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Positionierung und Profilierung von Archiven neben und mit anderen Kulturinstitutionen

62. Südwestdeutscher Archivtag 2002 in Mosbach

2002-05-10 00:00:00

Mosbach im Odenwald

Die Stadt Mosbach im Odenwald war vom 10. bis 12. Mai 2002 Gastgeberin des 62. Südwestdeutschen Archivtags. Zum Auftakt bot der plastische Abendvortrag des Gründungsvorsitzenden des Mosbacher Geschichts- und Museumsvereins, Bruno König, interessante Einblicke in die lokale Geschichte.

Am Samstagmorgen begann mit rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Fachprogramm, das dem Thema "Positionierung und Profilierung der Archive neben und mit anderen Kulturinstitutionen" gewidmet war. In seiner Eröffnungsansprache formulierte Tagungspräsident Dr. Robert Kretzschmar, Leiter des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, die Leitfrage der Tagung: Wie können es Archive - als Institutionen, die das Kulturgut "archivische Überlieferung" betreuen und bilden - erreichen, dass sie mit ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion als Kulturinstitution wahrgenommen werden? Kretzschmar skizzierte die veränderten Rahmenbedingungen, unter denen sich die Archive derzeit positionieren müssen, wobei er insbesondere auf die von den Museen gesetzten Standards einer professionellen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit hinwies und den durch die Verknappung öffentlicher Haushaltsmittel entstandenen "heilsamen Druck" auf die Archive, sich ein positives öffentliches Image zuzulegen. Die Umsetzung der archivischen Aufgaben könne langfristig nur durch eine aktive und professionelle Werbung für archivische Dienstleistungen und Produkte gesichert werden. Vor dem Beginn der Fachvorträge dankte Dr. Kretzschmar dem scheidenden Präsidenten des südwestdeutschen Archivtages, Dr. Ernst Otto Bräunche, Leiter des Stadtarchivs Karlsruhe, für sein Engagement und gab die Wahl Dr. Kurt Hochstuhls, Leiter des Staatsarchivs Freiburg, zum neuen Präsidenten bekannt. Grußworte sprachen Wissenschaftsminister Prof. Peter Frankenberg, der Mosbacher Oberbürgermeister Gerhard Lauth, Prof. Dr. Volker Wahl als Vorsitzender des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare sowie Dr. E. Persoons vom Algemeen Rijksarchief Brüssel für die ausländischen Archivtagsteilnehmer.

Am Vormittag standen zunächst vier Beiträge aus dem Bereich der kommunalen Archivarbeit auf dem Programm. Dr. Christhard Schrenk und Peter Wanner M.A. vom Stadtarchiv Heilbronn berichteten aus ihren Erfahrungen bei der historischen Bildungsarbeit. Sie betonten die positiven gesellschaftspolitischen Effekte publikumswirksamer Bildungsarbeit, die erheblich dazu beitrage, die eigentlichen archivarischen Kernaufgaben in der Öffentlichkeit zu legitimieren und dem Stadtarchiv eine Existenz weit über den "gesetzlichen Mindestumfang" hinaus zu sichern. Auch habe die erhöhte Präsenz in der städtischen Kulturarbeit zu vermehrten Schenkungen von Nachlässen und Dokumenten aus der Bevölkerung an das Archiv geführt.

Diesen positiven Effekt konnte Dr. Michael Martin, der Leiter des Stadtarchivs Landau, in seinem Referat bestätigen. Der weitgehend in Eigenarbeit erstellte Filmbeitrag des Stadtarchivs zum "Rheinland-Pfalz Tag 2001" in Landau, den er in Ausschnitten vorführte, habe zu einem spürbar höheren Bekannheitsgrad des Stadtarchivs im öffentlichen Bewusstsein geführt.

Dr. Susanne Asche vom Stadtarchiv Karlsruhe stellte das Projekt "Gedenkbuch für die Karlsruher Juden" vor, das einen aktiven Beitrag zur städtischen Gedenkkultur leisten soll. Für jedes Opfer sollen Karlsruher Bürger die Biographie recherchieren und verfassen. Die Ergebnisse werden sukzessive in einer Internet-Datenbank veröffentlicht und einem langsam anwachsenden Buch zusammengefasst. Die sehr lebhafte Diskussion drehte sich vor allem um Fragen zum Datenschutz, zum Problem der Subjektivität der von Nicht-Historikern verfassten Biographien und um die Gefahr einer möglichen Vereinnahmung der Toten durch die Interessen der Gegenwart.

An der Präsentation des Projekts "Nationalsozialismus in Linz" durch Dr. Fritz Mayrhofer, Leiter des Stadtarchivs Linz, wurde deutlich, dass auch eine breit angelegte wissenschaftliche Forschungsarbeit ein Ausgangspunkt für die Positionierung und Profilierung eines Archivs sein kann. Den Erfolg, messbar am großen Medieninteresse im In- und Ausland sowie am raschen Ausverkauf der wissenschaftlichen Publikation, führte Dr. Mayrhofer insbesondere auf eine gelungene PR-Arbeit zurück.

