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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> Ein junger Musiker ermordet seinen Dienstherren

Ein junger Musiker ermordet seinen Dienstherren

Der Fall Adolf Hollenstein: Der 22-jährige Mann aus Stuttgart wird im Jahr 1836 auf Diebestour ertappt

Katja Sommer

Schwer verletzt stand Gottfried Ferdinand Griesinger am Tag nach der Tat den Ermittlungsbeamten Rede und Antwort. Seine Aussagen sind im Vernehmungsprotokoll festgehalten.  Bild: Alfred Drossel.
Schwer verletzt stand Gottfried Ferdinand Griesinger am Tag nach der Tat den Ermittlungsbeamten Rede und Antwort. Seine Aussagen sind im Vernehmungsprotokoll festgehalten. Bild: Alfred Drossel.

Musik hat die Familie Hollenstein im Blut. Als dem Stuttgarter Hofmusiker Johann Melchior Hollenstein im Jahr 1814 ein Sohn geboren wird, steht schnell fest: Auch er wird - so wie seine sieben anderen Geschwister - die katholische Schule besuchen. Adolf Hollenstein glänzt mit hervorragenden Leistungen - insbesondere im Fach Musik. Doch seine Lehrer haben es nicht leicht mit dem Spross der Musiker-Familie. Er ist als vorlauter, schwatzhafter, mutwilliger, ungehorsamer und heimtückischer Knabe an der Schule bekannt. Nach seiner Konfirmation hängt er die Schule an den Nagel - und widmet sich der Musik. Insbesondere im Klavierspiel beweist der junge Hollenstein ein besonderes Talent.

Gerade mal 18 Jahre alt, reist Adolf Hollenstein nach Augsburg. Er hofft, als Klavierlehrer seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Doch schnell merkt der junge Hollenstein: Nur von Talent lässt es sich schlecht leben. Schnell kehrt er nach Stuttgart zurück, wo ihn dann jedoch der Ruf eines englischen Gesandten ereilt. Hollenstein soll nach München kommen, um seine Kinder zu unterrichten. Ein gutes Jahr weilt Hollenstein in der bayerischen Metropole, versucht dann in Wien sein Glück. Scheitert. Stuttgart hat ihn wieder.

Hollenstein ist verzweifelt, stürzt sich deswegen in sein eigenes musikalisches Fortkommen. Nur nebenbei unterrichtet er ein paar Schüler. Doch die Durststrecke scheint überwunden, als Hollenstein eine feste Anstellung im Hause Schiedmaier - der Adresse für Tasteninstrumente - erhält. Die Familie ist begeistert von seinem Talent, empfiehlt den jungen Hollenstein weiter. Unter anderem an den Stiftungsverwalter Gottfried Ferdinand Griesinger.

Doch Hollenstein ist nicht nur der brave Musiker, für den ihn alle halten. Hollenstein führt ein ausschweifendes Leben. Sein Verdienst reicht bei weitem nicht aus, den lustvollen und teuren Lebenswandel zu finanzieren. Hollenstein ist innerhalb weniger Jahre hoch verschuldet und hat sich zudem mit einer "bösartigen Lustseuche" infiziert.

Bei der Familie Schiedmaier verschwinden nach und nach wertvolle Gegenstände. Den Täter suchen sie nicht in ihren Reihen - auch auf den Musiklehrer fällt kein Verdacht. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Hollenstein beklaut nicht nur die Familie Schiedmaier. Nein, auch bei Griesingers versucht sich der Klavierlehrer zu bereichern. Am Abend des 24. April 1836 hört der 64-jährige Griesinger in seinem Haus im Hof der Hospitalkirche Geräusche auf dem Dachboden. "Die Katzen wieder", denkt sich der Alte und schlurft weiter über den Flur. Doch die Geräusche lassen ihm keine Ruhe. Griesinger forscht nach. Mit einer Kerze in der Hand geht er auf den Dachboden.

Seine Augen gewöhnen sich schnell an das Dunkel der Rumpelkammer und er erkennt im Eck eine Gestalt mit schwarzer Maske vor dem Gesicht. "Was machst du da, Spitzbub", fährt Griesinger den Unbekannten an und greift ihn am Arm. Den Maskierten packt die Angst. Er zieht einen Hammer aus der Tasche und schlägt damit auf Griesingers Kopf ein. Dieser sinkt stöhnend zu Boden. Doch seine Kraft reicht noch aus, um laut nach Hilfe zu rufen. Seine linke Körperseite spürt Griesinger nicht mehr - wohl hatte der Maskierte sogleich eine empfindliche Stelle getroffen. Griesingers Mitarbeiter Stöckle - ebenfalls Bewohner des Hauses - hört die Schreie und eilt nach oben. Auf der Treppe begegnet er dem Mann mit der schwarzen Maske, drängt ihn aufs stille Örtchen und schließt die Tür hinter sich. Dann eilt er seinem Chef zur Hilfe. Der Täter indes versucht zu fliehen, zwängt sich aus dem engen Fenster. Auf dem Hof wird er jedoch vom Hausmeister des Spitals überrascht und sofort der Polizei übergeben. Alle Beteiligten erkennen den jungen Mann sofort: Es ist der Klavierlehrer der Tochter Griesingers!

Griesinger ist schwer verwundet. Mitarbeiter tragen den laut schreienden Mann in sein Arbeitszimmer und lassen ihn ärztlich behandeln. Doch schnell ist klar: Der 64-Jährige wird den Angriff nicht überleben. Griesinger wird gleich am nächsten Morgen vernommen. Er ist der Einzige, der genaue Angaben zur Tat auf dem dunklen Dachboden machen kann. Am 1. Mai 1836 erliegt er seinen schweren Verletzungen.

Der Kriminalsenat Esslingen verurteilt Hollenstein zum Tode durch das Schwert. Doch ein Gnadengesuch des Verteidigers - Rechtskonsulent Köstlin aus Stuttgart - hat Erfolg: Die Todesstrafe wird in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt. Warum Hollenstein begnadigt wurde, ist in der Akte nicht festgehalten. Aber festzustellen ist, dass zu dieser Zeit das Gesetzbuch reformiert wurde - und Hollenstein wohl durch eine kleine Gesetzeslücke schlüpfen konnte.

Der Artikel wurde am 30. Juli 2005 in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlicht. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der LKZ.

Akteneinsicht
Die Akte kann im Staatsarchiv Ludwigsburg unter der Signatur E 319 Bü 157 bestellt und eingesehen werden. Der Lesesaal ist unter der Telefonnummer 07141/18-6337 erreichbar.