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Archivale des Monats September 2006

200 Jahre Religionsfreiheit in Württemberg - Der Weg nach St. Eberhard

Die katholische Eberhardskirche in Stuttgart

Das alte Herzogtum

Durch den Westfälischen Frieden des Jahres 1648 wurde das Herzogtum Württemberg endgültig ein geschlossenes evangelisches Territorium, der katholische Gottesdienst wurde verboten. Für Taufe, Heirat und Begräbnis waren auch für Katholiken die evangelischen Pastoren zuständig. In besonderen Fällen konnten Katholiken am kirchlichen Leben der katholischen Dörfer Hofen, Oeffingen oder Neuhausen auf den Fildern teilnehmen.
Als jedoch 1733 mit Herzog Karl Alexander ein katholischer Landesfürst die Regierung antrat. mussten die religiösen und kirchlichen Verhältnisse neu geregelt werden. In den sogenannten "Religionsreversalien", einer Herrschaftsvereinbarung mit den Ständen, mussten der Herzog die ausschließliche Geltung der evangelischen Konfession garantieren, wofür ihm andererseits das Recht zur Haltung einer privaten katholischen Hofkapelle zugestanden wurde. Diese erlangte unter dem katholischen Nachfolger Herzog Karl Eugen große Bedeutung über den Hof hinaus, als auch viele Fremde, vor allem italienische Künstler und Gesandte, aber auch Stuttgarter Katholiken an den Gottesdiensten teilnahmen. Der Herzog berief außerdem aufgeklärte katholische Geistliche wie den bekannten ehemaligen Neresheimer Benediktinerpater Benedikt Maria Werkmeister. Unter Herzog Friedrich II., dem späteren Kurfürsten und König, fanden zwar keine Hofkapellengottesdienste mehr statt. Mit Urkunde vom 30.Juli 1798 ordnete der Herzog jedoch an, in Ludwigsburg und Stuttgart private Bethäuser für katholische Gottesdienste zu errichten, die jedoch äußerlich nicht erkennbar sein durften, Die vom Herzog zu ernennenden Geistlichen durften sich nur in wenigen "Gewissensfällen" mit Zustimmung des Landesherrn sich an den Bischof von Konstanz wenden. Der Stuttgarter Gemeinde wurde das Auditorium der ehemaligen Hohen Karlsschule hinter dem Neuen Schloss als Bethaus zugewiesen.

Widmung König Friedrichs von Württemberg für die Eberhardskirche

Der Neubeginn des Jahres 1806

Durch Reichsdeputationshauptschluss, Pressburger Frieden und Rheinbundakte kamen Angehörige anderer Konfessionen in größerer Anzahl - vor allem Katholiken - unter die Souveränität des neuen Königreichs. Daher war es nur konsequent, dass der neue König diesen Verhältnissen Rechnung trug und im Religionsedikt vom 15. Oktober 1806 die drei wichtigsten christlichen Konfessionen - Lutheraner, Reformierte und Katholiken - rechtlich gleichstellte. Das Religionsedikt ist aber auch Ausdruck jenes gewandelten Herrschaftsverständnisses, das als Ausdruck des souveränen Einheitsstaates den modernen Staat vorbereite und alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erfassen suchte. Im Bereich der Religion bedeutete dies ein verstärktes Staatskirchentum, mit dem der Landesherr alle Bereiche des kirchlichen Lebens im einzelnen regeln wollte. Dementsprechend wurde den Stuttgarter Katholiken die Errichtung einer selbständigen Pfarrei gestattet, für die zunächst die alte Garnisonkirche zur Verfügung gestellt wurde. Mit Dekret vom 30. Oktober 1807 ordnete der König schließlich an, die 1775 beim Schloss Solitude erbaute evangelische Kirche abzubrechen und auf einem besonders zugewiesenen Platz an der unteren Königstraße wieder aufzubauen. König Friedrich kümmerte sich auch weiterhin bis ins Detail um die Inneneinrichtung und Ausstattung der Kirche, für deren Raumgestaltung Hofbaumeister Thouret zuständig war. Der Grundstein der Kirche wurde 1808 "in aller Stille" gelegt, die Weihe am 1. Oktober 1811 auf den Namen des heiligen Erzbischofs Eberhard I. von Salzburg nahem der Weihbischof von Augsburg, Karl von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst vor. Erst kurz nach seiner Ankunft am Tag zuvor hatte er sich beim König erkundigt, auf welchen Patron er Kirche und Hochalter weihen sollte. Des Königs Bescheid war kurz: "Kirche und Hochaltar: Hl. Eberhard oder Christoph, Nebenaltäre: Mutter Gottes oder Charles Borromäus".

Grundriss der Eberhardskirche

Die Ausstellung

Zur Erinnerung an den Erlass des Religionsedikts vor 200 Jahren und die damit in Gang gesetzte Errichtung .einer eigenen Stuttgarter Stadtpfarrei zeigt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart in Kooperation mit der Domkirchengemeinde St. Eberhard eine Kabinettsausstellung, die diesen Weg von der privaten katholischen Religionsausübung in Stuttgart über den Erlass des Religionsedikts bis hin zur Weihe von St. Eberhard anhand von Originaldokumenten und Bildern aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart und dem Stadtarchiv Stuttgart verfolgen soll. Gezeigt wird auch ein kostbares Sakramentsvelum aus der Gründungszeit von St. Eberhard.