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Landesarchiv >> Staatsarchiv Wertheim >> Angebote für Schulen und Gruppen >> Angebote für Schulen: Lernort Archivverbund Main-Tauber >> Thema 1: Mittelalter mit Schwerpunkt Leibeigenschaft (6. Klasse G8)

Thema 1: Mittelalter mit Schwerpunkt Leibeigenschaft (6. Klasse G8)

Dr. Monika Schaupp

Vorbemerkungen

Es ist natürlich kaum möglich, mittelalterliche Quellen mit Schülern dieser Jahrgangsstufe im Original zu lesen und den Inhalt selbständig interpretieren zu lassen. Deshalb wird in diesem Fall bisher vom Grundschema abgewichen und stattdessen eine Erlebnisführung angeboten, in der die Schüler in besonders hohem Maße einbezogen werden. Hier kommen auch der sinnliche Aspekt und das haptische Erlebnis nicht zu kurz - die Schüler dürfen beispielsweise Pergament anfassen und das Gewicht eines Protokollbandes schätzen. Um ein möglichst vielfältiges Material vorstellen zu können, wird allerdings auch die Grenze zur Frühen Neuzeit überschritten.

Einen Schwerpunkt während der Führung bildet das Thema Leibeigenschaft, auf das in einigen Archivalien besonders eingegangen wird. Als thematisches Lernziel soll vermittelt werden, dass Leibeigenschaft im Mittelalter zunächst einmal neutral zu bewerten ist und vom Grundsatzgedanken her keine Ausbeutung bedeuten musste, was diejenigen Schüler, die von diesem Thema schon etwas gehört haben, meistens damit verbinden. Vielmehr wird das gegenseitige Verhältnis zwischen Herrn und Leibeigenem herausgearbeitet: Für militärischen und juristischen Schutz durch den Herrn wurden als Gegenleistung Abgaben gezahlt. Es entstand dabei eine persönliche Abhängigkeit, die von einer Bindung an Grund und Boden zu unterscheiden ist. Anhand der Archivalien wird auch deutlich, dass Leibeigenschaft nicht eine auf den Bauernstand beschränkte Rechtsform war.

Archivale 1: Pergamenturkunde vom 24. Juni 1368

Der Münzmeister zu Wertheim und seine Ehefrau begeben sich in die Leibeigenschaft des Grafen Eberhard von Wertheim. Die anhängenden Wachssiegel sind leidlich erhalten, gut erkennbar ist das Wertheimer Stadtsiegel. Da es mit dem heutigen Wertheimer Wappenbild identisch ist, wird es von den Schülern sofort erkannt. Dies bietet Gelegenheit, auch auf das Thema Wappen als Erkennungszeichen im Mittelalter und heute einzugehen. (Vorlage: StAWt-G Lade V D 2)

Archivale 2: Freiheitsbrief für Margarethe Seybold vom 13. März 1609

Der Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikard von Mainz entlässt Margarethe Seybold aus Bürgstadt, die sich mit Philipp Braunwarth aus Freudenberg verheiraten will, aus der Leibeigenschaft unter dem Vorbehalt, dass sie bei einer Rückkehr in mainzisches Gebiet wieder leibeigen wird. (Papierurkunde mit einem Sekretsiegel; Vorlage: StAWt-K G 20 U 190)

Archivale 3: Statutenbuch der Stadt Wertheim (1555-1568)

Das Statutenbuch der Stadt Wertheim aus der Mitte des 16. Jahrhunderts enthält u. a. auch die Regeln vom 19. Februar 1563 für den Wechsel der Leibeigenschaft ursprünglich Wertheimer Leibeigener in Königheim, die in andere Herrschaftsgebiete einheiraten. Es enthält daneben eine Vielzahl verschiedener Ordnungen wie beispielsweise Handwerks-, Arbeits-, Hochzeits- sowie Rügordnungen, Bürgermeister-Kalender und Abschriften wichtiger Schreiben. Nicht nur für Schüler schön anzuschauen sind die Skizzen auf p. 30- und p. 31, die einen Handschlag und eine Schwörhand abbilden und als Handlungsanweisungen zu der auf p. 29-31 wiedergegebenen Bürgeraufnahmeordnung zu verstehen sind. Der Band bietet auch Gelegenheit, auf das Thema Recycling in früheren Jahrhunderten einzugehen, da er in eine kolorierte, mit verzierten Initialen versehene lateinische Pergamenthandschrift eingebunden ist. (Vorlage: StAWt-S B 7)

Archivale 4: Papsturkunde vom 4. Mai 1259

Papst Alexander IV. bestätigt alle Privilegien, Gnaden und Freiheiten des Zisterzienserordens.