Andreas Kellerhals vom Schweizerischen Bundesarchiv Bern berichtete über Erfahrungen und Lernprozesse bei den jährlichen Ausstellungen des Schweizerischen Bundesarchivs seit 1995. Mittlerweile konzentriert sich das Bundesarchiv auf den inhaltlichen Bereich der Ausstellungen; für alle anderen Bereiche werden professionelle Anbieter hinzugezogen. Eine professionalisierte Ausstellungsarbeit könne als "return of investment" an die "Freizeitgesellschaft" verstanden werden.

Am Nachmittag präsentierten Dr. Ernst Otto Bräunche vom Stadtarchiv Karlsruhe und Dr. Clemens Rehm vom Generallandesarchiv Karlsruhe kurz das archivspartenübergreifende baden-württembergische Kooperationsprojekt "Wanderungsbewegungen im Umfeld der Revolution von 1848/49", das von den Arbeitsgemeinschaften der Stadtarchive und Kreisarchive sowie der staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg und der Universität Karlsruhe getragen wird und das die Erstellung einer Auswanderer-Datenbank vorsieht. Eine detaillierte Projektvorstellung wird auf dem diesjährigen Deutschen Archivtag in Trier erfolgen. Rehm stellte dabei auch die aus staatlichen Unterlagen erstellte Auswandererdatenbank zur Auswanderung aus dem deutschen Südwesten vor, die auf den von Hans Glatzle und Wolfgang Müller erarbeiteten Auswanderer-Dokumentationen beruht und im Laufe des Jahres im Internet verfügbar sein wird.

Die beiden folgenden Vorträge boten Gelegenheit, die Erfahrungen anderer Kulturinstitutionen bei der Positionierung und Profilierung kennen zu lernen - zum Vergleich und möglichen Transfer auf die Archivwelt. Hannelore Jouly, ehemalige Leiterin der Stadtbücherei Stuttgart, berichtete, wie die Stadtbücherei in den 1990er Jahren erfolgreich ihr negatives öffentliches Image überwunden hat. Bilanzierend wies sie auf die positiven Wechselwirkungen zwischen guter Medien- und Benutzerresonanz, motivierten Mitarbeitern, Anerkennung bei vorgesetzten Behörden und Imagegewinn der Institution hin.

Dr. Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, widmete sich den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen der vom Haus der Geschichte und den Archiven geleisteten Arbeit für die Sicherung landesgeschichtlich relevanter Überlieferung und die Förderung landesgeschichtlichen Interesses. Er schloss mit den Wünschen für eine zukünftige gute Zusammenarbeit sowohl im praktischen Bereich als auch auf gesellschaftspolitischer Ebene beim "Kampf um die Bedeutung der Landesgeschichte".

In seinem abschließenden Grundsatzreferat fragte Dr. Peter Müller, Leiter des Staatsarchivs Wertheim, nach den zeittypischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Positionierung der Archive, nach Ansatzpunkten für ein positiveres Image und nach den für die Profilierung notwendigen zukünftigen Schritten. Insgesamt sah er gute Chancen für die Archive, sich eigenständig neben anderen kulturellen Einrichtungen und nicht nur als reine "Informationsdienstleister" behaupten zu können. Voraussetzung seien allerdings die Bereitschaft zur Öffnung für ein breiteres Publikum, zu einer konsequenten Nutzung der Neuen Medien, der Mut, neue Wege zu gehen und die Orientierung an ansprechenden, "lebensnahen" Themen.

Dr. Kretzschmar, der in einem Resümee die Ergebnisse der Tagung zusammenfasste, schloss sich dem - wie er formulierte - "kritischen Optimismus" von Dr. Müller an und wies darauf hin, dass es sich bei der Profilierung und Positionierung um eine kontinuierliche Herausforderung handelt, bei der es immer wieder erforderlich ist, den eigenen Standort kritisch zu reflektieren, Bewährtes neu zu evaluieren, Neues zu erproben und das eigene spezifische Profil weiter zu entwickeln. Bloße Effekthascherei werde auf die Dauer wenig bewirken. Die Tagung habe gerade gezeigt, dass die ernsthafte wissenschaftliche Arbeit ein Teil der öffentlich wirksamen Aktivitäten von Archiven bleiben muss und breite Anerkennung finden könne.

Abends wurden die Tagungsteilnehmer von Oberbürgermeister Gerhard Lauth im Foyer der "Alten Mälzerei" empfangen. Die Exkursion am Sonntag unter der Leitung von Dr. Albrecht Enrst vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart hatte "Kirchen, Burgen und Schlösser im Neckartal" auf dem Programm. Bei anhaltendem Regenwetter ging es zunächst zur Gutleuthausanlage Mosbach, dann weiter zum Wasserschloss Lohrbach, Tempelhaus Neckarelz, Deutschordenschloss Horneck (Gundelsheim), zur Burg Guttenberg (Neckarmühlbach) und zur Notburgakirche Hochhausen.

Stuttgart, Miriam Zitter