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Die Stammtafel der Grafen von Montfort - Konservierung, Präsentation und historischer Hintergrund

Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart vom 24. November 2011 bis 13. Januar 2012

24.11.2011 - 13.1.2012

Stammtafel Montfort

Historischer Hintergrund

Im Rahmen eines Ausgleiches von Archivbeständen zwischen Baden-Württemberg und Bayern kam Ende 2010 die großformatige Stammtafel der Grafen von Montfort aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv München in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Hier befinden sich bereits die einschlägigen Archivbestände dieses einflussreichen Adelsgeschlechts. In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart konnte dieses stark beschädigte Kunstwerk fachgerecht restauriert werden und wird nun erstmals in neuem Glanz präsentiert. Das Werk besticht insbesondere durch seine aufwendige und prachtvolle Gestaltung. Alle dargestellten 285 Familienmitglieder sind mit Brustbildern porträtiert und mit Namen und Titel sowie dem jeweiligen Wappenschild zu finden. Ihre Darstellungen sind idealisierte Porträts. Vermutlich war lediglich die letzte Generation dem Künstler bekannt und wurde einigermaßen realistisch illustriert. Angebracht sind die Porträts an einem Baum, der in zahlreichen Verästelungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern emporwächst. Der weißhaarige Ritter, aus dessen Brust der Baum erwächst, stellt den Ahnherrn der Familie Montfort dar, Pfalzgraf Hugo Ⅱ. von Tübingen (†1182). Durch die Heirat Hugos mit Elisabeth, Gräfin von Bregenz, konnte dieser seine Herrschaft beträchtlich erweitern. Bis in das 18. Jahrhundert waren die Grafen von Montfort das bedeutendste Adelsgeschlecht der Bodenseeregion. Ihre Spuren hinterließen sie in Feldkirch oder Langenargen und herrschten über Bregenz und Tettnang, wo sie u.a. im Torschloss und im Alten Schloss residierten. 1780 jedoch wurde die Grafschaft wegen hoher Schulden ‒ die Grafen hatten sich u.a. bei der Errichtung prachtvoller Residenzen finanziell übernommen ‒ an Österreich verkauft.

Pfalzgraf Hugo II.

Porträts, Wappen & Gestaltung

Pfalzgraf Hugo Ⅱ. von Tübingen erbte durch seine Heirat mit Elisabeth die Grafschaft Bregenz sowie weiteren Besitz in Churrätien, Tettnang und Sigmaringen. 1171 gründete er das Kloster Marchtal. Neben dem Ahnherren, Pfalzgraf Hugo, liegt ein Schild mit dem Wappen der Grafenfamilie, einer roten Kirchenfahne auf silbernem Grund.

Friedrich II,, Heinrich III. und Wilhelm I.

Die Brüder Friedrich Ⅱ. († 1290, links), Heinrich III. († 1307, Mitte) und Wilhelm I. v. Montfort († 1301, rechts) hatten hohe geistliche Ämter inne. Friedrich und Heinrich amtierten im 13. Jahrhundert als Bischof bzw. Dompropst von Chur, Wilhelm war als Fürstabt von St. Gallen in die politischen Wirren des Interregnums verwickelt.

Graf Rudolf II. von Werdenberg-Sargans

Graf Rudolf II. v. Werdenberg-Sargans († um 1322) stammte aus einer Seitenlinie der Grafen Montfort. Ihm gelang es, seinen Besitz durch die Heirat mit der Erbtochter Adelheid v. Burgau zu vergrößern. Er erhielt 1289 die Herrschaft Alpeck, später erwarb er Schmalegg sowie die Vogtei über das Kloster Pfäfers.

Die problematische historische Deutung der Porträts zeigt sich beispielhaft an der Darstellung Adelheids v. Burgau mit dem württembergischen Wappen, das eigentlich ihrem Ur-Großvater, Graf Ludwig III. von Württemberg (*1166, † um 1241), zustand. Die Entstehung des Gemäldes kann um 1720 datiert werden. Die jüngsten Dargestellten sind Graf Ernst v. Montfort (1700-1759), sein Bruder Joseph (1696-1708) und Sebastian Ernst (1684-1724), deren Großcousin.

