
Die berühmte Auszeichnung aus Hollywood wird für herausragende Leistungen verliehen, z.B. an Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie für digitale Spezialeffekte in „Independence Day“ 1997. Solange aber in Kinos nicht Digitalbilder von einem Beamer an die Leinwand gestrahlt werden, sondern echte Filmbilder von einem konventionellen Projektor, wird auch weiterhin eine Mutterkopie des Films benötigt, die vervielfältigt und an die Kinos geliefert werden kann. Wie aber kommen computergenerierte Artefakte auf einen konventionellen Farbfilm ? Spezialisten der seit Jahrzehnten als Ausrüster der Filmindustrie bekannten Firma ARRI und des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik fanden die Lösung, die Digitalbilder mit Hilfe von drei Laserstrahlen in den Grundfarben rot, grün und blau auf Farbfilmmaterial zu belichten, das anschließend konventionell kopiert werden kann. Die Filmindustrie war sofort begeistert und vergab für diese Leistung bereits 2002 einen Scientific and Engineering Award, einen „Technik-Oscar“. Offenbar haben sich die beteiligten Forscher mit ihrer Erfindung so nachhaltige Verdienste erworben, dass ihnen nun ein weiterer Oscar zugesprochen wurde, der Academy Award of Merit, der wiederum in Rahmen der bekannten Verleihungszeremonie Ende Februar übergeben wird. In den Jahren zwischen den beiden Auszeichnungen wurde das Grundprinzip, digitale Bilddateien auf Film auszugeben, weiterentwickelt und für eine archivnahe Anwendung zur Langzeitsicherung adaptiert. Der wesentliche Unterschied zur Kinofilmversion ist die Verwendung von hochauflösendem und alterungsbeständigem Farbmikrofilm. Damit wurde es erstmals möglich, die unzähligen Digitalscans von wertvollem schriftlichen Kulturgut, die tagtäglich in den Archiven und Bibliotheken erstellt werden, auf einem langzeitstabilen Träger materiell zu speichern. Überzeugt von der Notwendigkeit, dass diese ständig wachsende Bilderflut angemessen gesichert werden muss, hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das bundesweit dreizehn Werkstätten zur Sicherungsverfilmung von schriftlichem Kulturgut unterhält, ein oskar-prämiertes Laserbelichtungsgerät erworben und der Verfilmungsstelle beim Landesarchiv Baden–Württemberg in Ludwigsburg zugewiesen. Seither wurden hier im Institut für Erhaltung von Archiv–und Bibliotheksgut Bilddateien im Umfang von rund 30 Terabyte auf ca. 9 km Farbmikrofilm gesichert. Da es dem Fraunhofer-Institut inzwischen auch gelungen ist, den Bitstream von Tondateien und anderen Daten auf gleiche Weise abzubilden, sind weiteren Anwendungen zur materiellen Sicherung von Digitaldaten eigentlich keine Grenzen gesetzt. Dies eröffnet auch neue Perspektiven für Archive und Bibliotheken, insbesondere hinsichtlich ihrer Kernaufgabe als Verwahrstellen des schriftlichen wie des digitalen Kulturerbes. Siehe auch: Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts |