Briefe und Quellen: Außergewöhnliche Einblicke

 

"Margaret Hertzogin von Savoy und Gräfin zu Wirtemberg" (nicht eigenhändige Unterschrift). Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart haben sich ungefähr 150 von und an Margarethe von Savoyen (1420-1479) geschriebene Briefe in verschiedenen Sprachen über sechs Jahrhunderte lang erhalten. Erstmals wurden sie jetzt systematisch gesichtet und ermöglichen die Annäherung an eine beeindruckende Persönlichkeit und ihre Zeit. In der Ausstellung werden ausgewählte Briefe - angereichert mit zeitgenössischen Quellen und Objekten - präsentiert und geben einen vielfarbigen und authentischen Einblick in Margarethes Leben und höfisches Umfeld.

 

Brief des Herzog Ludwig I. von Savoyen, an Margarethe von Savoyen, Gräfin von Württemberg: Mitgift pfälzische Ehe, Einsiedeln (Chambéry, [1456-1462] Februar 2)

Brief des Herzog Ludwig I. von Savoyen

(HStAS A 602 Nr. 260, Bl. 39)

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A m[a] tre[s] chiere et tres amee suer, la contesse de VVirtemberg.
Tres chiere et tres amee suer. J'ay receu voz gracieuses lettres par lesquelles m'escrives du bon estat de mon estat de mon tres chier et tres amé frere de VVirtemberg, aussy de vous dont j'ay eu singuliere consolacion et joye. Et pour ce que je say que desires savoir de l'estat de par de ça, savoir vous plaise que moy, ma tres chiere et tres amee compaigne et tout l'ostel sumes en tres bon point, la grace nostre seigneur qui le semblable continuelment vous oultroye. En oultre mon bien amé et feal François Malet m'a rapourté aucunes choses a ly chargees par vous me dire de votre part. [...] D'aultre part par vos dictes lettres me signifies questes entencionee de rendre votre vouaige a Notre Dame des Heremites et dilec venir veoir de par de ça, de quoy, tres chiere et tres amee suer, j'ay tres grant plaisir et parfaitt joye. Sy en escry a mon dit frere de VVirtemberg, lequel comme je tien pour vray pour amour et contemplacion de moy vous dourra voulentiers licence de venir, ledit François vous pourra rapourter plus a plein mon vouloir sur les aultres choses, lesquelles il m'a dit de votre part, priant que a ses rapours vueilliez donner plaine foy et creance. Et me signifier se chose voulés que je puisse pour l'afere de tres bon cuer a l'aide du benoit saint espit, tres chiere et tres amee suer, qui vous ait en sa sainte garde et doint tres bonne vie et longue. Escript a Chambery le xve jour de février.
Votre frere, le duc de Savoye, Loys.

(Transkription: Anja Thaller)
An meine teuerste und liebste Schwester, die Gräfin von Württemberg.
Teuerste und liebste Schwester. Ich habe Eure freundlichen Briefe erhalten, in welchen Ihr mir vom guten Zustand und Wohlbefinden meines teuersten und liebsten Bruders von Württemberg wie auch von Euch schreibt, was mir besonderen Trost und Freude verschaffte. Und da ich weiß, dass Ihr wünscht, über den Zustand meines Hauses etwas zu erfahren, wisst gerne, dass ich, meine teuerste und liebste Lebensgefährtin und das ganze Haus wohlauf sind, durch die Gnade unseres Herrn, der sie Euch gleichermaßen erweist. Des Weiteren hat mein sehr lieber und loyaler Francois Malet berichtet, dass Ihr ihm nichts anderes hinterlassen habt, was Ihr mir sagen wollt. [...] Anderweitig berichtet Ihr mir in Eurem Brief von der Reise, die Ihr plant, um Unsere liebe Frau von Einsiedeln zu besuchen und dass ihr auch wünscht, hierher zu kommen. Es ist mir, meine teuerste und liebeste Schwester, eine große Freude, an meinen Bruder aus Württemberg zu schreiben, für den ich viel Liebe und Gedenken habe, damit er Euch die freie Erlaubnis gibt, uns besuchen zu kommen. Der genannte Francois kann Euch noch mehr berichten von meiner Entscheidung zu den anderen Dingen, die er mir von Euch berichtet hat, betend, dass Ihr seinen Berichten volles Vertrauen schenkt. Und sagt mir bitte, wenn es etxas gibt, was ich für Euch tun kann, das würde ich aus gutem Herzen machen mithilfe des Heiligen Geistes, auf dass er Euch, teuerste und liebste Schwester, in seinen heiligen Schutz nimmt und Euch auch ein sehr gutes und langes Leben beschert. Geschrieben in Chambéry am 15. Tag des Monats Februar.
Euer Bruder, der Herzog von Savoyen, Ludwig.

