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VIII.35 Die Kanzel in der Klosterkirche

VIII.35 Die Kanzel in der Klosterkirche

Bebenhausen

[1575/1580], Konrad Wagner
Stuck, Holz, Ziegelstein, polychrome Fassung
Klosterkirche Bebenhausen, Nordwestlicher Vierungspfeiler

Mitte der 1570er–Jahre beauftragte Eberhard Bidembach, seit 1560 erster evangelischer Abt in Bebenhausen, den Leonberger Bildhauer und Stukkateur Konrad Wagner mit dem Einbau einer Kanzel in die ehemalige Zisterzienserklosterkirche. Diese Kanzel wurde von kunsthistorischer Seite bisher wenig beachtet, was daran liegen mag, dass die künstlerische Qualität in der Ausführung zu wünschen übrig lässt. Interessant ist die Bebenhausener Kanzel aus anderen Gründen: Ihre außergewöhnliche Ikonographie verkörpert ein lutherisches Bildprogramm, das sie in Beziehung mit wichtigen Persönlichkeiten der Reformation und bedeutenden reformatorischen Kunstwerken in Württemberg setzt.

Heute fällt die Stuckkanzel, die über einem Kern aus Ziegelstein und Holz errichtet ist, zunächst durch ihre Farbenpracht auf. In der schlichten romanischen Pfeilerbasilika ist die farbenfrohe Kanzel ein Blickfang – ein Effekt, der vom Auftraggeber beabsichtigt gewesen sein dürfte. Denn die lutherische Renaissancekanzel ist nicht mehr Teil der Architektur, sondern ein selbstständiges Stück der Inneneinrichtung. Konrad Wagner hatte die nach aktuellster Mode gestalteten Ornamente von seinen Studienreisen nach Italien mitgebracht und war als Stukkateur wohl auch für die Wahl des für Kanzeln dieser Zeit untypischen Materials verantwortlich. Durchaus üblich war dagegen, dass Portal und Träger als Kanzelfundament ikonographisch Bezug auf das Alte Testament nehmen, beispielsweise zeigt das Giebelfeld des Kanzeltors außen ein Relief mit der Opferung Isaaks durch Abraham und auf der Innenseite die Tötung eines Löwen durch Simson.

Das Bildprogramm dieser Kanzel hatte Herzog Christoph sicher ausführlich mit seinen theologischen Beratern besprochen, allen voran mit Stiftspropst Johannes Brenz und Hofprediger Balthasar Bidembach. Beide stehen in enger Beziehung zu Eberhard Bidembach, der den Schmuck der Bebenhausener Kanzel als Auftraggeber und promovierter Theologe maßgeblich konzipierte: Balthasar war sein jüngerer Bruder, Johannes Brenz sein Schwiegervater.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass der reiche Kanzelschmuck kein Ausdruck lutherischer Orthodoxie ist, sondern das Bildverständnis zur Entstehungszeit widerspiegelt. Der theologisch anspruchsvolle Schmuck, dessen künstlerische Qualität zweitrangig war, will wie die Predigt ansprechen und deren Inhalte unterstreichen, sie aber keinesfalls ersetzen. Insofern erreichte der Schmuck der lutherischen Renaissancekanzeln einen besonderen Houuml;hepunkt lutherischer Bildkunst.