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Forschungsprojekt "Von der Monarchie zur Republik" >> Von der Monarchie zur Republik

Von der Monarchie zur Republik

Baden und Württemberg in der Novemberrevolution 1918

Die badische vorläufige Regierung
Die badische vorläufige Regierung, 1919. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe J-Ac B 116

Nach über vier Jahren Krieg, die militärische Niederlage des Deutschen Reichs vor Augen, geriet auch der Südwesten Deutschlands in den Sog revolutionärer Geschehnisse und politischer Umwälzungen, die mit den Matrosenaufständen in den norddeutschen Häfen ihren Anfang genommen hatten und am 9. November 1918 zur Absetzung des Kaisers und zur Ausrufung der Republik in Berlin führten.

Auch in Südwestdeutschland hatte der kräftezehrende Zweifrontenkrieg die wirtschaftliche Lage breiter Bevölkerungskreise immer weiter verschlechtert. In Baden war es bereits vor dem Herbst 1918 zu vereinzelten Streiks und Protestkundgebungen in Betrieben gekommen, ohne dass allerdings von einer flächendeckenden Bewegung gesprochen werden kann. Entscheidende Impulse erhielt die revolutionäre Bewegung durch heimkehrende oder durchreisende Matrosen. So bildeten sich ab 8. November in Baden Arbeiter- und Soldatenräte, zuerst in Lahr/Schwarzwald und Offenburg, dann in Karlsruhe und Mannheim (9. November).

Um den revolutionären Impuls aufzufangen, rief der Karlsruher Oberbürgermeister am 9. November einen Wohlfahrtsausschuss aus Stadtverwaltung, Stadträten und Parteien ins Leben, neben dem allerdings parallel ein zweites Gremium in Form eines Soldatenrats existierte. Nach Verhandlungen zwischen Wohlfahrtsausschuss und Soldatenrat kam es am 10. November zur Bildung einer vorläufigen Volksregierung, die in ihrem elfköpfigen Kabinett fast alle politischen Kräfte des Landes umfasste: Die SPD besetzte fünf Ministerposten und stellte mit Anton Geiß aus Mannheim auch den Vorsitzenden, der damit faktisch den Posten des Ministerpräsidenten einnahm. Die USPD erhielt ebenso zwei Ministerposten wie das Zentrum, die Fortschrittliche Volkspartei und die Nationalliberalen jeweils einen. Im Gegensatz zu den Arbeiter- und Soldatenräten erkannte der Großherzog die neue Regierung formal nicht an, nahm das Gremium angesichts der Lage und mangels eigener Handlungsoptionen aber hin. Einige von dem Matrosen Heinrich Klumpp zusammen mit einer Reihe von Kameraden auf das Karlsruher Schloss abgefeuerte Gewehrsalven reichten aus, damit der Monarch die Residenz fluchtartig durch den Schlossgarten verließ und sich nach Schloss Zwingenberg im Neckartal absetzte.

Die badischen Arbeiter-, Soldaten- und Volksräte organisierten am 21. und 22. November 1918 in Mannheim eine Landesversammlung aller Räte, die sich zum Vorparlament erklärte. Diese Landesorganisation mit untergeordneten Ausschüssen arbeitete parallel zu den eigentlichen Behörden unter der vorläufigen Regierung, wobei diese duale Struktur fast folgerichtig zu Streitigkeiten zwischen Räten und Regierung führen musste. Zwar waren in der Zwischenzeit die alten Minister der großherzoglichen Regierung zurückgetreten, indessen wartete man bislang vergeblich auf die überfällige Abdankung Großherzog Friedrichs II., der der neuen Regierung immer noch die formale Anerkennung verweigerte. Am 13. November begaben sich daher Anton Geiß und der ehemalige Minister Heinrich von Bodman nach Zwingenberg, wo sie den Großherzog zumindest dazu bewegen konnten, auf die Regierungsgewalt zu verzichten. Der Erosionsprozess der alten monarchischen Staatsform war indessen nicht mehr aufzuhalten. Am 14. November wurden in Baden die freie Volksrepublik proklamiert und für den Januar 1919 Wahlen für die Verfassunggebende Nationalversammlung festgesetzt. Friedrich II. war unterdessen zum Douglasschen Schloss in Langenstein im Hegau weitergereist, wo er am 22. November abdankte. Mit den Wahlen vom Januar 1919, aus denen das Zentrum als Sieger hervorging, und der drei Monate später erfolgten Verabschiedung der Verfassung hatte sich die Republik als neue Staatsform konsolidiert. Die badische Verfassung ist die einzige durch eine Volksabstimmung (13. April) bestätigte Verfassung der Weimarer Republik.

