»Neugier war mein Job«
Landespolitik und Zeitgeschehen in Pressebildern von Burghard Hüdig

Mehrseitiger Artikel

Der schwimmende Bundeskanzler

Ausstellung Burghard Hüdig: Kurzgeschichte Bundeskanzler - Kiesinger schwimmt im Schleinsee
Bundeskanzler Kiesinger badet im Schleinsee bei Kressbronn am Bodensee. 1. September 1967
(LABW, HStAS Q 2/50 Nr. 3190-57 u. -11)

Aus einer Laune heraus stellte Arno F. Henseler, der Chef der SDR-Landesschau, im Hochsommer 1967 Burghard Hüdig auf eine Probe. Journalistisch herrschte saure Gurkenzeit. Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verbrachte seinen Urlaub am Bodensee. Da meinte Henseler: Wenn Du es schaffst, den Bundeskanzler im See schwimmend zu fotografieren, bist Du der Größte!

Ohne lange zu zögern, fuhr Hüdig nach Kressbronn, um dort zu erfahren, dass Kiesinger im Gasthof "Rad" in Tettnang gerade zu Mittag esse. Eilends machte er sich auf den Weg. Vor dem Lokal stand ein Dorfpolizist mit seinem Fahrzeug, einem dunkelgrünen VW-Käfer. Begleitet von einem Freund und zwei Leibwächtern verließ Kiesinger kurz darauf das Restaurant. Gut gelaunt erblickte er den Reporter, der ihm aus seiner Zeit als Ministerpräsident bekannt war, und fragte: Was macht denn der Hüdig hier? Das ihm vorgetragene Ansinnen empfand er als Zumutung, er sei doch nicht Mao Tse-tung, der schwimmend den Jangtse durchquert hatte. Stattdessen lud er Hüdig ins Ferienhaus ein, um dort ein paar Aufnahmen zu machen. Das beharrliche Drängen hatte aber schließlich Erfolg. Kiesinger ließ sich für ein heimliches Fotoshooting im nahen Schleinsee erweichen.