Ende des Zweiten Weltkriegs in Baden, Württemberg und Hohenzollern

Dieser Rechercheratgeber soll Ihnen helfen, konkret über das Kriegsende in einer bestimmten Gegend in Baden-Württemberg zu forschen oder kennenzulernen, wie diese Zeit im Land in verschiedenen Lebensbereichen verlief. Für die darauffolgende Besatzungszeit bis 1949 soll ein anderer Rechercheratgeber entstehen.

Haben Sie Anregungen zur Erweiterung des Ratgebers? Sie können dazu gern mit uns Kontakt aufnehmen.

Der Ratgeber besteht aus zwei Hauptteilen, die jeweils in der gleichen Weise untergliedert sind. In Abschnitt I werden die bereits online abrufbaren Unterlagen aufgelistet. Dies sind Stand 2020 nur 1-2 Prozent unserer Gesamtbestands. In Abschnitt II wird erklärt, wie Sie die restlichen 98 Prozent Papierarchivalien finden, die sie im Lesesaal oder als digitale Kopie einsehen können.

Beide Abschnitte sind gegliedert in a) landesweite ortsbezogene Sammlungen, b) themenorientierte Zugänge und c) Anregungen zur Recherche in anderen Archiven. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir für den letzten Teil keine Vollständigkeit anstreben. Es gibt aber viele leistungsfähige Archive im Land, die Ihnen auch gern weiterhelfen.

Die Bestände sind mit den Kürzeln unserer Abteilungen ausgestattet. HStAS (Hauptstaatsarchiv Stuttgart), HZAN (Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein), StAF (Staatsarchiv Freiburg), StAL (Staatsarchiv Ludwigsburg), StAS (Staatsarchiv Signaringen), StAWt (Staatsarchiv Wertheim).

I.a) Online verfügbare Archivalien über jede Region

Über sehr viele Orte landesweit können Sie im Bestand HStAS J 170 Berichte über die Zustände zwischen Januar und Sommer 1945 oder zumindest konkrete Aufstellungen der Kriegsschäden einsehen. Die Überlieferung ist besonders ausführlich für Nordwürttemberg und den Landkreis Balingen; im übrigen sind die Berichte unterschiedlich dicht überliefert, auch in Abhängigkeit davon, wie intensiv die Kampfhandlungen verliefen. Wenn Sie aufmerksam lesen und wichtige Personen und andere Sachverhalte notieren, können Sie von diesen Unterlagen aus weiterarbeiten.

Wenn Sie zu einem Ort nicht viel finden, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den Nachbarort. Ein Beispiel? Für den Ort Simmringen nahe der fränkischen Grenze bei Bad Mergentheim finden Sie in HStAS J 170 Bü 12 nur ein Blatt über die Kampfhandlungen. Sie erfahren über Simmringen aber auch einiges, wenn Sie in den viel längeren Bericht über Bernsfelden hineinschauen.

Im Bestand StAL EL 20/1 VI finden Sie in den Kriegsgräberlisten Informationen über jede Person, die nach dem Ende der Kampfhandlungen auf dem Gebiet des Landes beigesetzt wurde. Die Listen enthalten auch andere Gefallene der beiden Weltkriege, weshalb die Toten des Jahres 1945 erst am Ende der Listen zu finden sind. Benutzen Sie die Blätterfunktion, die auch einen Knopf anbietet, um auf die letzte Seite der Liste zu springen.

Vereinzelt und vor allem für Südwürttemberg kann es Ihnen gelingen, über die beteiligten Persönlichkeiten aus dem jeweiligen Ort weitere Informationen zu erlangen, denn für diesen Landesteil sind zumindest die Urteile zur Entnazifizierung mit kurzer Begründung online verfügbar (StAS Wü 13 T 2).

I.b) Online verfügbare themenorientierte Unterlagen

Das Kriegsende können Sie auch im Hinblick auf bestimmte Themen beleuchten. Auf unseren Online-Plattformen finden Sie dazu aber nicht flächendeckend zu jedem Ort etwas. Wenn Sie dagegen auch in den Papierunterlagen (II.a) nachsehen können, bestehen bessere Möglichkeiten, für Ihre Region neue Erkenntnisse zu finden.

