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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Frisch entstaubt >> "Nicht jeder ist seines Glückes Schmied - Geschichte Eduards des Unglücklichen, Ersten Vorstands des Staatsfilialarchivs Ludwigsburg"

"Nicht jeder ist seines Glückes Schmied - Geschichte Eduards des Unglücklichen, Ersten Vorstands des Staatsfilialarchivs Ludwigsburg"

Von Maria Magdalena Rückert

Porträt von Eduard von Seckendorff

Mit den im Titel genannten Worten überschreibt Eduard von Seckendorff (1813-1875), der erste Leiter des 1868 im Ludwigsburger Schloss eingerichteten württembergischen Staatsfilialarchivs seine fragmentarisch gebliebene Autobiographie. Sie ist im Nachlass des als Dichter hervorgetretenen Archivars überliefert. Dieser wiederum wurde als Teil des Gutsarchivs Unterdeufstetten im Staatsarchiv Ludwigsburg erschlossen.

Im Archiv des Ritterguts Unterdeufstetten, das 1784 an die Familie von Seckendorff-Gutend kam, werden neben Unterlagen der Gutsverwaltung zahlreiche persönliche Dokumente der Rittergutsbesitzer und ihrer näheren Verwandtschaft aufbewahrt. Zu nennen sind etwa der geheime Rat und preußische Staatsminister Christoph Carl Ludwig von Pfeil (1712-1784) oder der 1944 in Nürnberger Gestapohaft umgekommene Landeskirchendirektor Friedrich von Praun (1888-1944), Ehemann der letzten Erbin des Ritterguts, Irene von Seckendorff.

Der Nachlass ihres Großvaters Eduard von Seckendorff hebt sich dadurch vom übrigen Schriftgut ab, dass es die bisher der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Dichtungen des im württembergischen Staatsdienst stehenden Archivars und Gutsbesitzers umfasst. Seine literarische Hinterlassenschaft reicht von Gelegenheitsgedichten über Württembergica - etwa einer Reimchronik über Herzog Ulrich - zu Themen der Antike und der großen Weltliteratur.

Bereits als Student in Tübingen veröffentlichte er 1834 unter dem Pseudonym "Odoardo" das Trauerspiel "Der Irre" und verfasste etwa angelehnt an Victor Hugos "Derniers jours d'un Condammé" das Drama "Die letzten Tage eines (Rechts-)Kandidaten". Berühmtheit in weiteren Kreisen erlangte von Seckendorff mit seiner 1843 erstmals veröffentlichten geistreichen Parodie auf Schillers "Glocke". Dieser "Civil-Proceß" bietet eine wirklichkeitsnahe und selten schöne Anschauung vom Gerichtsalltag und der Rechtspflege in der Biedermeierzeit, weshalb er bis heute nachgedruckt wird.

Abbildung des Titelblatts von Seckendorffs Parodie "Civil-Proceß"

"Die Parteien sind gewärtig
Auf des Richters Spruch gespannt
Heute sei das Urteil fertig!
Auf Skabinen! Seid zur Hand!
Tiefer Weisheit voll
Sei das Protokoll,
Soll der Spruch den Richter loben
Doch die Nase kommt von oben."

Was zunächst als heiterer und einfallsreicher Studentenulk erscheint, verrät bei genauerem Hinsehen etwas von den Opfern, die Generationen von Eltern gebracht haben, um ihren Söhnen den Weg durch das Rechtsstudium und den Eintritt in den Dienst des Staates, der bis in das späte 19. Jahrhundert das "Abnahmemonopol" für Juristen hatte, zu ermöglichen. Armut und Assessorenelend waren auch von Seckendorff nicht fremd, der bald einsehen mußte, dass er von der Dichtkunst nicht leben konnte und sich deshalb wiederholt im Staatsdienst bewarb, wo der Jurist schließlich als Archivar eine Anstellung fand.

Es liegt daher nahe, dass auch sein Arbeitsplatz im Ludwigsburger Schloss und die Stadt Ludwigsburg Eingang in seine Dichtungen fanden. Im Gedicht "Die Merkwürdigkeiten Ludwigsburgs" schildert er die Ankunft am Ludwigsburger Bahnhof, wo ihm schon der Cicorienduft entgegenströmt, und beschreibt den Weg vorbei an Schillerstraße und Arsenal bis hin zum Residenzschloss, von dem es heißt:

"Emichsburg und Seen und Bäume,
sind nur schön zur Sommerszeit,
für des Schlosses schöne Räume
ist dir ein Kastellan bereit.
Nimmer schweift durch diese Räume
eines Herzogs Heldengeist,
hohe Leichen zu betrauern,
keine weiße Frau sich weist.
Aber Aktengeister bleiche,
von des Staubes Wolk' umschwebt,
steigen aus dem Schattenreiche,
draus ein Archivar sich hebt."

Auszug aus der handschriftlichen Fassung des Gedichts "Die Merkwürdigkeiten Ludwigsburgs"

Seine Selbstbezeichnung als "Eduard der Unglückliche" mag damit zusammenhängen, dass er wie andere Dichterarchivare auch - so etwa der ungleich berühmtere Franz Grillparzer (1791-1872) im Wiener Hofkammerarchiv -, den Beruf, den er zum Broterwerb ausübte, als Belastung empfand, die ihn von seiner eigentlichen Leidenschaft des Dichtens abhielt.

Der Nachlass wird mit dem gesamten Gutsarchiv Unterdeufstetten, das durch online verfügbare Findbücher erschlossen ist, als Bestand PL 20 im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt.