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Landeskunde & Bildung >> Präsentationen und Inventare >> 20. Jahrhundert >> Archivale des Monats November 2016

Archivale des Monats November 2016

"Nur" Amtsgerichtsüberlieferung?

Frühe visuelle Tatortaufnahme

Tatortskizze von 1851: Ansicht des Tatorts mit der erschlagenen Anna Kapferer.
Skizze der erschlagenen Anna Kapferer (StAF G 540/5 Nr. 4533).

Im Jahre 1851 fiel die Freiburger Hofratsgattin Anna Kapferer in ihren eigenen vier Wänden einem Raubmord zum Opfer. Der bei der Untersuchung des Tatorts anwesende Gerichtsschreiber fertigte neben seinem Protokoll auch akribische zeichnerische Abbildungen der Tatortumgebung, des Opfers und seiner Verletzungen an, die in einer späteren Gerichtsverhandlung Verwendung finden sollten. Der Mord an Anna Kapferer musste allerdings ungesühnt bleiben; der ins Visier der Strafverfolgungsbehörden genommene hessische Schreinergeselle Erwin Schachner konnte seine Unschuld nachweisen.

Verwahrt werden diese Unterlagen heute in der Überlieferung der Amtsgerichte und ihrer Vorgängerbehörden aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie gehört zu Unrecht zu den gering geschätzten Unterlagen in den staatlichen Archiven: Dabei wird nirgendwo das alltägliche Leben unserer Vorfahren und Zeitgenossen so unmittelbar übermittelt wie über das breit gefächerte Aufgabenspektrum der Amtsgerichte. Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen finden Niederschlag in den Handelsregister–, Genossenschaftsregister– und Konkursakten, ihre gesellschaftliche Verortung wird in den Vereinsregistern abgebildet, ihre soziale in den zahlreichen Unterlagen zur Fürsorgeerziehung, den Adoptionen, den Entmündigungen und den Vormundschaften, um nur einen Teil der amtsgerichtlichen Aufgabenbereiche zu erwähnen. Die Wiederherstellung des Rechtsfriedens als wesentliche Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens dokumentiert die zivilgerichtliche und im besonderen Maße die strafgerichtliche Überlieferung, die ebenfalls bei den Amtsgerichten erwachsen ist.

Allein durch eine archivfachliche Erschließung der Unterlagen gelingt es, diese besonderen Funde aufzuspüren.

Die hier gezeigten Tatortzeichnungen legen Zeugnis ab von dem Bemühen der Justiz, zu einer visuellen Objektivierung der Realität zu gelangen, die wenige Jahrzehnte darauf mit dem Einsatz der Tatortfotografie eine neue Stufe erreichen sollte.

Ein Archivale aus dem Landesarchiv Baden–Württemberg, Staatsarchiv Freiburg: G 540/5 Nr. 4533