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Landesarchiv >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Aktuelles der Abteilung >> Presse/Berichte >> Wendel Hipler - auf den Spuren eines hohenlohischen Revolutionärs.

Wendel Hipler - auf den Spuren eines hohenlohischen Revolutionärs.

Ein Heidelberger Hauptseminar besucht das Hohenlohe-Zentralarchiv

23.01.2009

Im Kartenraum
Im Kartenraum

Die vorletzte Sitzung des Hauptseminars WS 2008/09 von Prof. Huth, Universität Heidelberg, fand in Neuenstein statt. Die Teilnehmer wollten zu ihrem Seminarthema ",Oberrheinischer Revolutionär', ‚Neckartäler' und ‚Odenwälder Haufen'. Spätmittelalterliche Reformbewegungen und Aufstände in der Region" Quellen aufspüren, im Original ansehen und die verwahrende Institution, das Hohenlohe-Zentralarchiv, aus eigener Anschauung kennenlernen. Spezielles Thema der Exkursion am 23. Januar 2009 war Wendel Hipler. Hipler, Bauernführer von 1525, in Neuenstein geboren, war als Sekretär mehrerer Grafen von Hohenlohe sehr einflußreich geworden und hat nach dem Bruch mit den Hohenlohe engagiert mit Wort und Tat Partei für die aufständischen Bauern ergriffen. Er war der "Bauernkanzler" im Heilbronner Bauernparlament. Der Dozent war aus der Fachliteratur auf das Hohenlohe-Zentralarchiv aufmerksam geworden, denn die Anmerkungen zitierten zu Hipler fast durchweg Quellen aus Neuensteiner Beständen. So war die Idee zu einer Exkursion nach Neuenstein entstanden.

Unterschrift Hiplers
Unterschrift Hiplers aus einem seiner Briefe

Nach ihrer Ankunft erhielten die rund 20 Studenten zunächst eine Führung durch das Hohenlohe-Zentralarchiv. Sie sahen Magazinräume, den Nutzerraum und andere sonst nicht zugängliche Räumlichkeiten. Vielleicht zum ersten Mal erfuhren sie vom Adelshaus Hohenlohe, dessen Zersplitterung in zahlreiche Kleinterritorien, dem Wachsen von Archiven in den hohenlohischen Schlössern und der Zentralisierung der hohenlohischen Archive kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem erhielten sie Einblick in die Aufgaben eines Archives am Beispiel des Hohenlohe-Zentralarchivs. Am PC erfuhren sie, wie man allein schon durch die Online-Suche Dokumente zu Wendel Hipler finden kann. Und das innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Demonstration am PC
Demonstration der Online-Findmittel am PC

Die interessantesten Zeugnisse zu Hipler lagen schon bereit. So die bildliche Darstellung des ersten Dienstherren Hiplers, Graf Albrecht II. von Hohenlohe und Ziegenhain. Sie ist noch ganz vom Mittelalter geprägt. Oder die Urkunde, die berichtet, Hiplers Haus habe am "unteren Tor" gestanden, also unweit vom Schloss Neuenstein. Im Original bewundern konnte man auch ein Wachssiegel Hiplers aus der Zeit, als er sich schon selbstbewußt "Hipler von Vischbach" nannte und zwei Fische im Siegelbild führte. Interessant auch eine Beschreibung der dem Grafen Georg zugefallenen Gülten, die von Hipler "erkundet" worden waren. Außerdem hat Hipler dem Hohenlohe 300 Gulden, also das 15fache seines Jahresgehaltes, geliehen, was eine Urkunde dokumentiert. Der Betrag wurde zurückgezahlt, die Urkunde daraufhin zerschnitten (kassiert). In diesem ungültigen Zustand wird sie heute im Hohenlohe-Zentralarchiv verwahrt. Das waren nicht die einzigen Schulden der Grafen bei ihrem Sekretär. Hiplers Erben mußten wegen der verweigerten Rückzahlung der Schuld und der Einbehaltung der Zinsen bis vor das Reichskammergericht in Speyer gehen. Der Kampf lohnte sich, in den 50er Jahren des 16. Jh. beurkundete Kaiser Karl V. endlich die Verpflichtung der Hohenlohe zur Zahlung. Hinzu kamen Dokumente über Hiplers Wirken im Bauernkrieg, darunter der Grünbühler Vertrag, die Kapitulation der Hohenlohe vor den Forderungen der Bauern, wie es heißt, von Hipler ausgehandelt.

Vitrine
Archivalien zu Wendel Hipler in der Vitrine

Eines dieser Dokumente wurde mit den Studenten gelesen, wobei ihnen als Anfänger in der Schrift des 16. Jh. paläographische und sprachliche Hilfen und Erläuterungen gegeben wurden. Aller Anfang ist schwer. Bis erst einmal der Titel des Dokumentes entziffert war! Aber damit kannte man schon alle Buchstaben in ihrer spezifischen Schreibung der damaligen Zeit, Einzelne lasen zunächst Wortweise, dann Satzteilweise und zum Schluß gelang den Eifrigsten sogar schon ein ganzer Satz. Ein enormer Erfolg für die erste Stunde einer praktischen Leseübung!

Leseübung
Beim Lesen eines Hipler-Dokumentes

Die sich anschließende kleine Stadtführung sollte das "alte Neuenstein" vorstellen, so wie es zur Zeit Hiplers gewesen sein könnte. Tatsächlich existieren noch bauliche Spuren zu Hipler in Neuenstein. Das Schloss, das heute das Archiv birgt, war damals eine Burg, also wesentlich anders gestaltet. Immerhin findet sich noch der Eingang, über dem das Wappen Graf Albrechts III. angebracht ist, der zweite Dienstherr Hiplers. Dort muß damals der Eingang gewesen sein. Man besichtigte auch die Stelle, an der das Hiplersche Haus gestanden haben muß. Dann suchte man die Reste der alten Stadtmauer, die das mittelalterliche Neuenstein schützte, aber wirkungslos blieb, als die hohenlohischen Bauern in die Stadt einrückten, während Graf Albrecht III. gerade auf seiner Burg in Langenburg war. Die Stadtkirche birgt innen und außen Reste der mittelalterlichen Vorgängerkirche, die noch zur Zeit Hiplers als Pfarrkirche diente. Der untere Stock des Rathauses dürfte ebenfalls aus dem 16. Jh. stammen. Und schließlich zeigt auch der Bürgerturm das Wappen Albrechts III. und verdeutlichte damit jedem, der sich der Stadt näherte, wer hier um 1530 Herr war.

Führung durch das alte Neuenstein
Führung durch das alte Neuenstein: vor dem alten Rathaus

Zum Schluß blieb noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des Zuges nach Heidelberg. Das Neuensteiner Café stammt zwar nicht aus dem 16. Jh., bot aber angesichts des eher unwirtlichen Wetters einen schönen und wärmenden Abschluß für die Studenten des Heidelberger Hauptseminars.

Abschluß im Café
Krönender Abschluß im Café von Neuenstein