Die letzten Kriegsmonate

Während die feindlichen Truppen sich den Reichsgrenzen näherten, suchte die NS-Führung die Disziplin mit teils drakonischen Strafen auch bei kleinsten Regelverstößen aufrecht zu erhalten. Die gesetzlichen Grundlagen waren im wirtschaftlichen Bereich unter anderem die Volksschädlingsverordnung und im politischen Strafrecht das Heimtückegesetz. Einige entsprechende Akten des Sondergerichts Freiburg aus Südbaden sind online verfügbar (z.B. StAF A 47/1 Nr. 2387 und StAF A 47/1 Nr 2423).

Schulen waren von den Großstädten auf das Land, teils viele hundert Kilometer entfernt, ausgelagert worden, zum Beispiel von Duisburg nach Bad Mergentheim (StAL E 202 Bü 1744).

Soldaten und Zivilpersonen mussten in den letzten Kriegswochen ständig mit Angriffen durch Jagdbomber rechnen. Nachdem der Luftkrieg seit 1942 vor allem Industriezentren und Großstädte getroffen hatte, traf es in den letzten Monaten auch Kleinstädte. In StAF A 96/1 Nr. 1698 wird über über die Zerstörung des Landratsamts in Donaueschingen berichtet.

Welchen Aufgaben die Polizei in den letzten Wochen der NS-Herrschaft nachging, lässt sich in den Kommando-Tagesbefehlen für Stuttgart 1945 (StAL EL 51/1 II c) nachlesen. Beispielhaft für den brutalen Fanatismus mancher NS-Funktionäre waren die Vorgänge in Brettheim bei Schwäbisch Hall (HStAS J 170 Bü 4), die mit der Zerstörung von drei Vierteln des Dorfes endeten.

Das große Aufräumen in unsicheren Zeiten

Der Frühsommer 1945 war ungewöhnlich mild, aber den Menschen blieb selten Gelegenheit, das zu genießen. Nach dem Einmarsch der Amerikaner und Franzosen war die öffentliche Ordnung für einige Zeit nicht mehr gegeben und stellte sich nur schrittweise wieder ein. Vereinzelt kam es zu Plünderungen durch die Besatzungstruppen, überall aber plünderten ehemalige Zwangsarbeiter, die zuvor unter schlechten Lebensbedingungen gelitten hatten. Die Besatzungsmacht beschlagnahmte bei Privatpersonen Gegenstände und Wohnraum. In diesen Wochen blieb wenig Zeit, Anträge zu schreiben oder Akten zu führen. Die von Frauen erlebte Gewalt beispielsweise ist im Landesarchiv selten in eigenen Erlebnisberichten, sondern eher in den erst Monate später verschriftlichten Berichten der Ärzte überliefert (StAF A 96/1 Nr. 1073).

Die Verkehrswege waren zerstört und wurden mühsam wiederhergestellt, wie zum Beispiel in den Fotosammlungen StAL K 414 I Nr 71 oder StAL EL 75 VI a Nr 6216 ersichtlich.

I.c) Online verfügbare Bestände in anderen Archiven und Bibliotheken

Den Verlauf der Kampfhandlungen hat der Historische Atlas für Baden-Württemberg von der Kommission für geschichtliche Landeskunde nachgezeichnet. Die Karte ist im Kartenmodul von LEO-BW vorhanden, dazu gibt es einen Aufsatz von Günter Cordes.

Auch die Verwaltungsgrenzen der damaligen Zeit und das Ausmaß der Kriegsschäden zwischen 1939 und 1945 sind mit Erläuterungen kartographisch erfasst.

Aus der zeitgenössischen Perspektive der US-Truppen lässt sich in dem Flugblatt „Newsmap“ gut sehen, wie sich der Frontverlauf in Europa nach Osten verschob (NARA 26-NM, bereitgestellt von der National Archives and Records Administration in Washington).

Die Bundesanstalt für Wasserbau hält zahlreiche Fotos über kriegszerstörte Wasserstraßen in Baden- und Württemberg vor.

Auch die übergreifende Suchfunktion der Deutschen Digitalen Bibliothek bietet Ressourcen. Auch dort müssen Sie die Suche zeitlich einschränken.

II.a) Papier-Archivalien über beliebige Orte und Themen

Kommen wir zu den 98 Prozent der Unterlagen, die 2020 noch nicht im Internet verfügbar sind. Die Titel unserer Akten und Fotos über das Kriegsende sind zu großen Teilen in einer Datenbank erschlossen. Es handelt sich um viele 100.000 Einheiten, weshalb Sie Ihre Suche stets eingrenzen müssen.