Wappen der Grafenfamilie

Über den konkreten Anlass für die Erstellung der Stammtafel kann nur gemutmaßt werden. Denkbar ist die Verwendung als Hochzeitsgeschenk des Grafen Ernst mit Antonia v. Waldburg-Scheer 1722, aus dekorativ-repräsentativem Zweck für eines der Montfortschlösser oder als Instrument einer dynastischen Selbstversicherung im Rahmen der Bemühungen der Familie um Aufnahme in den Reichsfürstenstand.

Unbekannter Künstler

Als Künstler nennt sich ein Montforter "gehorsamster Caplan", dessen Name jedoch so stark abgerieben ist, dass er nicht mehr lesbar ist.

Schadensbild Verwölbungen

Konservierung und Montierung

Bildträger / Malerei: Der Bildträger besteht aus einer sehr feinen gebleichten Leinwand. Für die Malerei wurden gängige Pigmente verwendet. Es sind zwei Ergänzungsphasen zu erkennen, bei denen sich der Malschichtaufbau unterscheidet. Die Qualität der Malerei ist sehr gut, mit Ausnahme der letzten Ergänzungsphase.

Schadensbild: Die Stammtafel wurde über einen längeren Zeitraum hinweg unsachgemäß, mit der Malschicht nach innen aufgerollt, gelagert. Unter Einwirkung von Feuchtigkeit entstanden besonders entlang der senkrechten Mittelachse starke Falten, Knicke und Verwölbungen. Diese wurden unter dem Eigengewicht des Bildträgers manifestiert. Die beschädigten Stellen wie Löcher und Risse wurden in der Vergangenheit rückseitig unsachgemäß mit Klebestreifen gesichert. Die Malschicht ist durch sehr viele Fehlstellen beeinträchtigt.

Konservierung Planierung

Konservierungskonzept: Die Bedeutung der Stammtafel der Grafen von Montfort liegt in ihrer Darstellung als historisches Dokument. Deshalb wurden keine Ergänzungen im Träger oder in der Malschicht ausgeführt. Nach Abnahme der rückseitig aufgeklebten Klebestreifen stellten sich einzelne Loch- und Rissränder auf, da hier die Eigenspannung durch die Beschädigung im Bildträger nicht mehr vorhanden war. Die Planierung der Knicke, Falten sowie Verwölbungen und Unebenheiten erfolgte partiell. Die entsprechenden Bereiche wurden befeuchtet und mit Gewichten beschwert. Die Malschicht wurde über weite Bereiche gefestigt. Die Sicherung des Trägers mittels einer rückseitig aufgebrachten Gaze gibt dem Bildträger Stabilität und Eigenspannung.

Konservierung Gaze

Konservierung / Präsentation:

Eine Aluminium-Waben-Platte bildet den neuen Träger. Um zu verhindern, dass sich im Laufe der Zeit durch das Eigengewicht des Stoffes inklusive Stammtafel Verformungen bzw. Ausbuchtungen bilden, wurde ein Baumwollstoff ganzflächig aufgeklebt. Die Stammtafel wurde lose aufgelegt und mittels der Magneten am Rand unter Spannung auf der Trägerplatte fixiert. Um das metallische Glänzen der Magnete zu kaschieren, wurden die Magnete farblich angepasst.

Die hier präsentierte Stammtafel ist in Bezug auf ihren historischen Quellenwert von großer Bedeutung, wenn sie auch gerade in Hinsicht auf illegitime oder weibliche Familienmitglieder Fehlbestände aufweist. Der besondere Wert liegt aber sicherlich in ihrer prachtvollen und aufwendigen Gestaltung. Die Geschichte der prominenten Grafenfamilie Montfort als eine Geschichte der Teilungen in einzelne Linien, die zum Bedeutungsverlust des Geschlechts führte, wird dem Betrachter in eindrucksvoller Bildhaftigkeit vor Augen geführt.