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Archivale des Monats Mai 2018

Eine Karlsruher Köpenickiade - Das nächtliche Ende der Monarchie in Baden 1918

Plan II der Schüsse auf das Karlsruher Residenzschloss am 11./12. November 1918 auf die Schlossfront nach dem Seepferd, aufgenommen am 7.12.1918 von Wachtmeister Stöcklin (GLA Karlsruhe 243, Nr. 912)
Plan II der Schüsse auf das Karlsruher Residenzschloss am 11./12. November 1918 auf die Schlossfront nach dem Seepferd, aufgenommen am 7.12.1918 von Wachtmeister Stöcklin; GLA Karlsruhe 243, Nr. 912

In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1918 unterstellte der am Aufstand der Hochseeflotte beteiligte Karlsruher Heinrich Klumpp in einer Art Köpenickiade einen Trupp Infanteristen seinem Kommando und marschierte mit diesem vor dem Residenzschloss auf. Der alkoholisierte, mit roter Armbinde und einem Ausweis des Arbeiter- und Soldatenrats ausgestattete Obermatrose schlug mit dem Gewehrkolben gegen die verschlossene Tür und verlangte den Großherzog zu sprechen ("Heraus mit dem größten Lump von Baden"). Als er vom großherzoglichen Kammerherrn Sigmund Göler von Ravensburg abgewiesen wurde, ließ Klumpp Gewehrsalven auf das Schloss abfeuern.

Das Gebäude verzeichnete allein an der Südwestfront 54 Einschläge, die Geschosse drangen durch Fenster und Holzgebälk in einzelne Räume und beschädigten Vasen und Hausrat. Eine Kugel durchschlug das Bildnis Friedrichs des Großen und "vollbrachte damit symbolisch die blutige Tat". Die Schüsse trieben die großherzogliche Familie noch in derselben Nacht zur überstürzten Flucht nach Schloss Zwingenberg am Neckar, was in der Öffentlichkeit als eine Art Abdankung mit den Füßen wahrgenommen wurde.

Der um Legalität besorgte Arbeiter- und Soldatenrat ließ Klumpp tags darauf wegen Landfriedensbruchs von der Polizei verhaften. Klumpp, der laut Badischer Presse „strenger Bestrafung entgegen sah“, wurde drei Tage später "auf seinen Geisteszustand untersucht". Noch vor der gerichtlichen Verhandlung profitierte Klumpp von der Amnestie vom 2. Dezember 1918 und wurde am 18. Dezember aus dem Gefängnis entlassen.

1933 musste der als "Novemberverbrecher" diffamierte Klumpp vor der Gestapo auf abenteuerliche Weise über die Dächer von Karlsruhe fliehen, 1940 spürte ihn die SS in Bordeaux auf, wo er sich das Leben nahm.

Die Umstände der badischen Revolution und die Folgen der Karlsruher Köpenickiade bis hin zur Abdankung Großherzog Friedrichs II. sind in der Ausstellung "Demokratie wagen? Baden 1818-1919" zu sehen, die bis 12. August 2018 im Generallandesarchiv Karlsruhe und vom 26. September bis 26. Oktober 2018 im Regierungspräsidium Freiburg, danach an einem Dutzend weiterer Orte im badischen Landesteil gezeigt wird.

Mehr Informationen zur Ausstellung "Demokratie wagen? Baden 1818-1919" finden Sie hier.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe 243, Nr. 912.