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Landesarchiv >> Generallandesarchiv Karlsruhe >> Angebote für Schulen und Gruppen >> Archivpädagogik >> 1. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik

1. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik

Archiv und Schule

17.03.2000

"Die Stadt- und Staatsarchive und die dort verwahrten Dokumente zur Landesgeschichte können und müssen in den Unterricht aller Schulformen intensiver einbezogen werden." Dieses Resümee zogen über 100 Teilnehmer der ersten Karlsruher Tagung zur Archivpädagogik, zu der das Generallandesarchiv Karlsruhe am 17. März 2000 eingeladen hatte. Unter dem Motto "Archiv und Schule" diskutierten Lehrer und Archivare, die z.T. auch aus der Schweiz und den benachbarten Bundesländern gekommen waren, die Chancen und Möglichkeiten, die die Archive im Rahmen des schulischen Bildungsauftrags eröffnen können. Grundsätzliche Überlegungen wurden durch Erfahrungsberichte aus der Praxis ergänzt.

Gerade die Erlebnisse aus der Praxis überraschten: Da wurden in Wort und Bild neugierige Kinderaugen, die spannende Dokumente, schöne Karten und ehrwürdigen, alten Urkunden geradezu verschlingen, ebenso dokumentiert wie nachdenkliche Schülergesichter, die Prozeßakten gegen Demokraten aus ihrer Heimatgemeinde studierten.

Archive und Schulen können Partner bei der Gestaltung des landeskundlichen Unterrichts sein. Prof. Maria Würfel, die im Auftrag von Landesarchivdirektion und Kultusministerium unter dem Titel "Erlebniswelt Archiv" eine Handreichung für Lehrer erarbeitet [Erscheinungstermin Herbst 2000], stellte anhand eindrucksvoller Beispiele vor, wie durch eine pädagogische Aufarbeitung lokaler Quellen bei Schülern eine tieferes Verständnis für die Geschichte geweckt werden kann. Die Resonanz aus dem Publikum zeigte, daß für solche Hilfsmittel ein großer Bedarf besteht, um die teilweise noch bestehenden Schwellenängste vor den Archiven zu überwinden. Archivbesuche sollten aber nicht nur als erfreuliche Möglichkeit der medialen Unterrichtsbelebung, sondern als gesellschaftspolitischer Auftrag begriffen werden, forderte Dr. Clemens Rehm vom Generallandesarchiv Karlsruhe. Denn aus den erstmals 1794 formulierten "archivischen Menschenrechten" und dem in den Archivgesetzen von Bund und Ländern verankerten Zugangsrecht für Jedermann ergäben sich für Archivare und Lehrer bisher zu wenig in den Blick genommene Verpflichtungen: Es muß dafür gesorgt werden, daß dieses Zugangsrecht als Recht überhaupt bekannt wird. "Wie soll jemand ein Archiv benutzen können?" - so Rehm -, "wenn er weder weiß, wo ein Archiv ist, noch weiß, was da eigentlich passiert, und erst recht keine Ahnung hat, daß dort Unterlagen sind, die für sein Leben relevant sein könnten"?

Wie die Umsetzung dieser Forderung aussehen könnte, beschrieben die Lehrer Helga Heitz, Rainer Gutjahr sowie die Archivare Dr. Kurt Hochstuhl vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart und Prof. Konrad Krimm vom Generallandesarchiv Karlsruhe. Das Hauptstaatsarchiv wurde zum ?Lernort Archiv?, wo eine umfangreiche Liste ausgewählter Dolumente dem Archiv ermöglichte, den Schulen zu einem Lehrplanthema (z.B. 1848/49) jeweils Quellen aus ihrer Region mit entsprechenden Lesehilfen vorzustellen. Die Erfahrungen mit Grundschulklassen (Fr. Heitz) zeigten, daß die Furcht vor einer Überforderung von 8-10jährigen unbegründet ist. Im Gegenteil, sie waren fasziniert und konnten z.B. anhand von Karten Bezüge zu ihrer eigenen Lebensumgebung herstellen. Ebenso begeistert zeigten sich Gewerbeschüler, deren Projekt, verlorengegangene Möbel anhand von archivischen Plänen nachzubauen, Prof. Krimm den Zuhörern veranschaulichte.

In der Schlußdebatte war es keine Frage, daß die Archivbenutzung über die Zielgruppe der Oberstufenschüler hinaus ausgedehnt werden kann und muß. Ebenso erwünscht wären die in anderen Bundesländern selbstverständlichen Archivpädagogen, die gleichermaßen in Schule und Archiv arbeiten. Doch vorerst bleibt dieser Bereich dem freiwilligen Engagement der Beteiligten überlassen, für das der Präsident der Landesarchivdirektion Prof. Schöntag dankte, verbunden mit der Bitte bei der Bewätigung dieser wichtigen Aufgabe nicht nachzulassen. Vielleicht dachte er an den Satz eines Viertklässlers, der geschrieben hatte: "Ich war im Archiv, jetzt weiß ich mehr als mancher Mensch."

Dr. Clemens Rehm, Generallandesarchiv Karlsruhe