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Landesarchiv >> Projekte >> Digitale Publikation der Wasserzeichensammlung Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Die Wasserzeichenkartei Piccard im Internet

Die Wasserzeichenkartei Piccard im Internet

Peter Rückert

Mit der Wasserzeichensammlung Piccard (Bestand J 340) verwahrt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart die weltweit größte Sammlung ihrer Art. Sie umfasst rund 95 000 Einzelbelege an Wasserzeichen, die als Tuschezeichnungen auf genormten Karteikarten vorliegen. Ihren Namen trägt die Sammlung nach Gerhard Piccard (1909-1989), der sie als sein Lebenswerk über vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod aufgebaut und bearbeitet hat. Aus über 85 Archiven und Bibliotheken vor allem in Süddeutschland, aber auch in den europäischen Nachbarländern trug er die Belege für seine Kartei zusammen. Bekanntlich sind die Wasserzeichen für eine zuverlässige Datierung auf Papier geschriebener Quellen vor allem des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit von einschlägiger Bedeutung und gestatten dort, wo diese Angaben in den Texten fehlen, deren zeitliche Einordnung in der Regel auf wenige Jahre.

Abbildung des Wasserzeichens Nr. 21119, Typ "Mensch", datiert Badenweiler, 1550
Beispiel Wasserzeichentyp "Mensch", Nr. 21119, datiert Badenweiler, 1550

International bekannt wurde Piccards Wasserzeichensammlung durch die seit 1961 im Druck erschienenen 17 Findbücher, die bis 1997 durch die Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg in insgesamt 25 Bänden vorgelegt wurden (vgl. Archivnachrichten Nr. 12 und Nr. 15). Mit den gedruckten Bänden sind allerdings noch nicht einmal zwei Drittel der Piccardschen Kartei für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihr unpublizierter Rest umfasst etwa 37 000 weitere Karteikarten, deren Publikation nun in digitaler Form umgesetzt wurde. Dabei sollte es zunächst um die Publikation von neuen Wasserzeichentypen gehen. Im Zuge der systematischen Ordnung der Piccardkartei wurde ein feingestaffeltes Klassifikationsschema erstellt, das die eindeutige Zuweisung der einzelnen Wasserzeichenbelege erlaubte (vgl. Archivnachrichten Nr. 18). Als Ergebnis wurden 18 neue Wasserzeichentypen definiert - von Mensch über Wappen und Buchstaben bis zu Fischen und Weichtieren -, die etwa 20 000 Wasserzeichenbelege umfassen. Die übrigen rund 17 000 Belege Piccards wurden als Nachträge den bereits in den Bänden publizierten Wasserzeichentypen zugeordnet.

Abbildung des Wasserzeichens Nr. 26130, Typ "Wappen", datiert Stuttgart, 1625
Beispiel Wasserzeichentyp "Wappen", Nr. 26130, datiert Stuttgart, 1625

Die Grunddaten der Piccardkartei - Provenienz, das heißt Lagerort des Belegs mit Signatur, Datierung und Lokalisierung der Handschrift, des Weiteren Beschreibdatum und -ort, gegebenenfalls Aussteller oder Verfasser des Textes sowie Bemerkungen - bildeten das Gerüst einer MSAccess-Datenbank, welche die entsprechende Feldgestaltung erlaubte und nun mit den Einzeldaten gefüllt wurde. Den rund 20 000 Datensätzen wurden etwa 1800 Klassifikationsdatensätze zugeordnet, welche die Strukturierung der Datenmenge bestimmen. Die Wasserzeichenbilder selbst wurden anschließend über Dienstleister mit einem automatischen Durchlaufscanner eingelesen und digital bearbeitet. Die Verknüpfung der Bild- und Textdaten wird durch die identische Datensatz- und Bilddateinummer gewährleistet.

Abbildung des Wasserzeichens Nr. 27592, Typ "Buchstaben", datiert Pavia, 1389
Beispiel Wasserzeichentyp "Buchstaben", Nr. 27592, datiert Pavia, 1389

Die Gestaltung der Nutzeroberfläche orientierte sich an dem bereits etablierten Modul der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg. Vorgabe war dabei in erster Linie, dass Suchläufe sowohl über die Text- wie über die Bilddaten, also auch rein visuell, möglich sein sollten. In aller Regel geht die Suche doch von einem vorliegenden undatierten Wasserzeichen aus, das zu identifizieren ist. Für diese Identifikation musste auch ein Tool zur identischen Druckausgabe geschaffen werden, das über eine PDF-Version den 1:1-Ausdruck und damit den direkten Vergleich mit der Vorlage ermöglicht.

Abbildung des Wasserzeichens Nr. 44425, Typ "Fische", datiert Braunschweig, 1563
Beispiel Wasserzeichentyp "Fische", Nr. 44425, datiert Braunschweig, 1563

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die bislang unpublizierten Wasserzeichentypen der Sammlung Piccard mit etwa 20 000 Belegen über Internet verfügbar und recherchierbar (www.landesarchiv-bw.de/piccard). Die Zitierweise dieser Belege orientiert sich einfach an den Datensatznummern. Damit ist bereits der bei weitem weltgrößte Bestand an Wasserzeichen im Internet publiziert. Sicher drängt das Desiderat nach einer Online-Recherche in der kompletten Wasserzeichensammlung Piccard, gerade in den noch unpublizierten Nachträgen zu den im Druck erschienenen Wasserzeichentypen, ein Anschlussprojekt bereits auf: Gleichzeitig mit der Evaluierung und Verlinkung des vorliegenden Online-Piccard mit weiteren einschlägigen Wasserzeichensammlungen im Internet wird das Hauptstaatsarchiv dieses Projekt gemeinsam mit der Landesarchivdirektion und in internationaler Zusammenarbeit fortsetzen.

Quelle: Archivnachrichten Nr. 26 (Mai 2003), S. 10.