Landeswappen Baden-Württemberg

Aktuelle Hinweise

Ausstellungen

Veranstaltungen

Presse/Berichte

Neue Publikationen

Laufende Projekte

Nachrichtenarchiv

Unser Selbstverständnis

Landesarchiv

Aufgaben und Dienstleistungen

Rechtsgrundlagen

Organisation

Ansprechpartner/innen

Projekte

Jahresberichte

Publikationen

Ausbildung

Vergabeverfahren

Stellenausschreibungen

Wie nutzen Sie das Landesarchiv?

Was finden Sie wo?

Erste Zugänge

Angebote für Schulen und Gruppen

Nutzung gesperrter Archivalien

Arbeitshilfen und Dienstbibliotheken

Rechtsgrundlagen und Formulare

Öffnungszeiten

Präsentationen und Inventare

Württembergisches Urkundenbuch Online

Auswanderung aus Südwestdeutschland

Klöster in Baden-Württemberg

Landesforschung und Landesbeschreibung

Quellen und Themen für den Unterricht

Aktenaussonderung

Elektronische Systeme

Historischer Wert

Ihr Landesarchiv

Ansprechpartner im Archiv

Rechtsgrundlagen

Übergabeverzeichnisse

Landesarchiv >> Staatsarchiv Sigmaringen >> Aktuelles der Abteilung >> Presse/Berichte >> Schrecken und Alltag deutscher Soldaten digitalisiert

Schrecken und Alltag deutscher Soldaten digitalisiert

90 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs

10.11.2008

"Totentanz", 1918 (Staatsarchiv Sigmaringen N 1/85 T 1 Nr. 3)
"Totentanz", 1918 (Staatsarchiv Sigmaringen N 1/85 T 1 Nr. 3)

>> Drei Sammlungen mit Feldpostkarten und Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg können sowohl im Internet als auch im Lesesaal des Archivs eingesehen werden.

In Kisten und Kartons voll mit kleinen Photoschachteln wurden jüngst auf dem Dachboden eines Sigmaringer Privathauses bei Dachdeckerarbeiten historisch bedeutsame Glasplattennegative des ehemaligen Photoateliers Kugler entdeckt. Unter anderem haben auch 400 bisher unbekannte Aufnahmen von der Westfront des Ersten Weltkriegs trotz Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Staub direkt unter den Dachschrägen die Zeiten überdauert. Nunmehr sind die Aufnahmen im Internetangebot des Staatsarchivs Sigmaringen unter den Beständen abrufbar, genauer im Online-Findbuch zum Bestand N 1/68.

Nachdem das Staatsarchiv Sigmaringen die Glasplatten übernommen hatte, gelang es dem Archivar Gebhard Füßler in mühevoller Kleinarbeit, durch Zusammensetzen einzelner Puzzlestücke an Informationen die Bilder weitgehend zu identifizieren. Er stellte fest, dass die Aufnahmen dem XIII. (Württembergischen) Armeekorps zuzuordnen sind.

Die Verwüstungen im Ort Le Mesnil, Kampfplatz in den beiden Sommeschlachten, der Sprengtrichter von St. Eloi, der zerschossene Argonnenwald, zerstörte Flugzeuge und erschöpfte Gefangene sowie gefallene Soldaten zeigen die Grauen des Stellungskrieges. Das Bild eines toten Schotten im Kilt mit entblößten Genitalien wurde aus Pietätsgründen allerdings nicht in das Internet eingestellt.

Angesichts der damaligen photographischen Möglichkeiten entstanden die meisten Aufnahmen selbstverständlich hinter der Front: ein Brieftaubenwagen der Nachrichtenabteilung, die Truppen beim Feldgottesdienst, beim Essenempfang und auf dem "Donnerbalken". Wer sich Läuse geholt hatte, musste entlaust werden. Sanitätsabteilungen sind mit Feldlazaretten, Verbandsplätzen, Sanitätsgebäuden und Verletztentransporten vertreten. Auch die photographische Abteilung hat sich bei der Arbeit selbst dokumentiert.

Einige Städte wurden abgelichtet, weil sie als Divisionsstabsquartier oder Ruhequartier ausgesucht worden waren. So sind Glasplatten von Gent mit der Kathedrale, dem Belfort und dem Wasserschloss sowie von markanten Bauwerken in Comines, Manancourt und Ecourt St. Quentin erhalten. Die gekippte Madonnenstatue auf der Turmspitze der durch Artilleriebeschuss zerstörten Kathedrale von Albert ragt als bizarres Fragezeichen in den Himmel.

Zur moralischen Erbauung seiner Kameraden reproduzierte der bis heute unbekannte Photograph auch pornographische Aufnahmen. Diese können allerdings nur im Lesesaal des Staatsarchivs, nicht im Internet eingesehen werden.

 

Nachdem die deutsche und internationale Presse über den Aufsehen erregenden Fund der Glasplatten-Negative aus dem Ersten Weltkrieg berichtet hatte, wurden dem Staatsarchiv Sigmaringen zwei weitere Sammlungen mit Postkarten und Fotografien von Privatleuten übergeben.

Viele der Postkarten haben den Zweck der Kriegspropaganda. Mit "Zu Straßburg auf der Schanz" und "Ich bin ein Deutscher" sind zwei der im Nachlass von Heinz Braun enthaltenen Kartenserien für Soldaten überschrieben. Einzelaufnahmen spiegeln den Alltag der Soldaten an der Front wider. Bei dem Nachlass Werner Rees handelt es sich um Aufnahmen aus Wolhynien und Nordfrankreich, die Etappenorte, Soldaten und Kriegszerstörungen zeigen.

Beutesammelstelle am Bahnhof bei Armentières, 1918(Staatsarchiv Sigmaringen N 1/89 T 1 Nr. 3)
Beutesammelstelle am Bahnhof bei Armentières, 1918 (Staatsarchiv Sigmaringen N 1/89 T 1 Nr. 3


Die beiden Sammlungen mit knapp 300 Aufnahmen wurden in den vergangenen Monaten von einer jungen Offiziersanwärterin der Bundeswehr verzeichnet. Fähnrich Sarah Bongermino studiert Geschichte an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und absolvierte im Staatsarchiv Sigmaringen ein mehrwöchiges Praktikum. Bei der Erschließung konnte sie ihre militärischen Kenntnisse gewinnbringend einbringen.

 

Direkter Weg zu den drei Fotobeständen: