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Archivale des Monats Februar 2012

König Gustav Adolf von Schweden in Wertheim

Mit dieser großformatigen Pergamenturkunde (30 x 40 cm) übereignete König Gustav Adolf von Schweden am 28. Februar 1632 den evangelischen Grafen Ludwig, Wolfgang Ernst und Friedrich Ludwig von Löwenstein–Wertheim–Virneburg umfangreichen Besitz. Die eigenhändige Unterschrift Gustav Adolfs und das gut erhaltene königliche Siegel bekräftigen den Rechtsakt. Signatur: StAWt–G Rep. V C 8.

Die unsteten Wechselfälle des Dreißigjährigen Krieges führten dazu, dass die Grafschaft Wertheim kurzzeitig zu ungekannter Größe anwuchs: Sie wurde erweitert um die Ämter Remlingen, Schweinberg, Freudenberg und Laudenbach (erst kurz zuvor nach militärisch ausgetragenen Streitigkeiten endgültig an Würzburg zurückgefallen), um die Klöster Holzkirchen, Bronnbach, Triefenstein und Grünau, um die Dörfer Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig sowie um einiges Weitere. Doch wie kam es dazu?
Als 1630 König Gustav Adolf von Schweden in das Kriegsgeschehen eingriff, war ihm das Glück günstig. Bereits im Herbst 1631 schlug er bei Leipzig das gegnerische kaiserliche Heer vernichtend. Süddeutschland stand ihm nun offen, er nahm Würzburg und Wertheim ein. Seine Vorherrschaft nutzte er zur Belohnung treuer Kriegsgefährten. Die evangelischen Grafen von Löwenstein-Wertheim-Virneburg hatten sich früh mit dem Schwedenkönig verbündet und zogen nun ihren Vorteil daraus: Unter dem Datum 28. Februar 1632 übereignete ihnen Gustav Adolf mit einer prachtvollen Urkunde die genannten Besitzungen. Der 1621 zum katholischen Glauben übergetretene Graf Johann Dietrich von Löwenstein-Wertheim-Rochefort, der erst im Frühjahr 1631 die Alleinherrschaft in der Grafschaft an sich gerissen hatte, wurde natürlich nicht bedacht.
Doch wie gewonnen so zerronnen. Im September 1634 wurden die Schweden und ihre Verbündeten bei Nördlingen von der kaiserlichen Armee vernichtend geschlagen und die neuen Besitzungen gingen wieder verloren.
Der urkundliche Beweis über die 1632 gewonnenen Rechte blieb jedoch im gräflichen Archiv und überdauerte die Jahrhunderte, bis die Urkunde eines unbekannten Tages verloren ging. Ganz unverhofft erreichte den Archivverbund Main–Tauber im Frühjahr 2006 der Anruf eines Darmstädter Kollegen: Die Urkunde sei auf einem Dachboden aufgefunden worden. Im Bronnbacher Archiv war die Freude groß, als wenige Wochen später der ehrliche Finder die Urkunde an ihren angestammten Ort zurückbrachte, wo sie nun wieder der Forschung zur Verfügung steht.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim.

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