu abgelebt", sagt sie. Ihn erschreckt die Kälte in ihrer Stimme.

Emilie steht von nun an auf der Bühne. Gemeinsam mit Friedrich Frick spielt sie mehrere Liebesszenen - die Zuschauer ahnen nicht, wie viel Leidenschaft dahinter steckt, und feiern das Paar. Als jedoch der Direktor der Theatergesellschaft von der Liaison erfährt, bereitet er dem lustvollen Treiben des Paares ein jähes Ende. Er kündigt Friedrich Frick und verweist ihn der Stadt.

Emilie fühlt sich allein. Schnell sind die Liebesschwüre Wilhelms wieder im Gedächtnis. Sie will zu ihm zurück. Doch Wilhelm hat die Trennung noch nicht verwunden, zu frisch ist der Schmerz. Allerdings verbindet sie etwas: Das gemeinsame Kind. Emilie schafft es, über den Nachwuchs wieder Kontakt zu Wilhelm zu knüpfen. Dieser ahnt nicht, dass die nächste böse Überraschung auf ihn wartet: Emilie ist wieder schwanger!

Die leidenschaftlichen Nächte mit dem Schausteller sind nicht ohne Folgen geblieben. Im katholischen Hospital in Ludwigsburg wird das Kind geboren. Emilie schwindelt jedoch, als die Stadtdirektion den Vater ihres Kindes genannt haben möchte: Sie lässt den Namen Wilhelm Dengler eintragen. Den Anblick des Neugeborenen kann Wilhelm nur schwer ertragen. Immerzu sieht er vor seinem inneren Auge seine geliebte Emilie in den Armen des Nebenbuhlers. Doch er überwindet seinen Schmerz und kehrt wieder zu Emilie zurück. Von Nachbarn muss er jedoch erfahren, dass seine Emilie wieder andere Männer trifft - und auch diesmal nicht ohne Folgen: Sie ist schwanger. Sein Zorn steigert sich ins Unermessliche. Für Wilhelm Dengler steht fest: Dieses Kind soll nicht leben.

Er organisiert von einem befreundeten Apotheker Medikamente, die einen vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch herbeiführen sollten. Doch es treten nur heftige Durchfälle und Magenkrämpfe ein. Aber Dengler gibt nicht auf. Massiv drängt er seine Geliebte, die ihren Zustand durch enges Gürten zu verheimlichen sucht, nach der Geburt das Kind zu ermorden.

Voller Furcht, Wilhelm ganz zu verlieren, erdrosselt sie am Tage der Geburt ihr Kind. Legt es in eine Schachtel und versteckt diese in ihrem Schrank. Eines Abends schnappt sich Wilhelm Dengler das Bündel und marschiert zum Ludwigsburger Bahnhof. Dort fährt gerade der Zug nach Esslingen ein. Dengler versteckt das Paket im Zug unter den Sitzen und schleicht sich davon. Als der Zug in Esslingen einläuft, haben Reisende das kleine Paket bereits entdeckt. Die Polizei wird alarmiert. Der "Schwäbische Merkur" sucht Zeugen - man vermutet bereits, dass das Stück Stoff, mit dem das Kind eingewickelt war, von einer Näherin stammen könnte. Denn die Kanten gleichen einem Zuschnitt.

Bericht im Schwäbischen Merkur
Bericht im Schwäbischen Merkur, Foto: Alfred Drossel

Die Spur führt schließlich zu Wilhelm Dengler und Emilie Stadler. Dengler und seine Geliebte werden zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt - sie wegen Mordes, er wegen Anstiftung zum Mord.

Der Artikel wurde am 16. Juli 2005 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der LKZ.

Akteneinsicht
Die Akte kann im Staatsarchiv Ludwigsburg unter der Signatur E 320 Bü 107-108 bestellt und eingesehen werden. Der Lesesaal ist unter der Telefonnummer 07141/18-6337 erreichbar.