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Landesarchiv >> Generallandesarchiv Karlsruhe >> Aktuelles der Abteilung >> Veranstaltungen, Ausstellungen, Termine >> Die "Affäre Daubmann" - eine badische Köpenickiade.

Die "Affäre Daubmann" - eine badische Köpenickiade.

eine Ausstellung aus den Akten des Generallandesarchivs Karlsruhe und des Staatsarchivs Freiburg

2005-01-28 00:00:00

Clemens Rehm / dpa

Wehrgeschichtliches Museum, Schloss Rastatt, freitags bis sonntags 9.30-17.00 Uhr

An seinem Schicksal entzündeten sich Volkszorn und monatelanger Jubel der Massen. Mit seinen Lügen als vermeintlich letztem Kriegsheimkehrer hielt er vor mehr als 70 Jahren Millionen Deutsche zum Narren.

Plakat zur Ausstellung: Oskar Daubmann alias Karl Ignaz Hummel

Und doch interessierte sich kaum einer für die in den Archiven dokumentierten Geschichte des Hochstapler Oskar Daubmann alias Karl Ignaz Hummel. Diese peinliche und gleichzeitig entlarvende Geschichte wurde verschleiert, verschwiegen und war fast vergessen. Daran änderte sich wenig, als die polizeilichen Ermittlungsakten 1998 in das Generallandesarchiv abgegeben wurden.

Studenten der Universität Karlsruhe haben gemeinsam mit dem Generallandesarchiv Karlsruhe die "badische Köpenickiade" und ihre Aufdeckung am Vorabend der Nazi-Herrschaft nun mit einer Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt zurück ins Rampenlicht geholt. Durch viele Originale, wie Briefe, Vernehmungsprotokolle, Fotos und Zeitungsausschnitte wird die Geschichte der "Affäre Daubmann" vorgestellt - und manches bleibt doch unerklärbar.

Mit dem Wunsch nach einem Bahnticket begannen die teils sagenhaften Geschichten des Lügners, der seine falsche Identität einem Millionenvolk, der Politik und den Medien vom Mai bis Oktober 1932 glaubhaft zu verkaufen wusste. Nach einer gescheiterten Flucht vor Arbeitslosigkeit und einer schwangeren Frau schlüpfte der in Italien gestrandete Ignaz Hummel in die Haut seines zeitweiligen Klassenkameraden Oskar Daubmann, der seit 1916 als gefallen galt. Hummel erfand die Geschichte vom letzten Kriegsheimkehrer nach 16 Jahren heldenhafter erlittener Gefangenschaft in den Klauen des Erzfeindes Frankreich. Nach einem Fluchtversuch, bei dem er einen Wachposten erschlagen habe, sei er 1917 von den Franzosen wegen Totschlags zu 20 Jahren Haft verurteilt und in ein algerisches Gefangenenlager transportiert worden. Erst 1932 habe er sich nach gelungener Flucht durch die Wüste und einer Fahrt über das Mittelmeer als blinder Passagier bei seinen Eltern in Endingen (Kreis Emmendingen) zurückmelden können.

Als vermeintlicher Kriegsheimkehrer wurde "Daubmann" frenetisch gefeiert. Aus nationalistischem Interesse und wegen der starken Vorurteile gegen den einstigen Kriegsfeind Frankreich waren seine Erzählungen Wasser auf den Mühlen derer, die um jeden Preis Frankreich an den internationalen Pranger stellen wollten. Der falsche Daubmann wurde u.a. für Joseph Goebbels und viele Veteranenvereine zum Kronzeugen.

Von mehr als 15 000 Menschen wurde ihm in Endingen ein Empfang bereitet. Tausende besuchten seine Vorträge über seine vermeintlichen Leiden; eine Publikation seiner Erlebnisse wurde vorbereitet.

Kaum einer wagte einen Zweifel laut zu äußern, zumal ja auch Daubmanns Eltern den verloren geglaubten Sohn feierten.

Als die französischen Behörden jede Kenntnis Daubmanns abstritten, verstärkten die deutschen Behörden ihre Ermittlungen. Ein französischer Kriegsgefangener und Matrosen brachten schließlich die Wahrheit ans Licht: In einem Brief des Ex-Fremdenlegionärs entpuppten sich Daubmanns Angaben zum Lager als "völlig falsch". Auch die Besatzung eines Dampfers, mit dem Daubmann nach Europa geschifft sein wollte, versicherte, der Mann sei ihnen "weder persönlich noch dem Namen nach bekannt". Vom deutschen Konsulat in Tunis hieß es außerdem, Daubmann könne sich auf seiner abenteuerlichen Flucht gar nicht - wie von ihm behauptet - von Kokosmilch ernährt haben: Es wüchsen in dieser Region gar keine Kokosnüsse. Fingerabdrücke bringen schließlich den eindeutigen Beweis. Daubmann ist Hummel, ein in der Schweiz geborener, in Offenburg beheimateter, mehrfach vorbestrafter Schneider.

Der Hochstapler wird wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, der sich Sicherheitsverwahrung bis 1945 anschloss, denn Blamage der Nationalisten sollte unterdrückt werden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kann sich Hummel in Deutschland eine neue bürgerliche Existenz aufbauen.

Die Affäre Daubmann wurde schnell vergessen, weil sie den Nazis peinlich war; dann folgte der Krieg, nach dessen Ende andere Themen wichtiger waren. Zerstörte Städte waren wichtiger als der ramponierte Ruf der Kaiserstuhlstadt. Nur die Endinger, die Daubmann damals den Teppich ausgerollt hatten, erfahren die Auswirkungen der Geschichte: Sie werden im Streit und im Scherz nach wie vor als "Daubinger" bezeichnet, wenngleich die allermeisten nicht mehr wissen, wie der Name entstanden ist.

Die Ausstellung ist in Rastatt bis zum 27. März 2005 freitags bis sonntags von 9.30 bis 17.00 Uhr sowie an Feiertagen geöffnet. Weitere Stationen sind in Freiburg und Sigmaringen vorgesehen.

Eintritt (3€ / 2 €)