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Archivale des Monats Mai 2006

450 Jahre württembergische Klosterschulen: Das Beispiel Adelberg

Schluss der Originalfassung der Klosterordnung
Schluss der Originalfassung der Klosterordnung mit eigenhändiger Unterschrift Herzog Christophs (Ausschnitt)

1. Grundlagen

In seiner großen Reformschrift von 1520 "An den christlichen Adel deutscher Nation", "Von des christlichen Standes Besserung" sowie in seinen großen Bildungsschriften "An die Radtherren aller Stette deutschen Lands, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen" von 1524 und der Predigt, "das man kinder zur Schulen halten solle" aus dem Jahre 1530 entwickelte Martin Luther die Grundzüge des neuen reformatorischen Bildungssystems und damit die Grundlagen, die auch für die württembergischen Klosterschulen maßgeblich wurden. Einerseits will er die Klöster auf ihre ursprüngliche Bestimmung zurückführen - nämlich Schulen zu sein, zum anderen betont er den hohen Wert, der der gelehrten Bildung und der guten Erziehung der Jugend zukommt, aber auch die Verpflichtung der Obrigkeit für diese Ausbildung Sorge zu tragen und sie notfalls auch materiell zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund wurde somit auch in Württemberg schon unter Herzog Ulrich begonnen, die Klöster umzubilden. In eine neue Phase traten die Bemühungen seit dem Regierungsantritt Herzog Christophs, der 1551 den früheren Prediger in Schwäbisch Hall Johannes Brenz zum Stiftspropst von Stuttgart berief. Er wurde der eigentliche Reformator Württembergs; unter seinem Einfluß wurde auch die Umbildung der Klöster zu Schulen vollzogen, wobei Brenz außerordentlich behutsam vorging. Herzog Christoph andererseits betrachtete die Klosterschulen immer als seine ureigenste Schöpfung, auf die er besonders stolz war; sie seien, so soll er einmal gesagt haben, "ein solcher schatz, so in ganzer teutscher nation nit befunden werde".

2. Die Klosterordnung von 1556

So wurden denn auf den 9. Januar 1556 die Prälaten der 14 großen von Württemberg beanspruchten Mannsklöster nach Stuttgart einberufen, um die ihnen vorgelegte neue Klosterordnung zu billigen. Herzog Christoph schildert in ihr zunächst seine erfolglosen Bemühungen auf dem Konzil von Trient seine neue württembergische Kirchenordnung diskutieren zu lassen und beruft sich dann auf den Augsburger Religionsfrieden und seine Pflicht als christlicher Landesfürst, für die einheitliche Ordnung der religiösen Verhältnisse zu sorgen, betont aber zugleich, dass er die Stellung der Prälaten in jeder Hinsicht erhalten wolle. Die Klosterordnung atmet zweifellos den Geist des Johannes Brenz, dessen frühere Vorschläge er weiterentwickelte und der die klösterliche Ordnung nahezu vollständig beibehielt - wie etwa das Stundengebet und die Mönchskleidung der Schüler. Die Klöster wurden aber nunmehr zu Schulen, in denen zunächst die Ordnung des Gottesdienstes und die Schriftlesung gelehrt werden sollten. Neben den Abt sollten zwei sogenannte Präzeptoren treten, die die Auslegung der Bibel bzw. die Rhetorik und Dialektik lehren sollten. Die Klosterordnung regelt ferner in allen Einzelheiten den Tagesablauf, die Aufnahme der Schüler, ihre Verpflichtungserklärung und weitere Stationen ihrer Ausbildung nach drei Jahren. Der Unterricht sollte in erster Linie dazu dienen, Geistliche auszubilden Die herzoglichen Räte sollten die einzelnen Klöster aufsuchen und die Prälaten gegebenenfalls bei der Umsetzung der Klosterordnung beraten. Brenz selbst besuchte noch im Jahre 1556 die meisten Klöster und begleitete ihre Umwandlung in Schulen. Die Klosterordnung wurde in leicht veränderter Form in die Große Kirchenordnung von 1559 übernommen, die staatsrechtliche Fixierung der Klosterschulen erfolgte 1565 im Landtagsabschied. Auf der Grundlage der Klosterordnung wurden zunächst in 13 der 14 Klöster Schulen eingerichtet - in Adelberg, Alpirsbach, Anhausen, Bebenhausen, Blaubeuren, Denkendorf, Herrenalb, Hirsau, Königsbronn, Lorch, Maulbronn, Murrhardt und St. Georgen - . Sie wurden jedoch bald verringert. 1599 waren noch 5 Schulen übrig - Adelberg, Blaubeuren und Hirsau als sogenannte niedere, Bebenhausen und Maulbronn als höhere Schulen. Während in den niederen Schulen vor allem die niederen "Artes liberales" gelehrt wurden - also Grammatik, Rhetorik und Dialektik - waren es in Bebenhausen und Maulbronn die höheren Artes - Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie - und natürlich die Theologie. Während des Dreißigjährigen Krieges mussten die Klosterschulen zeitweise geschlossen werden, erst 1648 aufgrund des Westfälischen Frieden, der ja die Parität der Konfessionen festschrieb konnten sie wieder eröffnet werden. Adelberg, das im Krieg zerstört worden war, wurde allerdings nicht mehr errichtet. Auch Hirsau konnte auf die Dauer nicht erhalten werden. Als Ersatz wurde dann in Denkendorf wieder eine Klosterschule errichtet. Von den vier Klosterschulen, die dann bis 1806 erhalten blieben - Blaubeuren und Denkendorf als niedere, Bebenhausen und Maulbronn als höhere Schulen - existieren bis heute zwei - Blaubeuren und Maulbronn.

