
|
Dass ein Archiv nicht nur "trockenes" Schriftmaterial verwahrt, sondern auch reizvolle bildliche Darstellungen birgt, zeigt die anlässlich der Vermählung des Erbprinzen Ernst von Hohenlohe-Langenburg mit Prinzessin Alexandra von Sachsen-Coburg-Gotha entstandene Menükarte von 1896. Beim Verzeichnen der Domänenkanzlei Langenburg wurde sie in Unterlagen aus der Rubrik "Persönliche Familienangelegenheiten" entdeckt (Signatur La 95 Kasten II Fach 44 Fasz. 158). Die Hochzeitsfeierlichkeiten erstreckten sich über mehrere Tage, die Trauung selbst wurde am Montag, den 20. April 1896, in der Schlosskirche zu Coburg vollzogen. Das Programm sah auch für den folgenden Tag ein weiteres, festliches Dîner vor, dessen Speisefolge auf der reich mit Ornamenten und bildlichen Darstellungen verzierten Menükarte nachzulesen ist.
|
Die chromolithografierte Karte, die dem Bereich des Luxuspapiers zuzuordnen ist, stammt aus dem renommierten Gothaer Verlag Carl Hellfahrt und greift mit ihren stilisierten Rocaille-Kartuschen auf die Formensprache des 18. Jahrhunderts zurück.
|
Zwei Amoretten halten am unteren Bildrand einen roten Samtvorhang, der den Blick auf Schloss Langenburg freigibt, dem Geburtsort und Zuhause von Erbprinz Ernst, dem Bräutigam.
|
Ein Taubenpaar, das sich zwischen den geflügelten Wesen, um einen Blumenkorb gruppiert hat, symbolisiert eheliche Liebe und Eintracht.
|
Über dieser kleinen Szene schließt sich ein herzförmiges, reich mit Muschelwerk verziertes Feld an, das im unteren Bereich die miteinander verschmolzenen Initialen des Brautpaares, A (für Alexandra) und E (für Ernst), trägt.
|
Darüber folgt ein Allianzwappen, das auf der rechten Seite das Familienwappen des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha, auf der linken Seite das des Hauses Hohenlohe mit den zwei Leoparden zeigt. Zwei weitere Amoretten flankieren das Wappen, vor dem sie, als Symbol der Liebe, eine Girlande aus roten Rosen befestigen; darüber schwebt eine Krone.
|
Eine Ansicht des Schlosses Rosenau bei Coburg, ebenfalls von einer Rocaille-Kartusche eingefasst, auf der eine weitere Taube sitzt, schließt sich nach oben an. Das Anfang des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil umgebaute Schloss war nicht nur der Geburtsort von Prinzessin Alexandra, der Braut, sondern auch der ihres Großvaters, des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, dem späteren Gemahl der englischen Königin Victoria.
|
In der Schlosskirche des Schlosses Ehrenburg, das in der nach rechts anschließenden Kartusche zu sehen ist, fand schließlich die Trauung des Brautpaares statt.
|
Vor allem mit ihren, entlang einer Vertikalen angeordneten Bildmotiven visualisiert die Menükarte für alle Gästen nicht nur die persönliche Verbindung zwischen den Brautleuten sondern auch die zwischen ihren beiden Häusern. Gleichzeitig schaffen ihre Darstellungen die opulente Rahmung für die erlesene Speisefolge zu diesem festlichen Anlass. Dr. Marion Diehm
|