Anhand der für Papsturkunden typischen Bleibulle an rot-gelber Seidenschnur wird hier auf die unterschiedlichen Arten der Besiegelung eingegangen. Der Papstname Alexander ist von den Schülern leicht zu entziffern. Auch der Beschreibstoff Pergament und die typischen Merkmale einer mittelalterlichen Urkunde kommen spätestens hier zur Sprache. (StAWt-R US 1259 Mai 4)

Archivale 5: Pergamenturkunde vom 26. April 1357

Graf Eberhard von Wertheim teilt die Burg Breuberg.

Der Anfangsbuchstabe W vom ersten Wort "Wir" ist von den Schülern auf Aufforderung immer lesbar, so angestachelt werden auch schnell weitere Worte entziffert, etwa "Wertheim". Damit wird den Schülern klar, dass es sich bei Urkunden nicht nur um sehr alte, wertvolle und schön geschriebene Schriftstücke handelt, sondern dass man diese mit etwas Mühe und Einarbeitung auch entziffern kann. (Vorlage: StAWt-R US 1357 April 26)

Archivale 6: Geleitkarte zwischen Bürgstadt und Wertheim (1593)

Die am Main gelegenen Orte werden von den Schülern anhand einiger markanter Gebäude und Geländemerkmale rasch identifiziert. Die 160 cm lange, aber nur 30 cm breite Karte stellt den Main ohne Flusskrümmungen dar, die Gegebenheiten auf den Flussufern sind so gezeichnet, als würde der Betrachter in der Flussmitte stehen. Diese Besonderheiten leiten die Schüler schnell auf die Frage nach dem Zweck der Karte, die nicht in einer korrekten Wiedergabe des Flussverlaufs liegen kann. (Vorlage: StAWt-R K 5950)

Archivale 7: Kerbhölzer (16. Jahrhundert)

Der Archivverbund verfügt über eine große Anzahl von Kerbhölzern, deren Bedeutung und Funktionsweise sich die Schüler anhand einiger Original-Hölzer erarbeiten. (Vorlage: StAWt-A 91)

Archivale 8: Bede-Lagerbuch (1662-1687)

Verzeichnis der Grundstücksbesitzer mit Angabe ihres Besitzes und der dafür zu entrichtenden Steuer (mit Personenregister). Im Namensregister tauchen mit großer Wahrscheinlichkeit Nachnamen der Schüler auf. Bei dem Lagerbuch handelt es sich um einen großformatigen und gewichtigen Band von 8 kg. Die Schüler dürfen den Band hochheben, sein Gewicht schätzen und dann anhand einer Waage überprüfen. (Vorlage: StAWt-S B 81)

Lernzielkontrolle

Anstatt einer eigenen Quellenarbeit der Schüler wird im Anschluss an die Erlebnisführung ein Quiz veranstaltet, in dem wesentliche Elemente der Führung wiederholt und so vertieft werden. Dabei erhalten jeweils zwei bis drei Schüler einen Fragebogen, den diese gemeinsam ausfüllen.

Quellenarbeit

Abschließend basteln die Schüler selbst eine Quelle. Hier kann zwischen einer Siegelurkunde oder einem Wappen gewählt werden, wobei die Alternative im Vorfeld mit der Lehrkraft abgesprochen wird. Mit der Siegelurkunde bestätigt die derzeitige Leiterin des Archivs dem jeweiligen Schüler, dass er sich wohl verhalten und die Schätze des Archivs kennen gelernt habe. Der vorgedruckte Text, der urkundentypisch nur aus einem langen Satz plus Datumsangabe besteht, wird gemeinsam besprochen und durch den jeweiligen Schülernamen, seinen Wohnort sowie das Datum nach dem Heiligenkalender, der an dieser Stelle erklärt wird, ergänzt. Mit Bastelmasse und bunten Wollfäden wird zuletzt ein Siegel angehängt.