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Landesarchiv >> Hauptstaatsarchiv Stuttgart >> Aktuelles der Abteilung >> Veranstaltungen, Ausstellungen, Termine >> Die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel deutscher Schulatlanten

Die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel deutscher Schulatlanten

Die deutsche Schulatlaskartographie im Überblick

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Informationsblatt zur Ausstellung

Der erste deutsche Schulatlas, der als solcher bezeichnet wurde, bestand nur aus Karten ohne Schriftteil. Er wurde als "Atlas scholasticus" vom Nürnberger Verleger Homann 1710 publiziert. Erst der "Atlas methodicus" desselben Verlegers von 1719 bestand aus Karten, die eigens für den Unterrichtszweck entworfen worden waren, ist also der erste eigentliche Schulatlas.

Die Schulatlaskarten des 18. Jahrhunderts waren kostspielige Kupferstiche von verhältnismäßig geringer Auflage auf handgeschöpftem Papier aus Lumpenhadern. Die Atlanten waren entsprechend teuer und überwiegend an den wenigen höheren Schulen und im Universitätsunterricht verbreitet. Im 19. Jahrhundert wurden durch die Erfindung des Steindrucks, die Papierherstellung aus Holz statt aus Hadern und viele andere Neuerungen die Kosten des Kartendrucks gesenkt. Dies ermöglichte höhere Auflagen bis zur Massenherstellung, so dass einfache Schulatlanten auch für die Volksschüler aus ärmlichen Verhältnissen zumutbar wurden. Zugleich bekam der Erdkundeunterricht einen höheren Stellenwert. Das Angebot von Schulatlanten wurde nach Altersstufen und Schularten vielfältig. Nicht nur die physischen und politischen Karten topographischen Inhalts, sondern auch thematische Karten zu Religion, physikalischen Erscheinungen, Geologie, Wirtschaft, Völkern und Sprachen usw. fanden Eingang in die Schulatlanten. Schulatlanten sind gerade in ihrer pädagogischen Absicht vom Geist ihrer Zeit und den herrschenden politisch-weltanschaulichen Ansichten gezeichnet und entsprechend als tendenziöse historische Dokumente zu interpretieren.

Die deutsch-französischen Beziehungen im historischen Kontext

Die deutsch-französischen Beziehungen lassen sich im Spiegel deutscher Schulatlanten verfolgen, seit es Schulatlanten gibt, also seit rund 300 Jahren. In den 44 ausgewählten Schulatlanten für den Erdkundeunterricht von 1734 bis 1976 spiegelt sich vielfältig der Geist ihrer Zeit und somit auch das jeweilige deutsch-französische Verhältnis wider. Dazu bieten vier Einzelkarten aus der Zeit zwischen 1659 und 1812 einen repräsentativen Eindruck von der frühen Kartographie der deutsch-französischen Grenzgebiete.

Zum historischen Hintergrund: Im 17. Jahrhundert konnte Frankreich sein Gebiet weit nach Osten und Norden ausdehnen. Die größten Gewinne gelangen im Zeitalter Ludwigs XIV. (1643-1715): Flandern und Hennegau, Artois, fast das gesamte Elsass und die Freigrafschaft Burgund wurden französisch. In diese Zeit fällt mit Homanns "Atlas scholasticus" der erste deutsche Schulatlas von 1710. 1735/66 wurde auch das Herzogtum Lothringen französisch. Der Herzog selbst heiratete die deutsche Kaisertochter Maria Theresia, wurde von seinem Schwiegervater in das Herzogtum Toskana eingesetzt und 1745 als Franz I. Römisch-Deutscher Kaiser. Während der Französischen Revolution nach 1789 wurde auch der kleine Rest deutsch gebliebener Gebiete im Elsass französisch und im Frieden von Lunéville 1801 das gesamte linksrheinische Gebiet von Brügge bis Mainz. Mit dem folgenden Reichsdeputationshauptschluss und dem unter der Schirmherrschaft Napoleons I. 1806 errichteten Rheinbund wurden Preußen und Österreich verkleinert und nach Osten gedrängt. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation existierte nicht mehr. Nach Napoleons Niederlage und dem Wiener Kongress von 1815 konnte Frankreich die Grenzen von 1792 allerdings bewahren.