Thronverzichtserklärung König Wilhelms II. von Württemberg
Thronverzichtserklärung König Wilhelms II. von Württemberg, 30. Nov. 1918. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 743/1 Bü 1 Nr. 10

Mit der Verabschiedung der Verfassung verloren die Räte und ihre Organisationen mehr und mehr an Bedeutung. Am 18. August bestimmte die 6. Landesversammlung der Arbeiter-, Bauern-, Volks- und Soldatenräte die Auflösung aller Räte. Der Übergang von der Monarchie zur Demokratie hatte sich in Baden unblutig vollzogen. Der Großherzog war vergleichsweise geräuschlos von der politischen Bildfläche verschwunden, indessen blieben zahlreiche Liegenschaften in seinem Besitz, sodass er mit seiner Familie auch im Ruhestand ein durchaus mehr als bescheidenes Auskommen hatte.

Auch in Württemberg hatte die vierjährige Kriegszeit verheerende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung gehabt, die unter Mangelernährung und Epidemien zu leiden hatte. Noch bevor der revolutionäre Impuls von Norddeutschland her nach Württemberg vordringen konnte, war es – getragen von demokratischer Volkspartei, Sozialdemokraten, Zentrum und Nationalliberalen – am 6. November 1918 zu einem Teilrücktritt des Kabinetts unter Ministerpräsident Karl Freiherr von Weizsäcker gekommen. Auf maßgeblich von USPD/Spartakisten getragene Versuche, einen revolutionären Umsturz in Gang zu bringen, reagierte man mit Verhaftungen, was nun auch die SPD dazu bewog, sich massiv für eine Ablösung der Monarchie und die Errichtung einer demokratischen Staatsform starkzumachen. Am 9. November standen sich in Stuttgart dann die soeben erst vereidigten Minister der parlamentarischen Regierung unter Theodor Liesching (Volkspartei) auf der einen und die Aufständischen auf der anderen Seite gegenüber. Zahlreiche zentrale Punkte der Hauptstadt waren in der Hand der Aufständischen, die dort symbolisch die rote Fahne gehisst hatten. SPD, USPD, Gewerkschaften, Arbeiterrat und Soldatenrat einigten sich darauf, in Württemberg die Republik auszurufen und eine vorläufige Regierung zu bilden. Der noch im Wilhelmspalais verbliebene König Wilhelm II. wurde von Abordnungen des Soldatenrats zur Abdankung gezwungen und erhielt sicheres Geleit zum Jagdschloss Bebenhausen bei Tübingen. Wenige Wochen später, am 30. November 1918, verzichtete er als letzter deutscher Monarch endgültig auf den Thron.

Die Wahlen zur Verfassunggebenden Landesversammlung am 12. Januar 1919, aus denen mit MSPD, DDP und Zentrum die gemäßigten Kräfte als Sieger hervorgingen, verschafften der Regierung unter Wilhelm Blos (SPD) die demokratische Legitimierung. Im März 1919 wurde der Sozialdemokrat von der Landesversammlung zum Ministerpräsidenten gewählt, der die Amtsbezeichnung des Staatspräsidenten führte. Ein zweiter wesentlicher Schritt hin zur demokratischen Umgestaltung Württembergs war die Ausarbeitung einer Verfassung, der die Landesversammlung im April 1919 mit großer Mehrheit zustimmte. Damit verloren die immer noch bestehenden Arbeiter- und Soldatenräte an Einfluss. Das aus Baden bekannte Nebeneinander von Regierung und Räten war beendet.

Sowohl in Baden als auch in Württemberg hatte sich die Ablösung der Monarchie durch eine republikanische Staatsform unblutig vollzogen, sodass der neue demokratische Weg in beiden Staaten zumindest in dieser Hinsicht ohne schwerwiegende Hypotheken beschritten werden konnte. Dessen ungeachtet gerieten aber auch die beiden südwestdeutschen Länder in den Sog der allgemeinen Entwicklungen in der politisch und wirtschaftlich krisengeschüttelten Weimarer Republik. Die Gleichschaltungspolitik nach der nationalsozialistischen Machtergreifung setzte dann der staatlichen, demokratisch verfassten Eigenständigkeit Badens und Württembergs nach nur wenigen Jahren ein schnelles Ende.

Christof Strauß
Aus: Archivnachrichten 37 (2008), S. 4-5