Sie haben keine Möglichkeit, in die Lesesäle zu kommen? Sie können gegen eine Gebühr in den meisten Fällen digitale Kopien bestellen.

Allerweltsnamen von Orten und Personen können viel zu viele Treffer hervorrufen. Wenn Sie damit Probleme haben, helfen wir weiter, um eine Lösung zu finden.

Für eine wirklich gründliche Suche müssen wir auch in papierne Karteien und Findmittel schauen. Deshalb nehmen Sie, wenn es auf Gründlichkeit und nicht auf Schnelligkeit ankommt, mit uns Kontakt auf.

In der folgenden Tabelle finden Sie zu verschiedenen Themenbereichen a) die passenden Suchbegriffe, um entsprechende Archivalien zu finden und b) Verweise auf die Unterlagen einiger Behörden und Gerichte, die im Kontext besonders brauchbar sind. Wenn Sie selbst suchen, sollten Sie stets die Erweiterte Suche verwenden, um den Zeitraum einzugrenzen.

Themenbereich

Suchbegriffe, konkrete Bestände

Innere Sicherheit a) Zeitfelder: 1944-1948, Suchtext: [Ortsname] kombiniert mit Kriegssonderstrafrecht, Kriegswirtschaft*, Wehrkraftzersetzung, Volksschädlings*, Heimtücke*, Standrecht*, Polizei, Gendarm*, Plünder*, Ausschreit*
Personen und ihre Rolle a) Zeitfelder: 1945-1951, Suchtext: [Vorname], [Nachname], evtl. Geburtsort
Besatzungstruppen a) Zeitfelder: 1944-1947, Suchtext: [Ortsname] kombiniert mit Beschlagnahme, Requisition, Einquartierung, Truppe, Entschädig*
b) StAF D 5/1 Entschädigungsgericht Freiburg, HStAS EA 2/303 Landespolizeipräsidium
Versorgung und Ernährung a) Zeitfelder: 1944-1945, Suchtext: [Ortsname] kombiniert mit Getreide, Ernährung, Versorgung, Brenn*
Kriegsschäden a) Zeitfelder: 1944-1946, Suchtext: [Ortsname] kombiniert mit Bombe*, Schade*, schädi*, Flieger*, Brücke*
b) GLAK 236 Badisches Innenministerium
Schule a) Zeitfelder: 1944-1946, Suchtext: [Ortsname] kombiniert mit Schul*, Lehr*, Unterricht*
Zeitzeugenberichte a) Diese Strategie verheißt hier wenig Ergebnisse.
b) HStAS J 175, Wettbewerb "Ältere Menschen schreiben Geschichte"

Die Akten der Besatzungsbehörden beleuchten das Kriegsende aus der Rückschau. Von den US-Besatzungsbehörden (Office of Military Government, US Zone OMGUS) liegen die Papierakten, die in Washington lagern, auf Mikrofilmen vor, aber ohne Online-Erschließung (HStAS J 384, GLAK Q).

Für die französische Besatzungszone gibt es ein Quelleninventar, das Unterlagen deutscher Behörden widerspiegelt. Die Akten der französischen Besatzungsbehörden lagern in mehreren Beständen im Centre des Archives diplomatiques in La Courneuve bei Paris. Es gibt dazu ein Überblicksdokument für Recherchen in französischer Sprache.

II.c) Papierne Bestände in anderen Archiven, Bibliotheken und sonstigen Einrichtungen

Auch in anderen Archiven können Sie nach den oben angegeben Themen suchen. Viele haben Online-Kataloge, andere können Sie mit einer E-Mail um Rückmeldungen bitten.

Eine Übersicht für Baden-Württemberg finden Sie auf www.archive-bw.de.

Viele Zeitzeugenerinnerungen finden sich im Deutschen Tagebucharchiv, das einen Online-Katalog bereithält.

Einige örtliche Büchereien, vor allem aber die Landes- und Universitätsbibliotheken halten noch Bücher aus den Jahren 1944 bis 1947 vor. Diese finden Sie landesweit durch entsprechende Suche auf dem übergreifenden Bibliothekskatalog SWB.