Landeswappen Baden-Württemberg

Aktuelle Hinweise

Ausstellungen

Veranstaltungen

Presse/Berichte

Neue Publikationen

Laufende Projekte

Nachrichtenarchiv

Unser Selbstverständnis

Landesarchiv

Aufgaben und Dienstleistungen

Rechtsgrundlagen

Organisation

Ansprechpartner/innen

Projekte

Jahresberichte

Publikationen

Ausbildung

Vergabeverfahren

Stellenausschreibungen

Wie nutzen Sie das Landesarchiv?

Was finden Sie wo?

Erste Zugänge

Angebote für Schulen und Gruppen

Nutzung gesperrter Archivalien

Arbeitshilfen und Dienstbibliotheken

Rechtsgrundlagen und Formulare

Öffnungszeiten

Präsentationen und Inventare

Landeskunde entdecken online (LEO-BW)

Württembergisches Urkundenbuch Online

Auswanderung aus Südwestdeutschland

Klöster in Baden-Württemberg

Landesforschung und Landesbeschreibung

Quellen und Themen für den Unterricht

Aktenaussonderung

Elektronische Systeme

Historischer Wert

Ihr Landesarchiv

Ansprechpartner im Archiv

Rechtsgrundlagen

Übergabeverzeichnisse

Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Digitale Präsentationen >> Archivale des Monats 2000–2010 >> Archivale des Monats Dezember 2001

Archivale des Monats Dezember 2001

An das liebe Christkind im Himmelreich. Weihnachtswünsche adeliger Kinder vor hundert Jahren

Im Archiv der Herzöge von Urach, das im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt ist, finden sich zwei Aktenbüschel mit Wunschzetteln der Kinder Herzog Wilhelms II. von Urach (1864 - 1928) aus den Jahren 1906 bis 1916.

Kolorierter Wunschzettel Albrechts von Urach (1903 - 1969) von 1915

Neben einfachen, unbedruckten Notizzetteln sind darunter auch kleine Bögen mit kolorierten Zeichnungen weihnachtlicher Motive und vorgedruckte Wunschzettel für das liebe Christkind erhalten, die in Stuttgarter Spielzeuggeschäften erhältlich waren und sich bei Faltung in einen frankierten Brief mit der Außenadresse An das liebe Christkind im Himmelreich verwandelten. Bei einigen der Wunschzettel ist das Geschäft angegeben: G. Mayer, Königlicher Hoflieferant, Stuttgart, Spielwaren - Sporerstraße 5.

Als Archivale des Monats stellt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart in der Vorweihnachtszeit aus diesen Büscheln folgende Stücke aus:

Vorbedruckter Wunschzettel der Margaretha von Urach (1901 - 1975)
Ich wünsche mir zu Weihnachten 1909 vom lieben Christkind folgendes:
Einen Leiterwagen
einen Zirkus zum Ausschneiden,
ein Geschichtenbuch
Ausschneidebogen,
eine Meierei mit Häusern und Tieren (von Onkel Karl,)
ein Luftschiff
einen kleinen Rosenkranz,
Farbstifte.
Geschrieben von Margarete.
Stuttgart, 6. Dezember 09.

Als Brief gefalteter Wunschzettel mit der Anschrift "An das liebe Christkind im Himmelreich".

Kolorierter Wunschzettel Albrechts von Urach (1903 - 1969) von 1915
Zu Weihnachten wünsche ich mir
1.) Ein Bild vom Krieg.
2.) Puppen für das Käsperletheater.
3.) Sachen für Soldaten zum fortschicken und im Spital austeilen.
4.) Wenn es noch reicht, dann noch ein Puzzle.
Albrecht

Kolorierter Wunschzettel der Firma G. Mayer, Königlicher Hoflieferant, Stuttgart, Spielwaren

Die ausgestellten Wunschzettel sind nicht nur Zeugnisse individueller Biografien, sondern zugleich Quellen der Kulturgeschichte von besonderem Wert. Sie lassen für den Adel ein Stück "Geschichte der Kindheit" zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachvollziehen. Die Kinderwünsche, die hier greifbar sind, können sicherlich als repräsentativ betrachtet werden. Neben quasi zeitlosen Geschenken sind zeittypische Einflüsse deutlich zu erkennen: im Luftschiff, das sich 1909 bemerkenswerterweise ein Mädchen wünscht, sowie vor allem im Bild vom Krieg und den Sachen für Soldaten zum fortschicken und im Spital austeilen von 1915. Dass sich ein Jahr nach Ausbruch des 1. Weltkriegs in einer Epoche, in der die Kindermode vom Matrosenanzug geprägt war, das Thema Krieg in den Weihnachtswünschen adeliger Kinder in dieser Weise niederschlägt, ist sicherlich aus der für das Selbstverständnis des Adels konstitutiven sozialen Verpflichtung zu erklären, die in der Erziehung vermittelt wurde. Den kommerziellen Interessen des Spielwarenhandels - man hatte offensichtlich erfolgreich das Werbemittel "vorbedruckter Wunschzettel" eingesetzt - entsprach diese soziale Komponente sicher nicht.

Dass sich im Archiv der Herzöge von Urach, einer Nebenlinie des Hauses Württemberg, Weihnachtswunschzettel der Kinder erhalten haben, ist unter dem Gesichtspunkt archivischer Überlieferungsbildung als überaus glücklicher Umstand zu betrachten. Unterlagen dieser Art sind nicht in staatlichem Schriftgut zu erwarten, sondern können in der Regel nur in Privatarchive eingehen. Das Beispiel zeigt, wie relevant nichtstaatliches Archivgut für die Forschung sein kann und wie wichtig es ist, solches Archivgut auf Dauer zu erhalten und zugänglich zu machen. Eine der Möglichkeiten dafür ist die Hinterlegung des Privatarchivs unter Eigentumsvorbehalt in einem staatlichen Archiv. Dieser Weg wurde auch vom Haus Urach für sein Archiv gewählt, das bis 1987 auf dem 1840/41 von Herzog Wilhelm I. von Urach erbauten Schloss Lichtenstein am Albrand über dem Echaztal verwahrt war und seitdem als Depositum im Hauptstaatsarchiv Stuttgart betreut wird.

Einen zentralen Teilbestand dieses Archivs stellen die Unterlagen Herzog Wilhelms II. von Urach dar, die in einem von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg geförderten Projekt erschlossen werden konnten; diesem Teilbestand entstammen auch die als Archivale des Monats gezeigten Stücke (HStAS GU 117 Büschel 1173 und 1312). Das im Projekt erarbeitete Findbuch wird mit diesen ausgestellt.