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Aktuelles >> Veranstaltungen, Ausstellungen, Termine >> Unterlagen der Nachkriegszeit

Unterlagen der Nachkriegszeit

Kolloquium der Landesarchivdirektion und des Staatsarchivs Ludwigsburg im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg

Tagungsbericht von Nicole Bickhoff

Bad Rappenau

Unterlagen der Nachkriegszeit als Quellen zur Geschichte des Dritten Reiches war das Thema des archivfachlichen Kolloquiums, das die Landesarchivdirektion Baden-Württemberg zusammen mit dem Staatsarchiv Ludwigsburg im Rahmen der Heimattage in Bad Rappenau veranstaltete. Vorgestellt wurden zentrale archivische Bestände, die für die Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus von herausragender Bedeutung sind.

Stephan Molitor (Staatsarchiv Ludwigsburg) widmete seinen Beitrag den Spruchkammerakten, der Überlieferung zur Entnazifizierung. Grundlage für die Entnazifizierung in den Ländern der US-Zone war das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946. Jede Bürgerin und jeder Bürger über 18 Jahre hatte einen so genannten Meldebogen auszufüllen, um Auskunft zu geben über politische Tätigkeiten und Mitgliedschaften in NS-Organisationen. Zur Durchführung der Entnazifizierung wurden die Spruchkammern als Laiengerichte errichtet. Das Staatsarchiv Ludwigsburg als zuständiges Archiv für den Regierungsbezirk Stuttgart verwahrt über 1 km Akten zur Entnazifizierung, neben den Meldebögen und Akten der 25 Heimatspruchkammern in Nordwürttemberg und deren Verwaltungsakten auch die Unterlagen der in und um Ludwigsburg angesiedelten Interniertenlager. Die Spruchkammerakten, die Fragebogen, Zeugenaussagen, Protokolle der Verhandlungen der Spruchkammern, den Spruch und teilweise auch Originalunterlagen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 enthalten, stellen eine ganz wesentliche Ersatzüberlieferung dar für die zum großen Teil vernichteten Unterlagen aus der Zeit des Dritten Reiches, erklärte Molitor. Allerdings sei an diese Quellen, die zu einem ganz bestimmten Zweck entstanden sind, mit einem angemessenen Gebot an Quellenkritik heranzugehen.

Für die regionale und lokale Forschung zur Geschichte des Nationalsozialismus sind auch die Akten der Wiedergutmachung, die Martin Carl Häußermann (Staatsarchiv Ludwigsburg) vorstellte, eine unverzichtbare Quelle. Die Wiedergutmachung umfasst zwei Komplexe: die Rückerstattung und die Entschädigung. Während sich die Rückerstattung nur auf feststellbare Vermögenswerte bezog, wurden Schäden an Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit, Eigentum, Vermögen oder im wirtschaftlichen Fortkommen durch das Entschädigungsgesetz von 1949 geregelt. Die Überlieferung des für die Abwicklung der Entschädigung zuständigen Landesamtes für die Wiedergutmachung Stuttgart umfasst ca. 35.000 Einzelfälle. Die Akten zur Rückerstattung enthalten den Antrag auf Rückerstattung mit der Auflistung der entzogenen Vermögenswerte, Belege und Zeugenaussagen, auch Bilanzen und Steuerunterlagen, Kaufverträge und Versicherungspolicen. Eine Rekonstruktion des wirtschaftlichen Verhaltens und des Vermögens der jüdischen Bürgerinnen und Bürger könne ohne die Rückerstattungsakten nichterfolgen, sagte Häußermann. Anhand der Entschädigungsakten lassen sich die Verfolgungsmaßnahmen, aber auch Widerstände gegen diese belegen. Darüber hinaus dokumentieren Rückerstattungs- wie Entschädigungsakten auch den Umgang mit der Wiedergutmachung und der Zeit des "Dritten Reiches" in den fünfziger Jahren.

Seit April 2000 ist die in Ludwigsburg angesiedelte Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in einem Zwei-Behörden-Modell auch Außenstelle des Bundesarchivs. Heinz-Ludger Borgert, der Leiter der Außenstelle Ludwigsburg des Bundesarchivs, verdeutlichte die Aufgaben der Zentralen Stelle und die daraus erwachsenen Unterlagen. Aufgabe der Zentralen Stelle war und ist noch die Aufklärung derjenigen Verbrechen, für die im Bundesgebiet ein Gerichtsstand des Tatorts nicht gegeben ist und die im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen gegenüber Zivilpersonen und außerhalb des Bundesgebiets in Konzentrationslagern und ähnlichen Lagern begangen worden sind. Dazu sollte sie das erreichbare Material sammeln, sichten und auswerten. Das Ergebnis sind insgesamt über 500 000 Dokumente, die aus der Sammlungstätigkeit erwachsen sind und deren Originale überwiegend bei der Auswertung ausländischer Archive aufgefunden wurden, des weiteren Vorermittlungsverfahren sowie umfangreiche Karteien. Die Zentralkartei, die als alphabetische Kartei, Ortskartei und Einheiten (Dienststellen-)Kartei geführt wird, umfasst über 1,6 Millionen Karten.

Susanne Schlösser vom Stadtarchiv Heilbronn schilderte die Spurensuche nach Zwangsarbeitern in einem stark kriegszerstörten Archiv. Trotz der Verluste sind im Stadtarchiv noch Originalquellen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 vorhanden, in denen sich Hinweise finden, etwa Lohnsteuerlisten, Arbeitsbücher ehemaliger Zwangsarbeiter/innen, Firmenunterlagen, die auch Lohnstammkarten oder Lohnprüfkarten von Zwangsarbeitern enthalten, Abrechnungslisten von Krankenhäusern oder Bauakten, in denen die Errichtung von Baracken zur Unterbringung von Zwangsarbeitern dokumentiert werden. Wichtige Quellen der Nachkriegszeit sind vor allem die Ausländersuchkartei, die aufgrund der Ausländersuchverfahren angelegt wurde, sowie Unterlagen über Lager für "Displaced Persons". Diese Quellen seien wichtig und hilfreich, um Nachweise im Rahmen der Entschädigung der Zwangsarbeiter erbringen zu können, sagte Schlösser, sie gäben aber wenig Auskunft über die Lebensumstände der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Um die Lebensumstände zu dokumentieren, seien daher auch Zeitzeugenberichte wichtig. - Die lebhafte Diskussion im Anschluss an die Vorträge belegte die Aktualität des Themas.