Badische Reformpsychiatrie im Internet
Patientenakten der Illenau online (Bestand B 821/2)
24.4.2009
Die im Jahre 1842 in der Illenau, unweit der badischen Amtsstadt Achern eröffnete medizinische Anstalt setzte mit ihrem Konzept des Landasyls Maßstäbe für eine humanere Praxis auf dem Gebiet der Psychiatrie.
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Sie wurde, auch dank ihrer komfortabel ausgestatteten Privatzimmer, zu einem weithin bekannten Ruheort für all die, die mit dem normalen Alltag nicht mehr zurechtkamen, die unter dem Zustand ihrer familiären oder beruflichen Umgebung wie auch der sozialen und politischen Wirklichkeit litten und daran zu zerbrechen drohten, darunter auch zahlreiche Angehörige des europäischen Adels.
Die Illenau diente bis ins Jahr 1940 als Heil- und Pflegeanstalt. Im Rahmen der nationalsozialistischen "Aktion T 4" wurde die Anstalt aufgelöst, 260 der 674 Patienten/innen nach Grafeneck verbracht, wo sie dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Auf Anweisung des Anstaltsleiters Dr. Hans Römer wurde ein weiterer Teil als "geheilt" nach Hause entlassen und die Übrigen auf andere Heil- und Pflegeanstalten, vor allem nach Emmendingen verteilt.
In die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen gelangten auch die Verwaltungs- und sämtliche Patientenakten.
Die in Emmendingen (heute Zentrum für Psychiatrie Emmendingen) verwahrten Unterlagen aus der Illenau gelangten im Jahre 1998 im Wege der Aktenaussonderung in das Staatsarchiv Freiburg. Neben dem Bestand B 821/1 mit den Gründungsunterlagen der Anstalt und den Personalakten der in der Illenau beschäftigten Ärzte, Pfleger und des sonstigen Personals, ist vor allem der vorliegende Bestand von großer medizinhistorischer Bedeutung. Die Patientenakten wurden im Staatsarchiv Freiburg konservatorisch behandelt und in einer Datenbank erschlossen. Insgesamt 27.008 Patientenakten und neun Akteneinheiten mit Fragmenten von Patientenakten sind in dem Bestand enthalten, der 109 lfd. m umfasst. Die Unterlagen, die keinen personenschutzrechtlichen Sperrfristen mehr unterliegen, stehen nunmehr im Online-Angebot des Landesarchivs zur freien Nutzung zur Verfügung.