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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> O-Töne eines Kidnappers - Vor fünfzig Jahren: erste Kindesentführung in Deutschland

O-Töne eines Kidnappers - Vor fünfzig Jahren: erste Kindesentführung in Deutschland

Akten und Tondokumente im Staatsarchiv Ludwigsburg

15.4.2008


Vor fünfzig Jahren erschütterte ein spektakulärer Kriminalfall die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart. Erstmals überhaupt sah sich die Polizei in Deutschland mit einer Kindesentführung konfrontiert und musste Jagd auf den Erpresser machen.

Die Geschichte selbst ist rasch erzählt: Am 15. April 1958 hatte der Gärtner Emil Tillmann den siebenjährigen Joachim Goehner aus Stuttgart-Degerloch auf einem Fahrrad entführt und anschließend in einem nahegelegenen Waldstück umgebracht. Tillmann wollte heiraten und benötigte dafür eine größere Summe Geld. Von den Eltern des Jungen - der Vater hatte als Textilvertreter vom Wirtschaftsaufschwung der fünfziger Jahre profitiert - verlangte er deshalb brieflich und telefonisch ein Lösegeld von 15000 Mark - eine stattliche Summe für damalige Verhältnisse.

Fahrrad des Täters


Die Eltern informierten die Polizei zunächst über das Verschwinden des Kindes, später auch über die Erpressung. Erste Suchmeldungen folgten; die Fahndung nach dem Erpresser wurde unter strenger Geheimhaltung aufgenommen. Eine Woche nach dem Verschwinden des Jungen wurde dessen Leiche in einem Waldstück bei Degerloch gefunden. Nun setzte eine fieberhafte Fahndung nach dem Mörder ein, in die nicht zuletzt auf Druck der örtlichen Presse erstmals auch in großem Stile die Bevölkerung einbezogen wurde. Anfang Mai wurden von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft über den Rundfunk Fahndungsaufrufe mit einer Tonbandaufzeichnung eines Telefonats des Erpressers ausgestrahlt. Überdies wurde eine beträchtliche Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führten, ausgesetzt. Die Presse berichtete zudem in großem Stil über den Fortgang der Ermittlungen.

Tatsächlich erkannten nach der Ausstrahlung des Fahnungsaufrufs mehrere Personen die Stimme des Täters. Am 6. Mai wurde Emil Tillmann festgenommen; nach mehrtägigen Verhören, die auf Tillmanns Wunsch mit dem Tonband aufgezeichnet wurden, legte dieser schließlich am 12. Mai ein Geständnis ab. Wenige Tage später beging er in seiner Zelle Selbstmord.

Schriftprotokoll des mitgeschnittenen Geständnisses von Emil Tillmann vom 12. Mai 1958


Der Entführungsfall Goehner ist in die Kriminalgeschichte eingegangen und bildete auch die Vorlage für einen Fernseh-Krimi (Rehe, 1964) in der Serie "Stahlnetz". Wie in einem Brennspiegel lassen sich am Geschehen um die Entführung die gewandelten gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland Ende der fünfziger Jahre ablesen.

Die im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren entstandenen Akten der Stuttgarter Kriminalpolizei (Bestand EL 51/3 Bü 179) und der dortigen Staatsanwaltschaft (Bestand EL 317 V Bü 71), die neben den Verhörprotokollen, einer Lichtbildmappe und der Pressedokumentation auch die während der Verhöre des Täters angefertigten Tonbandmitschnitte (Bestand EL 51/3 D 070087/101-103) enthalten, sind vor kurzem an das Staatsarchiv Ludwigsburg abgegeben worden und können dort im Rahmen der archivgesetzlichen Bestimmungen eingesehen werden. Sie geben nicht nur minutiös über den Verlauf der Fahndung Auskunft, sondern ermöglichen auch detaillierte Einblicke in die Alltagswelt unterschiedlicher sozialer Milieus während der Wirtschaftswunderjahre.