(Übersetzung: Elodie Platteel)

 

Brief der Margarethe von Savoyen, Gräfin von Württemberg, an Maria von Savoyen (Stuttgart, 8.9.1465)

Brief der Margarethe von Savoyen

(HStAS A 602 Nr. 260, Bl. 35)

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Tres chiere et tres amee suer. Je moy recomande ad vous si tres cordialemant plus au monde puis pour ce que l'on a ma dit am cest paix, que avies estee et estoies mal desponsee de votre persone, dont ce seroit le plus grant des plaisir, que je parusse avoir au monde. Je [v]ous envoye mon bon et feal servitour Fransoys Malet pour moy apourter toutes bonnes novelles de votre bonne saincté et prosperité, que dieu pour sa saintte grace vous y vulliet manteni[r] et ne sceray jamaix am bon repons jusque ledit F. Malet soit retournes arier. Du traspassement de nostre tres chier et tres amé frere, dont dieu ait l'ame, la grant doulour et grant desplaisir, que j'ay heu et hay vous le pavez savoir, quart vous et moy n'avon plus nul frere que vous et moy. Tres chiere et tres amee suer, je vous prie que vullies croyre lesdit Fransoys Malet de seut qu'il vous diraz de ma part comant moy mesme, se je scoye avecque vous, quart c'est celui du quel je moy plus confie, quart il scet tout mon fait. Tres chiere et tres amee suer, je prie le benoit fil de dieu que il vous doint bonne saincté et toute bonne prosperité. Escript ad Stutgarten le viii jour du moys de septembre l'an lxvo.

(Transkription: Anja Thaller)

Teuerste und liebste Schwester.
Ich empfehle mich Euch allerherzlichst. Mir wurde gesagt – und es ist beunruhigend – dass Ihr unpässlich wart und seid, was mir den größten Kummer bereitet, den ich auf Erden haben kann. Deshalb habe ich Euch meinen guten und treuen Diener Francois Malet geschickt, um mir von jeder guten Neuigkeit von Eurer Gesundheit und Eurem guten Zustand zu berichten – Gott möge diese bei Euch in seiner heiligen Gnade aufrechterhalten – und ich werde nie Ruhe finden, bis der besagte F. Malet zu mir zurückkommt. Ich hatte und habe so großen Schmerz und Kummer durch den Tod unseres lieben und vielgeliebten Bruders – dessen Seele beim Herrn ist – das wisst Ihr wohl, weil Ihr und ich keine Geschwister mehr übrig haben als uns selbst. Teuerste und liebste Schwester, ich bitte Euch, dem besagten Francois Malet zu glauben, was er sagt, als wäre es von mir, als wäre ich bei Euch, denn er ist derjenige, dem ich mich am meisten anvertraue, denn er weiß alles über mein Schicksal. Teuerste und liebste Schwester, ich bitte den ruhmreichen Sohn Gottes, dass er Euch gute Gesundheit und Wohlstand gibt. Geschrieben in Stuttgart am 8. Tag des Monats September im Jahre 1465.

(Übersetzung: Elodie Platteel)

 

Eintrag im Zeller Bruderschaftsbuch: Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz und seine Frau Margarethe stiften anlässlich ihrer Wallfahrt zum hl. Philipp nach Zell im Jahr 1447 Baumaterial sowie 20 fl. Zum Ausbau der Kirche.

Eintrag im Zeller Bruderschaftsbuch:

Zeller Bruderschaftsbuch , 15. Jahrhundert 1447 September 13 Pergamentband, 28,5 x 19 cm BSB München, Clm 1056, fol. 6v

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Anno domini mccccxlseptimo quarta ante exaltationis sancte crucis. Illustrissimus dominus dux Ludwicus Palentinus sacri imperii archidapifer, filius predicti domini Ludwici, et illustrissima domina Margareta de Subaudia conthoralis eius cum suis famulis et famulabus in numero circiter vel ultra lx causa peregrinationis visitaverunt hunc locum in honorem sancti Philippi confessoris Dei et fecerunt et mandarunt fieri quasdam vecturas ad fabricum et dederunt ad fabricam in promptis et in auro xx flor. Propterea constituti et inscripti sunt ad fraternitatem sancti Philippi confessoris Dei. Item dederunt unam casulam fuscam et unam cappam rubeam cum puero deaurato. Item dederunt pastoriam in Wattenheim…

(Transkription: Anja Thaller)
Im Jahre des Herrn 1447, vier Tage vor der Erhöhung des Heiligen Kreuzes [13. September]. Der hervorragende Herr Herzog Ludwig von der Pfalz, Erztruchsess des Heiligen Reiches, Sohn des vorgenannten Herrn Ludwigs, und die hervorragende Herrin Margarethe von Savoyen, seine Ehefrau, haben mit ungefähr 60 oder mehr ihrer Diener und Dienerinnen aufgrund einer Pilgerfahrt diesen Ort zu Ehren des heiligen Gottesbekenners Philipp [St. Philipp in Zell] besucht. Sie haben angeordnet, einige Fuhren zum Kirchenbau zu leisten und dem Kirchenbau sofort und in Gold 20 Gulden gegeben. Deshalb sind sie zur Bruderschaft des heiligen Gottesbekenners Philipp zugelassen und eingeschrieben worden. Ebenso gaben sie eine dunkle Kasel und einen roten Mantel mit einem vergoldeten Kindlein. Gleichfalls vermachten sie die Pfarre in Wattenheim.

(Übersetzung: Anja Thaller)