Landeswappen Baden-Württemberg

Aktuelle Hinweise

Ausstellungen

Veranstaltungen

Presse/Berichte

Neue Publikationen

Laufende Projekte

Nachrichtenarchiv

Unser Selbstverständnis

Landesarchiv

Aufgaben und Dienstleistungen

Rechtsgrundlagen

Organisation

Ansprechpartner/innen

Projekte

Jahresberichte

Publikationen

Ausbildung und Praktika

Vergabeverfahren

Stellenausschreibungen

Präsentationen und Inventare

Landeskunde entdecken online (LEO-BW)

Württembergisches Urkundenbuch Online

Auswanderung aus Südwestdeutschland

Klöster in Baden-Württemberg

Landesforschung und Landesbeschreibung

Angebote für Schulen und Gruppen

Mitmachprojekte des Landesarchivs

Aktenaussonderung

Elektronische Systeme

Historischer Wert

Ihr Landesarchiv

Ansprechpartner im Archiv

Übergabeverzeichnisse

Wie nutzen Sie das Landesarchiv?

An welche Archivabteilung können Sie sich wenden?

Mein Konto

Recherche & Bestellung

Recherchehilfen & Dienstbibliotheken

Öffnungszeiten

Rechtsgrundlagen und Formulare

Kopien und Reproduktionen

Aktuelles >> Presse/Berichte >> Archivale des Monats Februar 2017

Archivale des Monats Februar 2017

Flucht vor der Gestapo — Karl Gerold: Schlosser, Sozialdemokrat, Zeitungsverleger

Beschlagnahmter Reisepass des Karl Gerold, späterer Herausgeber der Frankfurter Rundschau.
Beschlagnahmter Reisepass des Karl Gerold, späterer Herausgeber der Frankfurter Rundschau.

Im Sommer 1933 gelangten Informationen an die Gestapo, dass mit "Hilfe des Paddelbootverkehrs eine regelmäßige Einschmuggelung von Hetzpropagandamaterial" aus Basel nach Deutschland stattfinde. Einer der verdächtigen "Schmuggler" war der in der Mechanischen Buntweberei Brennet–Wehr beschäftigte Karl Gerold. 1906 in Giengen an der Brenz geboren, Sprössling einer "alten Sozialisten–Familie", war Gerold 1925 als Fabrikschlosser nach Wehr gekommen. Politisch engagierte er sich bald in der SPD, gründete 1930 eine Ortsgruppe der Partei in Wehr, der er bis 1932 vorstand. In dieser Funktion beteiligte er sich auch als Diskussionsredner in Wahlkampfveranstaltungen, wo er sich als heftiger Kritiker der NSDAP zeigte. Nach der "Machtergreifung" kurzzeitig in "Schutzhaft" genommen, hielt Gerold trotz Überwachung Kontakte zu Emigrantenorganisationen in Basel. Sein Paddelboot erlaubte ihm auch den Grenzübertritt ohne seinen Reisepass, den ihm die Gendarmerie in Schopfheim "vorsorglich" abgenommen hatte.

Von einer im August 1933 angetretenen Überfahrt nach Basel kehrte Gerold nicht mehr nach Wehr zurück. Er entging damit um Haaresbreite der Verhaftung durch die Gendarmerie, die an diesem Tage vergeblich auf seine Rückkehr aus der Schweiz wartete. Gerold erhielt in der Schweiz die Anerkennung als politischer Flüchtling.

1945 aus der Emigration zurückgekehrt, ließ sich Gerold in Frankfurt am Main nieder, wo er 1946 eine Mitlizenz für die Herausgabe der Frankfurter Rundschau erhielt, deren alleiniger Herausgeber und Chefredakteur er ab 1954 werden sollte. Häufig unbequem und zeitlebens unangepasst — so schickte er Anfang der 1970er Jahre dem Bundespräsidenten sein Verdienstkreuz zurück, als ein Franco–Minister mit dem gleichen Orden dekoriert wurde — verantwortete er unbeirrt das linksliberale Profil einer der großen Nachkriegszeitungen in der Bundesrepublik Deutschland. 1973 verstarb Karl Gerold im Alten von 67 Jahren.

Seine Lebenssituation in Wehr, die Umstände seiner Emigration in die Schweiz werden wie der präsentierte Reisepass in der Überlieferung des Landratsamts Schopfheim verwahrt.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg B 740/1 Nr. 4141.