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Aktuelles >> Presse/Berichte >> Aufarbeitung der Heimerziehung im Südwesten: Landesarchiv überreicht umfassende Heimliste

Aufarbeitung der Heimerziehung im Südwesten: Landesarchiv überreicht umfassende Heimliste

Minister Manne Lucha: „Für eine qualifizierte Unterstützung der Betroffenen ist die wissenschaftliche Aufarbeitung ein zentrales Hilfsmittel.“

Staatssekretärin Petra Olschowski: „Das Landesarchiv nimmt bei diesem hochsensiblen Projekt im bundesweiten Vergleich eine Leuchtturmfunktion ein.“

Gruppenbild Heimliste
Prof. Maier, Staatssekretärin Olschowski, Pilz, Wohlfarth, Minister Lucha, Rehm (v.l.), Vorlage: Landesarchiv Baden-Württemberg

Das baden–württembergische Landesarchiv hat ein umfassendes Verzeichnis aller bekannten Kinder– und Jugendheime erstellt, die zwischen 1949 und 1975 in Baden–Württemberg existiert haben. Die weit über 500 Einträge umfassende Liste beinhaltet auch Angaben zu Ansprechpartnern und — soweit bekannt — Unterlagen zu den einzelnen Heimen und ermöglicht somit ehemaligen Heimkindern und auch Historikern eine eigenständige Recherche. Am Mittwoch (7. März) überreichte Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs, die Liste im Stuttgarter Landtag offiziell an Sozial– und Integrationsminister Lucha und Petra Olschowski, Staatsekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Das Verzeichnis ist ein wichtiger Meilenstein des vom Ministerium für Soziales und Integration geförderten Projekts zur Aufarbeitung der Heimerziehung im Südwesten.

Minister Lucha sagte: "Viele Betroffene leiden heute noch unter den Folgen von Traumatisierungen oder anderen Beeinträchtigungen. Ihnen wollen wir eine qualifizierte und individuelle Unterstützung anbieten. Dafür war und ist die wissenschaftliche Aufarbeitung und besonders auch die Liste ein zentrales Hilfsmittel. Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten."

"Das Landesarchiv mit seinem Fachwissen für dieses hoch sensible Projekt zu gewinnen, war unser Wunsch im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Ich freue mich, dass dies gelungen ist", sagte Staatssekretärin Petra Olschowski. Die Betroffenen seien von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesarchivs intensiv beraten und bei der Akteneinsicht begleitet worden. Darüber hinaus habe die Projektstelle einschlägige Aktenbestände ausgewertet und zahlreiche leicht zugängliche Recherchehilfsmittel entwickelt — so auch die Heimliste. "Bei der Aufarbeitung der Heimerziehung nimmt das Landesarchiv im bundesweiten Vergleich eine Leuchtturmfunktion ein — auch dank der Vielseitigkeit der geleisteten Unterstützung", betonte Olschowski.

Übergabe der Heimliste Voransicht
Übergabe der Heimliste, Vorlage: Landesarchiv Baden-Württemberg

Unverzichtbares Hilfsmittel zur Eigenrecherche
Das Verzeichnis der Kinder– und Jugendheime umfasst detaillierte Informationen zu 532 im Forschungszeitraum in Baden–Württemberg existierenden Einrichtungen der Jugendhilfe. In sorgsamer Kleinarbeit hat das Landesarchiv Angaben zu Adressen, Trägerschaft, Charakter und Bestandszeitraum der Heime zusammengetragen. Besonders wertvoll für die weitere Recherche sind dabei die Verweise auf noch vorhandenes Quellenmaterial zu den Einrichtungen, gepaart mit den Kontaktdaten der aktenverwahrenden Stellen.

"Die Überlieferung aufzuarbeiten, vielfach sogar erst einmal für ihre Sicherung zu sorgen und die Bereitschaft zu erwirken, sie zu öffnen. Das ist ja der erste — ganz zentrale — Punkt, dass die Quellen bekannt und zugänglich sind", so Gerald Maier. "Nicht nur für Historikerinnen und Historiker, sondern insbesondere auch für ehemalige Heimkinder, die auf der Suche nach biografischen Informationen über ihre Vergangenheit im Kinderheim sind, bildet das Heimverzeichnis daher ein unverzichtbares Hilfsmittel zur Eigenrecherche." Die Heimliste konzentriert sich dabei nicht nur auf die größeren Einrichtungen bekannter Träger, sondern weist auch zahlreiche Klein– und Kleinstheime, meist in privater Trägerschaft, nach.

Bundesweit einzigartiges Projekt zur Aufarbeitung
Ausgehend von der Stellungnahme des Runden Tisches Heimerziehung auf Bundesebene hat auch der Landtag von Baden-Württemberg im Oktober 2011 das massive Leid ehemaliger Heimkinder in baden-württembergischen Kinderheimen anerkannt und der Sicherung noch vorhandener Akten aus dieser Zeit große Bedeutung zugesprochen.

Seit dem 1. Mai 2012 besteht beim Landesarchiv Baden-Württemberg das Projekt Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949-1975. Die bundesweit einzigartige Arbeitsstelle hat über 1.700 ehemalige Heimkinder erfolgreich bei der biografischen Spurensuche begleitet und wichtige Grundlagen für die weitere Erforschung des Themenkomplexes geschaffen.

Weitere Ergebnisse des Projekts sind eine Wanderausstellung, die seit 2015 an wechselnden Stationen im Land und darüber hinaus gezeigt wird, ein Rechercheführer und ein sachthematisches Inventar. Für Oktober 2018 ist ein Fachkolloquium geplant. Gemeinsam mit der zeitgleich erscheinenden Abschlusspublikation wird dies der Schlusspunkt des erfolgreichen, gelungenen Projekts sein.

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