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Recherche & Bestellung >> Rechercheführer >> Provenienzforschung im Generallandesarchiv Karlsruhe >> Quellen zu Gegenständen, deren Voreigentümer bekannt sind

Quellen zu Gegenständen, deren Voreigentümer bekannt sind

Von den Umständen einer Erwerbung bzw. einer Veräußerung hängt ab, ob ein Gegenstand als NS-verfolgungsbedingt entzogen angesehen werden muss. Nachzuweisen sind beispielsweise der Verkauf von Objekten zur Finanzierung einer Auswanderung oder zur Bestreitung von Zwangsabgaben („Judenvermögensabgabe“), Beschlagnahmen im Rahmen der Strafverfolgung oder der Vermögensverfall infolge der Deportation. Die Feststellung, dass der Verlust eines Gegenstands auf Repressalien durch das NS-Regime zurückgeht, ist demnach eng verknüpft mit dem Schicksal seiner Eigentümerin oder seines Eigentümers. Bestimmte Umstände ihres Lebens lassen sich mit der in Staatsarchiven vorhandenen, überwiegend amtlichen Überlieferung erhellen. Von Vorteil ist dabei, dass sich anders als im Fall einzelner Kunstwerke in der Behördenüberlieferung systematisch nach den Namen der Personen recherchieren lässt.

Vorraussetzungen für die Recherche

Die Recherche nach den Umständen des Verlusts eines Gegenstands setzt voraus, dass die Voreigentümerin oder der Voreigentümer eindeutig identifiziert wurden. Wem eine Sache vor dem Übergang in die öffentliche Hand gehört hat, kann hervorgehen aus:

Vor Beginn der Recherche nach den Umständen des Übergangs eines Gegenstands aus der privaten in die öffentliche Hand oder auf den Kunstmarkt empfiehlt sich der Abgleich mit Meldungen über die betreffende Person in der Lost-Art-Datenbank, der Objektdatenbank der Commission for Looted Art in Europe und der Datenbank des österreichischen Nationalfonds. Möglicherweise ist schon jemand dem Schicksal einer oder eines Betroffenen nachgegangen und kann Arbeitsergebnisse weitergeben.

Ist dies nicht der Fall, sollte – soweit noch nicht geschehen – versucht werden, bezogen auf die Voreigentümerin oder den Voreigentümer den Untersuchungsraum geografisch einzugrenzen (z. B. Wohnsitz, Geschäftssitz, Hafen der Auswanderung, durch Leihgaben o. ä. besondere Beziehungen zu einer Kulturgut verwahrenden Einrichtung). Ein Ortsbezug ist der entscheidende Anhaltspunkt, um sich in der amtlichen Überlieferung zu orientieren. Er verweist auf die Sprengel möglicherweise zuständiger Behörden und auf deren Überlieferung in staatlichen oder kommunalen Archiven.

Für als Juden verfolgte Personen lässt sich der Ortsbezug (Geburtsort, ständiger Wohnsitz vor dem Krieg, Aufenthaltsorte während des Krieges) möglicherweise über die zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer recherchieren. Entsprechende Angaben speziell für Baden-Württemberg enthält der Band:

Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Baden-Württemberg 1933-1945. Ein Gedenkbuch, herausgegeben von der Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1969.

Durchführung der Recherchen

Ist der Ort identifiziert, lässt sich in zeitgenössischen Unterlagen der dort zuständigen Behörden nach Nennungen der fraglichen Person recherchieren. Hierfür ist maßgeblich, dass Verwaltungsschriftgut seiner Form und seinem Inhalt nach kategorisiert wird:

Für eine solche personenbezogene Recherche nach NS-Raubgut bilden die unterschiedlichen Serien von Einzelfallakten zur Rückerstattung und "Wiedergutmachung" die dichteste Überlieferung aus dem ehemaligen Land Baden: Sie finden sich zum einen in der Justizüberlieferung, da die Regulierung der Ansprüche als gerichtliches Verfahren angelegt war (276-1 Amtsgericht Mannheim, Schlichter für Wiedergutmachung; 480 Landesamt für die Wiedergutmachung, Einzelfallakten), zum anderen in Beständen der Finanzverwaltung, die an den Verfahren als Beklagte beteiligt war, um die Interessen des Fiskus zu vertreten (508 Zugang 1968-23 Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Rückerstattung;508 Zugang 2004-60 Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Rückerstattungsakten).

Verglichen mit den Unterlagen aus der Nachkriegszeit sind Einzelfallakten aus Verwaltungsverfahren der NS-Zeit erheblich seltener nachweisbar. Solche aus den Finanzämtern über die Veranlagung zur Steuer oder zur „Judenvermögensabgabe“ haben sich nur in geringer Zahl erhalten. Vor diesem Hintergrund ist eine Serie von Fallakten über Versteigerungen aus dem Eigentum von antisemitisch verfolgten Personen, die der Gerichtsvollzieherdienst des Amtsgerichts Heidelberg durchgeführt hat, von herausragender Bedeutung (Bestand 269 Zugang 1996-12 Amtsgericht Heidelberg). Gleiches gilt für die so genannten „Arisierungsakten“ des badischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums, die überwiegend den Raub von Unternehmen und Liegenschaften zum Gegenstand haben (Bestand 237 Zugang 1967-19 Finanzministerium).

Die Überlieferungslücken in den Fallaktenserien aus der NS-Zeit sind nicht in jedem Fall auf Kriegsverluste oder behördliche Kassationen zurückzuführen. In einer unbestimmten Menge von Fällen wurden die Akten zur Rückerstattung und "Wiedergutmachung" zum Nachweis etwaiger Ansprüche mit Dokumenten aus der NS-Verwaltung angereichert.

Unter den Fallaktenserien aus der Nachkriegszeit sind auch die Akten zur so genannten „Vermögenskontrolle“ einschlägig. Die Militärregierung unterwarf neben dem Vermögen der öffentlichen Hand sowie der NSDAP und ihrer Gliederungen auch die durch das NS-Regime geplünderten Vermögenswerte vorläufig ihrer Kontrolle. Wer solche besaß, unterlag einer Anmeldepflicht gegenüber der Besatzungsverwaltung. Daraus und aus der Verwaltung dieser Vermögen sind Einzelfallakten hervorgegangen. Für das amerikanisch besetzt gewesene Nordbaden werden sie heute im Staatsarchiv Ludwigsburg verwahrt, für das französisch besetzt gewesene Südbaden finden sie sich im Staatsarchiv Freiburg.

Wird nach Quellen über Gegenstände recherchiert, deren Voreigentümer bekannt sind, empfiehlt es sich, den Ort des Vorgangs und die dort zuständigen Behörden zu identifizieren und ihrem Verwaltungshandeln in Bezug auf die Person des Betroffenen nachzugehen. Die Zuständigkeiten in Frage kommender Behörden und die Eigenheiten der badischen Verwaltungsentwicklung werden in den Einträgen im sachthematischen Inventar "Kunstraub und 'Arisierung' 1933 – 1945" erläutert.