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Archivale des Monats Oktober 2006

Mozart auf dem Weg nach Paris - Mozart en route pour Paris

Plakat zur Mozart-Ausstellung

Mozart auf dem Weg nach Paris - der historische Kontext

Zu Beginn des Jahres 1756 wurde Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg geboren. Im selben Jahr begann der "Siebenjährige Krieg" zwischen Österreich, Frankreich und Rußland auf der einen, und Preußen mit England auf der anderen Seite. Der Krieg endete 1763, ohne die territorialpolitische Situation in Mitteleuropa wesentlich zu verändern. In diesem Jahr machte sich der Hofkomponist Leopold Mozart von Salzburg aus mit seinen "Wunderkindern" Wolfgang und Nannerl auf die erste große Europareise in Richtung Paris. Damit begann die "Karriere" des Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Musik bald Weltruhm erfahren sollte. Der Weg der Mozarts führte im Juli 1763 auch durch das Herzogtum Württemberg, wo mit Herzog Carl Eugen ein kunstsinniger Fürst einen prächtigen Hof führte. Leopold Mozart hatte bereits zuvor gute Beziehungen zum deutschen Südwesten gepflegt, vor allem zu den Grafen von Montfort in Tettnang. Er wollte seine Kinder gerne auch dem württembergischen Herzog aufspielen lassen, doch sollten sich die Kontakte in Ludwigsburg auf den berühmten Hofkapellmeister Niccolò Jomelli beschränken, da Carl Eugen nicht zugegen war. Die Weiterreise und die Auftritte der Mozarts in Paris gestalteten sich zu einem "Triumphzug" durch das "alte" Europa der Fürsten- und Königshöfe. Erst nach über drei Jahren kehrte die Familie Mozart wieder nach Salzburg zurück. Die Wege Wolfgang Amadeus Mozarts sollten in den Jahren 1777/78 auch noch mehrfach über Paris führen, bevor er 1791 gerade 35jährig verstarb.

Auf dem Weg: Mozart im Schwabenland

Das erste halbe Jahr der Reise in der eigenen Kutsche verlief für die Familie Mozart, also die Eltern mit den beiden Kindern Wolfgang und Nannerl, nach dem üblichen Muster: Leopold Mozart plante in kurzen Etappen, setzte gezielte Empfehlungen ein und suchte unentwegt, förderliche Bekanntschaften zu machen. Damit gelangen meist einträgliche Konzerte wie in München und Augsburg und dann auch in Mainz, Frankfurt oder Brüssel. Man bewegte sich auf den üblichen Postrouten und nutzte deren Infrastruktur.
In zahlreichen Briefen berichtete Leopold Mozart seinen Freunden in Salzburg von dem Verlauf der Reise und seinen Eindrücken. Auch bei der Durchquerung des Herzogtums Württemberg von Ulm über Geislingen, Göppingen, Plochingen und Cannstatt nach Ludwigsburg macht er bemerkenswerte Beobachtungen, die in einer ausführlichen Darstellung zu Ludwigsburg gipfeln. Auch wenn der persönliche Kontakt zu Herzog Carl Eugen misslang, so wird doch Württemberg als "das schönste Land" der Reise bezeichnet.
Das Musikleben am württembergischen Hof prägte damals der berühmte Niccolò Jomelli, dessen Opern hier für die barocke Blüte der Hofmusik stehen. Auch seine Begeisterung für das "Wunderkind" Mozart vermerkt der stolze Vater Leopold, der andererseits seine Enttäuschung über die schmähliche Behandlung am Ludwigsburger Hof nicht verbergen konnte.

Reiseweg Mozarts nach Paris
Reiseweg Mozarts nach Paris

Das große Ziel: Mozart in Paris

Als die Familie Mozart im November ihr großes Ziel Paris erreichten, befanden sie sich in einer Metropole, die auf dem europäischen Festland keine Konkurrenz kannte. Mit Unterstützung einflussreicher Fürsprecher gelang bald der Zugang zur aristokratischen Gesellschaft: Man kam zunächst beim bayerischen Gesandten Graf van Eyck in der bayerischen Botschaft, dem "Hôtel de Beauvais" unter, bevor mit der Einladung an den Königshof Ludwigs XV. in Versailles ein Umzug in die Nähe des Schlosses folgen sollte. Mit dem Vorspiel der Mozart-Kinder vor der königlichen Familie war ihr Durchbruch in Paris gelungen.
Das Aufsehen verstärkte sich noch, als das spielende siebenjährige Wunderkind Wolfgang mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit trat: vier Klaviersonaten mit begleitender Violinstimme (KV 6-9) wurden hier im Druck vorlegt und einer Tochter des Königs bzw. einer Hofdame gewidmet. Überschattet wurden die Pariser Erfolge von einer ernsthaften Erkrankung Wolfgangs im Februar 1764, Auftakt einer Reihe von lebensgefährlichen Infekten, welche die Mozart-Kinder bis zum Ende der Reise immer wieder heimsuchen sollten. Auch berichtet Leopold Mozart in seinen Briefen immer wieder von den entsetzlichen Zuständen auf den Pariser Straßen, wo die Versehrten und Krüppel des gerade auslaufenden Siebenjährigen Krieges ein Bild des Schreckens vermittelten.

Bleibende Folgen: vom Wunderkind zum Genie

Dem kleinen Wolfgang Amadeus Mozart dürfte sein einzigartiger Status als "Wunderkind" kaum bewusst gewesen sein. Abgesehen von den körperlichen Strapazen der langen Reise scheint ihn das dauernde Vorführen und Musizieren - zumal vor erlauchtem Publikum - nicht weiter belastet zu haben, sondern ihm vielmehr eine natürliche Äußerungsform gewesen zu sein.
Bemerkenswert für Mozarts weitere Entwicklung ist jedenfalls, dass sich mit dem Herauswachsen aus dem Kindesalter auch die Resonanz auf seine musikalischen Fähigkeiten änderte. Sicher gehörte es zu seinen schmerzlichen persönlichen Erfahrungen, mit dem Wunderkindstatus auch ein Stück seiner Besonderheit ablegen zu müssen. War er bereits in frühesten Jahren an den prächtigsten Höfen Europas von Königen und Kaisern empfangen und großartig beschenkt worden, so blieben ihm später prominente Unterstützung und Belohnung vielfach versagt. In Wien, wo er bei Kaiserin Maria Theresia die ersten großen Erfolge feierte, verstarb Wolfgang Amadeus Mozart am 5.12.1791 und wurde in einem unbekannten Grab beigesetzt.
Mozarts musikalisches Genie freilich wurde bald weltbekannt und erhielt nach seinem Tod eine große Welle der Bewunderung. Nach Württemberg, wo Herzog Carl Eugen schon das Wunderkind Mozart nicht zur Kenntnis nahm, gelangte die Begeisterung für Mozarts Musik auch erst verzögert; doch lassen persönliche Äußerungen zur "Zauberflöte" deren anschließenden Siegeszug auf den Opernbühnen des deutschen Südwestens bereits erfahren.

Für freundliche Unterstützung danken wir der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, der Stiftung Mozarteum, Salzburg, sowie Herrn Konrad Vögele, Langenargen.