3. Die Klosterschule Adelberg 1556-1630

Das innere Leben der Klosterschulen wird in unserer Ausstellung am Beispiel der Klosterschule Adelberg dokumentiert. Die Klosterschule gehört zwar nicht zu den bedeutendsten, insbesondere auch deshalb, weil sie nur bis 1630 bestand, als durch das Restitutionsedikt das Kloster Adelberg dem Prämonstratenserorden zurückgegeben wurde. Über die Klosterschule Adelberg ist daher bis jetzt wenig bekannt. Gerade deshalb kamen bei den Vorarbeiten zu unserer Ausstellung neue Dokumente zu tage. Außerdem wurde das Beispiel Adelbergs durch die aktuelle Arbeit des Hauptstaatsarchivs Stuttgart bestimmt. Im letzten Jahr wurden die Archivalien des Klosters und des zeitlich daran anschließenden Klosteramts Adelberg - insbesondere die bislang höchst unzulänglich erschlossenen bzw. völlig unverzeichneten Akten und Amtsbücher - durch ein modernes EDV-gestütztes Inventar erschlossen. Die über 800 Urkunden des Klosters bzw. der württembergischen Klosterverwaltung, die durch über 50 Jahre alte teilweise gedruckte Regesten erschlossen sind, wurden überarbeitet und ins Internet eingestellt. Die neue Klosterordnung wurde in Adelberg zunächst nur widerwillig angenommen. Erst einer zweiten Kommission aus herzoglichen Räten gelang es im April 1556 die Aufnahme zweier Präzeptoren und von 12 Knaben durchzusetzen. Die wichtigsten Quellen aus Adelberg betreffen Visitationen Schon am 6.April 1557 war Brenz selbst in Adelberg und hat dort anlässlich einer Visitation den 9. Psalm ausgelegt Anlässlich der Visitation von 1560 wurde eine knappe Schülerliste angelegt, die auch Angaben zur Herkunft und zur Begabung der Schüler macht. Von 1616 bis 1629 liegen sodann regelmäßig Visitationsberichte vor, die gelegentlich auch Namen von Schülern bieten, meist aber nur bei Verstößen gegen die Klosterordnung, die in einfachen Fällen mit dem Entzug des Tischweins geahndet wurden. In einigen Fällen enthalten die Schülerlisten aber auch Beurteilungen der schulischen Leistungen. Wichtig sind ferner die den Visitationsberichten gelegentlich beiliegenden sogenannten "Argumenta" des visitierenden Propsts, die den Schülern diktiert wurden und von ihnen ins Lateinische zu übersetzen waren. Darin werden grundsätzliche Fragen der Erziehung und des Studiums behandelt, die mitunter erstaunlich modern klingen. Über den berühmtesten Schüler Adelbergs, Johannes Kepler, der von 1584-1586 die Schule besuchte, liegen in den Quellen Adelbergs allerdings keinerlei Nachrichten vor. Über den Wochenspeiseplan gibt es im übrigen aus der Zeit um 1600 eine Aufstellung aus Adelberg. Danach wird zwar reichlich Fleisch, Suppe und Gemüsebrei angeboten, aber kaum Abwechslung. Freitag und Samstag sind grundsätzlich fleischlos. Anstelle von Fleisch gibt es einfache Fischarten wie Stockfisch und Platteise. Wein gibt es pro Tag eine Quart, da ist ungefähr 0,4 Liter. Dieser verhältnismäßig üppige Weinverbrauch wird jedoch in Adelberg wie auch in anderen Klosterschulen während des Dreißigjährigen Kriegs mehrmals eingeschränkt wegen schlechter Ernte oder allgemeiner Teuerung. Auch über die Kleidung gibt es auch Adelberg Quellen. Als Reaktion auf Klagen wird 1603 eine genaue Beschreibung der Kleidung der Scholaren übersandt. Danach wird zwischen Winter- und Sommerkleidung unterschieden. Während für den Sommer schwarze Joppe, Hose und Wams - alles aus Ulmer Zwillich - und ein grünes Sommerhüettlin vorgesehen ist, soll die Winterkleidung aus schwarzem Calwer Tuch bestehen und einen langen Rock, eine Hose, ein Wams aus Barchent sowie einen gefütterten Winterhut umfassen.

Unterlagen des Klosters Adelberg