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Landesarchiv >> Staatsarchiv Sigmaringen >> Digitale Präsentationen >> Historische Ortsansichten im Staatsarchiv Sigmaringen >> Historische Ortsansichten: Bieringen (Rottenburg am Neckar, Lkr. Tübingen), Ansicht um 1605

Historische Ortsansichten: Bieringen (Rottenburg am Neckar, Lkr. Tübingen), Ansicht um 1605

Ausschnitt aus der Karte der Ritterschaftlichen Freien Pürsch in Schwaben am Neckar und im Schwarzwald (Signatur: Staatsarchiv Sigmaringen K I Sch/1) eines unbekannten Zeichners um 1605, 1705 kopiert von Johann Ulrich Stierlin, Zeugwart und Feldmesser auf Hohentübingen (1660–nach 1717)

Staatsarchiv Sigmaringen

Ausschnitt aus der Karte der Ritterschaftlichen Freien Pürsch in Schwaben am Neckar und im Schwarzwald, um 1605 (Signatur: Staatsarchiv Sigmaringen K I Sch/1)

 

 

Geschichtlicher Hintergrund

Die von Johann Ulrich Stierlin erstellte Karte ist – wie Rudolf Seigel 2005 nachweisen konnte – die Kopie einer von einem unbekannten Zeichner um 1605 gefertigten Karte der Pirschgenossen, die sich ursprünglich im Besitz des Ritterrats und Ausschussers Freiherr Georg Ludwigs von Closen auf Heidenburg zu Kilchberg und Mühlhausen am Neckar befand.

Die Federzeichnung zeigt das Gebiet, in welchem die Reichsritter des oberen Neckarraums, die Patrizier der vorderösterreichischen Landstädte Rottenburg und Horb sowie die hohenbergischen Beamten das Jagdrecht, die so genannte Pirsch, ausübten und an dessen nördlichem Rand es zu Grenzverletzungen durch Württemberg gekommen war. Dabei bietet sie für etwa 50 Dörfer, Burgen und Schlösser sowie die Städte Rottenburg und Horb die ältesten relativ genauen Ortsansichten.

Die 175 x 65 cm große Kopie war auf Bitten des Fürsten Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen angefertigt worden, der sie als Beweismittel im Reichskammergerichtsprozess gegen seine Untertanen verwenden wollte, die gegen ihn wegen der Aufhebung der Freien Pirsch in der Grafschaft Zollern geklagt hatten.

 


Besonderheiten

An einer Neckarbiegung im Gebiet der Einmündung der Starzel befindet sich der Ort Bieringen, der sich seit 1553 nach dem kinderlosen Tod des bisherigen Inhabers Hans von Ehingen im Besitz der Herren von Wernau befand und 1697 an die von Ow, dann an die von Attems und schließlich 1788 an die Freiherren von Rassler fiel. In Fließrichtung des Neckars findet sich auf dessen linker Seite ein Ortskern mit Kirche. Am Ortsende Richtung Obernau ist ein zweitürmiges Schloss mit umgebender Mauer zu sehen, welches das Wappen der Herren von Wernau trägt. Es wurde bereits durch Burkhard von Ehingen noch vor 1485 erbaut und vor 1753 abgebrochen.

Den Neckar aufwärts Richtung Sulzau steht ein – allerdings leerer – Galgen, hatte doch Hans von Ehingen seit 1545 die Blutgerichtsbarkeit inne, und auch seine Erben, die Herren von Wernau, bekamen 1569 den Blutbann über ihre Herrschaft.

Auf der anderen Seite des Neckars findet sich an der Starzel ein weiterer Siedlungskern, vielleicht der Vorläufer des jetzigen Ortes, mit einer kleineren Kirche, der heutigen Friedhofskapelle, deren Patrozinium auf der Karte mit St. Petrus angegeben ist. Offenbar war dies die ursprüngliche Pfarrkirche Bieringens, die bereits 1275 nachweisbar ist. Sie wurde 1405 dem Paulinereremitenkloster Rohrhalden übergeben und 1457 inkorporiert. Bei St. Petrus befand sich laut dem Eintrag auf der Karte auch eine Mühle, deren Mühlräder allerdings nicht erkennbar sind. Auch dieser zweite Siedlungsteil mit seiner erstmals 1466 erwähnten Mühle trägt auf der Karte das Wappen der Herren von Wernau.

Noch vor 1420 entstand auf der anderen Seite des Neckars die Kapelle St. Maria, wohl weil die Einwohner aufgrund der häufigen Überschwemmungen ihre Pfarrkirche St. Petrus nicht immer erreichen konnten. Zur Zeit der Entstehung der Karte scheint die Kapelle St. Maria auf der linken Neckarseite bereits die Funktion einer Pfarrkirche übernommen zu haben. Über eine mögliche Translation der Pfarrrechte ist jedoch nichts bekannt. Das ursprüngliche Patrozinium der so genannten Liebfrauenkapelle trat bald in den Hintergrund; die heutigen Kirchenheiligen sind Petrus und Paulus.

 

 

Literatur