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Thema 4: Widerstand im Nationalsozialismus (11. Klasse G8)

Der Wertheimer Stadtpfarrer Karl Bär (1880-1968)

Dr. Monika Schaupp

Vorbemerkung

Im Stadtarchiv Wertheim wird auch der Nachlass des katholischen Stadtpfarrers und Ehrenbürgers Karl Bär verwahrt. Als offenkundiger Gegner des Nationalsozialismus war er während des Dritten Reiches zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. Sämtliche Archivalien dieser Unterrichtseinheit sind diesem Nachlass entnommen, sie finden sich unter der Signatur StAWt-S NL 20 Nr. 5.

Versuchte Versetzung Bärs 1934

Archivale 1: Ein "öffentliches Ärgernis" (Oktober 1933)

In der Zeitung "Der Franke", herausgegeben in Tauberbischofsheim, wird ausführlich über einen als Sabotageakt bezeichneten Vorfall berichtet, bei dem Pfarrer Bär einen ihn mit dem Hitlergruß grüßenden Schüler der Handelsschule wüst beschimpft haben soll. (Zeitungsartikel vom 12. Oktober 1933)

Archivalien 2 und 3: Zwei Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats an Pfarrer Bär (Juli / Dezember 1934)

In einem Schreiben vom 12. Juli 1934 regt das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg an, dass Pfarrer Bär sich zu einer Versetzung bereit erklären solle, was dieser mit der handschriftlichen Randbemerkung quittiert "Nein! Soll ich Feigling sein!". In einem zweiten Schreiben vom 3. Dezember 1934 gibt das Erzbischöfliche Ordinariat Pfarrer Bär sein Schreiben an den Minister des Kultus, des Unterrichts und der Justiz zur Kenntnis, in dem das Ordinariat erklärt, keine Veranlassung zu haben, weiter auf eine Versetzung Pfarrer Bärs hinzuwirken. Mit zu dem Sinneswandel beigetragen hat ein anliegendes Schreiben des Wertheimer katholischen Stiftungsrats, der Pfarrer Bär sein vollstes Vertrauen ausspricht und dessen Loyalität gegenüber der Regierung bezeugt.

Archivale 4: Durchsuchung der Wohnung Pfarrer Bärs (Juli 1934)

Die Landeskriminalpolizeistelle "Geheime Staatspolizei" in Mosbach bescheinigt Pfarrer Bär auf dessen Wunsch die (erfolglose) Durchsuchung seiner Wohnung nach politischen Schriftstücken am 23. Juli 1934.

Verleumdung durch Schüler (Vorfall am 8. Juli 1935)

Archivale 5: Zeitungsartikel über den Vorfall

Im Brennspiegel der "Volksjugend" (Führerverlag Karlsruhe) erscheint unter dem Titel "Pfarrer Bär und seine Juden" ein ausführlicher, in stark antijüdischem Tonfall gehaltener Artikel über einen erneuten Vorfall an der Wertheimer Gewerbeschule, bei dem Pfarrer Bär von Schülern beobachtet wurde, wie er nach einem Gespräch mit einem Wertheimer Juden diesem die Hand zum Gruß reicht. Die Schüler kommentieren das mit dem Ausruf "Pfui!". Pfarrer Bär zieht die Schüler anschließend zur Rechenschaft. Der Artikel hing monatelang öffentlich aus.

Archivale 6: Schreiben des Kreisleiters der NSDAP an Pfarrer Bär (Juli 1935)

Der Kreisleiter der NSDAP nimmt in seinem Schreiben an Pfarrer Bär vom 19. Juli 1935 Stellung zu dessen Brief, in dem dieser den Vorfall in der Wertheimer Gewerbeschule und die sich anschließende Untersuchung durch die NSDAP aus seiner Sicht schildert. Darüber hinaus geht er ausführlich auf das allgemeine Verhalten Bärs ein und erteilt ihm Ratschläge, auch als "Privatmann".

Archivale 7: Schreiben der HJ an das Erzbischöfliche Ordinariat (August 1935)

Die Hitlerjugend in Karlsruhe beschwert sich in einem Schreiben vom 12. August 1935 beim Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg über den Vorfall an der Wertheimer Gewerbeschule mit der Bitte, diesen "Fall rassischer Unsauberkeit" zu überprüfen und derartige Dinge abzustellen.

Archivale 8: Antwort des Erzbischöflichen Ordinariats an die HJ (Oktober 1935)

In dem Antwortschreiben des erzbischöflichen Ordinariats an die Hitlerjugend in Karlsruhe vom 16. Oktober 1935 ist auch die Stellungnahme Pfarrer Bärs zu dem Vorfall am 8. Juli 1935 in der Gewerbeschule enthalten.

Persönliche Anfeindungen

Archivale 9: Pfarrer Bär wird geehrt, aber nicht geduldet (September 1935)

Zwei Wertheimer Bürgerinnen geben ihr Gespräch am 23. September 1935 mit einem kurz darauf festgenommenen Waffenhändler zu Protokoll, in dem dieser zwar die großen Leistungen Pfarrer Bärs für Wertheim anerkennt, ihn aber wegen seines großen Einflusses auf die katholische Bevölkerung trotzdem versetzt sehen will.

Archivale 10: Schreiben Pfarrer Bärs an den Kreisleiter NSDAP (April 1940)

In seinem Schreiben an den Kreisleiter der NSDAP vom 17. April 1940 nimmt Pfarrer Bär Stellung zu dem gegen ihn gerichteten Vorwurf, durch Einkauf einer übergroßen Menge Heringe gegen die Volksgemeinschaft verstoßen zu haben.

Archivale 11: Beziehung zum Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg (Juli 1942)

In einem Schreiben an einen Dekan in Freiburg vom 13. Juli 1942 stellt Pfarrer Bär erneut Begebenheiten, die gegen seine Person nach Freiburg berichtet wurden, klar. Im Zentrum steht dabei ein Festgottesdienst am 11. Juli 1942, zu dem er lediglich als einfacher Gast, nicht jedoch als Konzelebrant eingeladen worden war. In diesem Zusammenhang beklagt sich Pfarrer Bär auch bitter über den geringen Rückhalt, den er aus Freiburg erfährt.

Indoktrination der Bevölkerung

Archivale 12: Geheimes Rundschreiben eines Jungbannführers zur Indoktrination der Bubenrudel (o.D., wohl 1936)

Der Führer des Jungbannes 306 gibt ausführliche geheime Anweisungen, wie der "Abwehrkampf gegen die Zersetzungsarbeit der katholischen Aktion" bei den Bubenrudeln besser geführt werden kann.

Archivale 13: Aktion der HJ gegen das Bibellesen (1936/1937)

Ein evangelischer Vikar aus Penzberg in Oberbayern nimmt am 12. Februar 1937 Stellung gegen einen Aushang im dortigen Schaukasten der Hitlerjugend vom 1. November 1936, in dem das Bibellesen verschmäht wird.

Archivale 14: Kulturelle Dienstgestaltung in der SA (Juli 1937)

In diesen Auszügen aus den Richtlinien für die kulturelle Dienstgestaltung in der SA vom 1. Juli 1937 werden Ratschläge gegeben zur Ersetzung christlicher Feiern, etwa bei Eheschließungen, Bestattungen, Weihnachts- und Sonnwendfeiern.

Archivale 15: Rede des Reichsbischofs in Wertheim (Januar 1938)

Auszug aus der Rede des Reichsbischofs in der Wertheimer Turnhalle vom 12. Januar 1938.