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Archivale des Monats Dezember 2016

Die erste "Volkszählung"

ADM Dezember 2016
Titelseite der ersten "Volkszählung" im deutschen Südwesten (GLA Karlsruhe 67 Nr. 314)

Vergleichbares hat es im deutschen Mittelalter davor nicht gegeben: Ein Fürst lässt die ganze Bevölkerung seines Landes namentlich registrieren.

Im Jahr 1530 ließ der Speyrer Bischof Philipp von Flersheim (1529—1552) sämtliche Einwohner seines Hochstifts sowohl links als auch rechts des Rheins namentlich verzeichnen. Nicht genug damit: Erfasst wurden sämtliche bischöflichen Untertanen, Adlige, Geistliche und Laien, Männer und Frauen sowie — freilich nur der Zahl nach — die Kinder. Dazu wurde stets vermerkt, wem die Leute leibeigen waren. Und die bischöflichen Leibeigenen außerhalb des speyrischen Territoriums wurden ebenfalls namhaft gemacht.

Zwar hatte bereits 1469⁄70 Matthias Ramung (1464—1478), Vorgänger auf dem Speyrer Bischofsstuhl, ein entsprechendes Verzeichnis erstellen lassen, jedoch noch ohne Angabe der Kinderzahl.

So ist die Bevölkerungsaufnahme von 1530 tatsächlich die erste "Volkszählung", die der historischen Demographie, die ansonsten darauf angewiesen ist, von Steuer– und Huldigungslisten oder Häuserzahlen hochzurechnen, erstmals zuverlässige Daten liefert über die Einwohnerzahlen eines ganzen fürstlichen Territoriums, seiner Dörfer und Städte sowie vor allem über die Personenstärke von Familien und Haushalten. Der Erkenntniswert erschöpft sich aber nicht in bloßer Statistik. Vielmehr eröffnet diese Quelle ungeahnte Perspektiven für sozialgeschichtliche Fragestellungen, für verfassungs– und verwaltungsgeschichtliche Interessen und auch für die Familienforschung.

Der bischöfliche Auftraggeber war sich der Bedeutung dieses Werks sehr wohl bewusst. Der fertige Band mit mehr als 800 Seiten landete deshalb nicht in der Kanzlei, sondern stand als sogenanntes Kammerexemplar dem Fürsten höchstselbst zur persönlichen Verfügung. Deshalb ist er mit dem Wappen des Bischofs geschmückt sowie mit hierzuland damals hochmodernen Renaissancemalereien.

Ein Archivale des Landesarchivs Baden–Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe.

GLA Karlsruhe 67 Nr. 314