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Archivale des Monats November 2017

Stille Helden: Fluchthilfenetzwerk am Hochrhein

Ausweis als Opfer des Nationalsozialismus für Luzia Schaub.
Ausweis als Opfer des Nationalsozialismus für Luzia Schaub.

1941 verkündete das NS-Regime ein generelles Ausreiseverbot für Juden, kurz darauf setzten die systematischen Deportationen in die Vernichtungslager ein. Ihnen zu entgehen gelang nur mit Unterstützung von Freunden oder solidarischen Helfern, die die Verfolgten vor dem Zugriff der Sicherheitskräfte versteckten oder ihnen Hilfe bei der Flucht ins rettende Ausland zuteilwerden ließen. Ziel der meisten Fluchtversuche war die Schweiz, das letzte Schlupfloch in die Freiheit. Erst in jüngster Zeit interessiert sich auch die regionale und lokale Geschichtsschreibung für den "Rettungswiderstand" (Arno Lustiger). In den Fokus geraten dabei Menschen unterschiedlichster Profession, Herkunft und Bildung. Sie alle, Frauen wie Männer, Pfarrer, Bauern, Handwerker, Angestellte und Beamte, fühlten sich dem Prinzip der tätigen Nächstenliebe verpflichtet, hatten humanitären Anstand und brachten den Mut zu nonkonformistischem Handeln auf, trotz aller damit verbundenen Gefahren und Risiken. Den an der Grenze lebenden Mitgliedern dieser Fluchthilfenetzwerke kam eine besondere Rolle zu. Ihre Ortkenntnisse, ihre Erfahrungen über den Ablauf von Grenzkontrollen, ihr Wissen von den Stärken und Schwächen der Grenzsicherung waren entscheidende Kriterien für das Gelingen der Flucht.

Adelheid Suger, gläubige Katholikin und entschiedene NS-Gegnerin, gehörte zu dieser Kategorie Mensch. Von einer in Berlin lebenden Schweizer Freundin um tätige Mithilfe bei der Rettung Berliner Juden gebeten, suchte und fand sie in der Umgebung ihres Wohnorts Tunsel Mitstreiter, die die Fluchtpläne in die Tat umsetzen konnten. Darunter war auch Luzia Schaub, eine 1903 in Reichenbach bei Lahr geborene, in Weil am Rhein verheiratete Hausfrau. Sie stattete die Flüchtlinge mit Detailkarten des Grenzverlaufs aus und begleitete sie vom Bahnhof in Grenzach zu Fuß bis zum dort errichteten Grenzzaun, wo sie von ihrem Schwager, dem Zollsekretär und Grenzwächter Xaver Beck, zugleich Propagandaleiter der Grenzacher NSDAP, in Empfang genommen wurden. Er lotste die Flüchtlinge durch eine Lücke im Zaun in die Schweiz.

Das Grenzacher Fluchthilfenetzwerk Suger-Schaub-Beck, das mindestens 15 Flüchtlinge erfolgreich gerettet hatte, flog Anfang Juli 1944 auf. Die Fluchthelfer wurden verhaftet und warteten in den Amtsgefängnissen Lörrach und Säckingen auf ihren Prozess. Zu einer Verurteilung kam es aufgrund der Kriegsereignisse nicht mehr. Ende April 1945 wurden die drei in die Freiheit entlassen.

Die Wiedergutmachungsakte von Luzia Schaub wird im Bestand Landesamt für Wiedergutmachung Freiburg verwahrt.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg F 196/1 Nr. 1096.