
3.3.–4.6.2010
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Wandernde Scholaren und Pilger, Handwerker, Kaufleute und Händler, fahrende Sänger, Spielleute und Gaukler – sie alle bevölkerten die mittelalterlichen Reisewege. Von jenen beschwerlichen Tagen bis zur mobilen Gesellschaft der Gegenwart war es ein weiter Weg. Ein Weg, der geprägt war vom technischen Fortschritt, vom kontinuierlichen Ausbau des Verkehrsnetzes und nicht zuletzt von einem sich erweiternden Horizont des Reisens. In den Beständen des Hauptstaatsarchivs Stuttgart spiegelt sich die Entwicklung der Fortbewegung von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne auf vielfältige Weise. Viele bahnbrechende Innovationen kommen aus Südwestdeutschland. Bleibende Verdienste um die Mobilität erwarben sich Tüftler und Erfinder wie Albrecht Berblinger - der „Schneider von Ulm“ - und Ferdinand Graf von Zeppelin als Pioniere der Luftfahrt, Carl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn als Erfinder des lenkbaren Laufrades und auch Carl Benz, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach, die mit der Erfindung des Automobils das Verkehrswesen revolutionierten. Die Entwicklung der Verkehrsmittel und Infrastrukturen beschleunigte das Reisen, verbesserte den Reisekomfort und erweiterte den Bewegungsradius sowie den Kreis der Menschen, die dem Ruf der Ferne folgten. Auch die Motive des Reisens änderten sich im Laufe der Jahrhunderte: von Entdeckern und Bildungshungrigen, reisenden Staatsoberhäuptern und Edelleuten auf Kavalierstour, Erholungsuchenden, Weltenbummlern und Kurgästen bis hin zu den Massentouristen unserer Zeit.
I. Von „Schusters Rappen“ bis zum SilberpfeilDass Pferde in Stuttgart schon immer eine Rolle spielten, belegen der Name und das älteste Siegel der Stadt. Schon seit dem 15. Jahrhundert betrieben die Herzöge von Württemberg ein Gestüt, dessen Pferde für den Hof, das Militär und das Land bestimmt waren. Doch ein Großteil der Bevölkerung blieb, sofern er nicht über ein Kuh- oder Ochsengespann verfügte, auf „Schusters Rappen“ angewiesen. Mit der Postkutsche, die nicht nur Nachrichten und Güter, sondern auch Personen beförderte, war ab etwa 1650 das erste öffentliche Verkehrsmittel geboren.Einen regelrechten Innovationsschub brachte das 19. Jahrhundert. Der Einsatz von Dampfmaschinen in Schiffen und Lokomotiven, die Entwicklung von Motorrädern, Automobilen und Flugzeugen stehen für jene Dynamik, die das 20. Jahrhundert bestimmen sollte. Dadurch veränderte sich das Mobilitäts- und Reiseverhalten nachhaltig. |
II. Zu Wasser, auf dem Lande, in der LuftOb zu Fuß, zu Pferde, mit einem Fuhrwerk oder gar einer Kutsche – das Reisen war auf einfachen Pfaden und Wegen nicht nur langsam, mühevoll und gefährlich, sondern auch unbequem und teuer. Erst der Bau überörtlicher Chausseen seit dem 18. Jahrhundert und die Ausweitung der Postverbindungen führte zu einer Beschleunigung des Reisens. Weitere Fortschritte, die zu den Meisterleistungen der württembergischen Ingenieurskunst zählen, waren der Ausbau des Neckars zur Schifffahrtsstraße, die Verdichtung des Streckennetzes der württembergischen Eisenbahnen und der Bau der Reichsautobahn über die Schwäbische Alb. Die Einrichtung eines fahrplanmäßigen Luftverkehrs erfolgte 1925 mit dem Ausbau des seit dem Ersten Weltkrieg militärisch genutzten Fliegerhorsts in Böblingen zum Landesflughafen. |
III. Unterwegs ...In den archivalischen Quellen finden sich Wanderbücher und Geleitsverzeichnisse, Reiseberichte und Auswandererbriefe ebenso wie Fotografien aus der Fremde oder Karten, Pläne und Plakate von Erholungs- und Kureinrichtungen. Sie erzählen von Handwerksgesellen „auf der Walz“, von Kaufleuten auf dem Weg zur Frankfurter Messe, von weitgereisten Studenten, von Forschungsreisenden in fernen, exotischen Ländern, von herrschaftlichen Besuchen an Fürstenhöfen. |
Aber auch ein anderes Bild wird gezeichnet, wenn militärische Verbände das Land durchziehen und Menschen – von Armut und Verfolgung getrieben – ihr Glück in der Emigration suchen. Ihre Spuren sind in den Dokumenten greifbar, so etwa die Vertreibung jüdischer Familien aus der Reichsstadt Esslingen, der Aufenthalt griechischer Flüchtlinge im Stuttgart des 19. Jahrhunderts und die Situation von Amerika-Auswanderern in der neuen Heimat.
Öffnungszeiten:
Eintritt frei
Informationen und Vereinbarung Führungen, archivpädagogisches Programm, Begleitprogramm |