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Aktuelles >> Presse/Berichte >> Archivale des Monats September 2017

Archivale des Monats September 2017

Selbstmord in Stammheim - Polizeifotos vom Deutschen Herbst 1977

StAL EL 51/3 Bü 679
Plattenspieler von Gudrun Ensslin (Vorlage: StAL EL 51/3 Bü 679, Reproduktion: Arwed Messmer)

2017 jährt sich der sogenannte Deutsche Herbst und damit der Höhepunkt des Terrors der RAF zum vierzigsten Mal. Bis heute gehört diese Zeit zu den markantesten in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Die blutige Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns–Martin Schleyer am 5. September bildete den Auftakt für eine wochenlange Auseinandersetzung mit dem deutschen Staat. Die Ereignisse kulminierten schließlich im Oktober in der Entführung einer Lufthansa–Maschine, deren Stürmung am 18. Oktober 1977 in Mogadischu und dem anschließenden Selbstmord von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan–Carl Raspe in Stammheim.

Die Ereignisse dieser Wochen sind mit einer Reihe von Fotos im kollektiven Gedächtnis der Deutschen präsent. Dazu gehören etwa die Polaroid–Aufnahmen des entführten Arbeitgeberpräsidenten oder Fotos von der Befreiung der Lufthansa–Maschine. Außer diesen bekannten Bildern liegt in den Archiven zwischenzeitlich aber auch eine Reihe weniger bekannter Aufnahmen, die die Polizei während der Terrorjahre angefertigt hat.

Zu den spektakulärsten, aber auch verstörendsten Aufnahmen gehören die Tatortfotos, die nach den Selbstmorden in Stammheim entstanden. Von diesen Aufnahmen wurden damals in großer Zahl Abzüge für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke produziert. Ins Staatsarchiv Ludwigsburg gelangten davon neben den Negativen auch Bildmappen der Polizei und der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Ans Archiv abgegeben wurde zwischenzeitlich aber auch eine Serie von Abzügen, die ein Polizeimitarbeiter für private Zwecke angefertigt hatte und die nach dessen Tod zum Gegenstand eines weiteren staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens wurde.

Die hier präsentierte Reproduktion stammt von dem Originalnegativ einer der Aufnahmen, die in der Zelle von Gudrun Ensslin vermutlich am 18. Oktober 1977 oder kurz danach gemacht wurden. Sie zeigt Ensslins Plattenspieler, so wie er in der Zelle aufgefunden wurde. Das Bild, das ursprünglich nur zur Dokumentation des Tatorts diente, enthält Informationen, die weit über den ursprünglichen Entstehungzweck hinausweisen. Dass Gudrun Ensslin kurz vor ihrem Tod Musik von Bob Dylan gehört haben könnte, weiß man nämlich aus keiner anderen Quelle. Und so gewährt dieses unspektakuläre Foto ungewollt einen intimen Einblick in die Gedankenwelt der Terroristin zum Zeitpunkt ihres Suizids.

Mit den Fotos aus Stammheim hat sich seit längerem der als "Bildarchäologe" bekannt gewordene Fotograf Arwed Messmer auseinandergesetzt und – zusammen mit Bildmaterial aus anderen öffentlichen Archiven – eine große Ausstellung im Museum Folkwang in Essen gestaltet, die ab Anfang September auf der Biennale für aktuelle Fotografie in Mannheim – und mit einem speziellen Fokus auf die Aufnahmen aus dem Landesarchiv Baden–Württemberg – ab 21. September auch im Staatsarchiv Ludwigsburg zu sehen sein wird.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden–Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg (EL 51/3 Bü 679)

Ankündigung der Ausstellung im Landesarchiv Baden–Württemberg (Staatsarchiv Ludwigsburg)

Website der Biennale für aktuelle Fotografie