Einen bedeutenden Einschnitt markierte der deutsch-französische Krieg von 1870/71: Frankreich musste das Elsass und einen Teil Lothringens an Deutschland abtreten. Nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) fielen diese Gebiete wieder an Frankreich zurück. Gemäß Friedensvertrag von Versailles 1919 wurde dann unter Völkerbundsaufsicht ein Saargebiet gebildet, das Rheinland von den Alliierten besetzt und eine entmilitarisierte Zone errichtet. Die Rheinlandbesetzung wurde noch in der Zeit der "Weimarer Republik" vorzeitig beendet, das Saargebiet wurde 1935 wieder deutsch. Im 2. Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen nach dem Frankreichfeldzug 1940 zunächst deutscher Verwaltung unterstellt, 1945 wurde es wieder französisch. Frankreich erhielt eine Besatzungszone, aus der ein vergrößertes Saarland herausgelöst wurde. Aus Besatzungs- bzw. Verwaltungseinheiten wurden neue "Länder" gebildet, in der amerikanischen Zone Württemberg-Baden, in der französischen Zone Baden und Württemberg-Hohenzollern, aus denen schließlich der Südweststaat Baden-Württemberg wurde. Im Nordteil der französischen Zone entstand das Land Rheinland-Pfalz. Nach einer Volksabstimmung 1955 wurde das Saarland zehntes deutsches Bundesland.

In der Nachkriegszeit haben die Bemühungen von Frankreich und Deutschland im Rahmen der europäischen Einigungsbewegung wesentlich zur Stabilisierung des Friedensprozesses beigetragen. Der gemeinsame Wunsch, den jahrhundertelangen Zwist endgültig zu überwinden, nährte die besondere Freundschaft der Nachbarländer Deutschland und Frankreich, wie sie sich seither entwickeln konnte.

Die Kartensammlung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Neben den überwiegend in Privatsammlungen überlieferten Schulatlanten bietet die Kartensammlung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart umfangreiche Dokumente auch zur Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen. Hier finden sich insgesamt ca. 10.000 handgezeichnete und ca. 60.000 gedruckte Karten, die teilweise in Kartenwerken oder Atlanten zusammengefasst sind. Die handgezeichneten Karten sind in der Regel im Geschäftsgang der Verwaltung oder der Gerichtsbarkeit entstanden, so dass sie als Unikate nur im Hauptstaatsarchiv überliefert sind und einen besonderen Wert darstellen. Unter ihnen finden sich die Arbeiten so angesehener Kartographen wie Georg Gadner, Andreas Kieser und Johann Majer, sowie des württembergischen Corps des Guides. Die gedruckten Karten sind zum Teil als Sammlungsgut, also durch Ankauf oder Geschenk, in das Archiv gelangt. Eine größere Anzahl der älteren Karten entstammt jedoch den Beständen des Deutschen Ordens in Mergentheim; die neueren gedruckten Karten stammen zumeist der Kartensammlung des nach 1945 dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart angegliederten Heeresarchiv Stuttgart.

Geographisch konzentriert sich die Kartensammlung des Hauptstaatsarchivs naturgemäß auf den südwestdeutschen Raum, auf das Herzogtum und Königreich Württemberg sowie das Bundesland Baden-Württemberg. Die Sammlung reicht vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart; ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Forstkartographie und bei den Militärkarten.

Erschlossen sind die Karten des Hauptstaatsarchivs in hand- und maschinenschriftlichen Verzeichnissen, zunehmend jedoch auch in Datenbanken. Die Beschreibungen zu den Kartenbeständen und bereits erstellte Online-Findbücher sind zugänglich über www.landesarchiv-bw.de.



Präsentation vom 6. Oktober bis 17. Dezember 2004 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

© Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Joachim Neumann (für die Atlanten) und dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart (für die Einzelkarten) erarbeitet. Die Übersetzung leistete das Institut Français de Stuttgart (Cécile Obligi).